Christian Berner/Frank Schültge: Deutschland sucht den Superpoet (SWR 2)

Dünn und armselig

04.09.2015 •

Natürlich, es musste ja so weit kommen: Die Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ (RTL), für die derzeit das Casting für die 13. Staffel läuft, würde sich früher oder später auch als Comedy-Ereignis ins Radio schmuggeln. Das war klar. Die Medienulkspezialisten Christian Berner und Frank Schültge konnten sich das nicht entgehen lassen. Erstaunlich freilich, dass sich das Autorenduo auf dem SWR-2-Sendeplatz „Tandem“ auf 20 Sendeminuten beschränkte, eine Bescheidung, die aber angesichts des Witzes und Geistes, die da versprüht wurden, ein faires Angebot an den nachsichtigen Hörer war.

Was da als Hörspiel-Medienspaß im Radio serviert wurde, erinnerte genau genommen an die liebe, doch zugleich bemühte Präsentation auf einer Abiturienten-Fete, die sich in erster Linie an den verhassten Deutschlehrer richten sollte. Überdreht, entfesselt und von allen guten Geistern verlassen treten die Lyrik-Grufties Matthias Claudius, Theodor Fontane, Hermann Hesse, Heinrich Heine und Johann Wolfgang von Goethe in die Lautsprecher und zelebrieren dort ihre medial zertrümmerten Gedichte wie „Abendlied“, „Nachtgedanken“, „Stufen“ oder „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“. Die Poeten, natürlich auch Goethe mit seinen „Nachtgedanken“, werden von der Englisch stammelnden Jury (gesprochen von Stefan Kaminski und Nadja Schulz-Berlinghoff) nach Strich und Faden auseinandergenommen und verhackstückt. In der 19. Minute fleddert die Jury-Sitzung dann endlich auseinander, ein Dialog-Rülpser gibt den andern: „Wie auch immer, wir nähern uns dem Ende, mal wieder geil, wie viel Loser heute am Start waren. / Ihr wart ein Superpublikum! / Bleibt gesund und bis zum nächsten Mal! / Mal sehen, was für Sprallos da gecastet werden / Ciao, ciao!“

Das Autoren- und Regieteam Berner/Schültge hat die Casting-Szenen schließlich noch mit Werbespots der literarischen Art aufgepeppt, aber auch das wollte nicht richtig funktionieren. Zu hölzern, gewollt und geistlos kam auch diese Mischung von hilfloser Medienkritik und Gag-Offensive daher. Es steht zu vermuten, dass die Autoren bei der Produktion ihres Stücks im Studio sicher immer wieder brüllend gelacht haben. Von diesem Fest der akustischen Sinne bekam der Hörer draußen am Gerät jedoch nichts ab. Das war dann doch etwas zu dünn, zu armselig und nährte den Verdacht, dass nicht alles, was schenkelklopfend-albern daherkommt, auch gesendet werden muss.

Nur eines wurde hier bestätigt: dass Comedy mit Humor und Ironie oft genug nicht das Geringste zu tun hat. Sie ist – wie hier gehört – nur zu oft dem tautologisch zelebrierten Schwachsinn in Film, Funk und Fernsehen verpflichtet. Und das ist zu wenig für annehmbare Unterhaltung im öffentlich-rechtlichen Umfeld.

04.09.2015 – Christian Hörburger/MK

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