Timster. Medienmagazin für Kinder. Moderation: Tim Gailus (Kika)

Hauptsache Spaß

26.09.2015 •

Der Gedanke, in passendem Rahmen ein auf Kinder zugeschnittenes Medienmagazin anzubieten, überzeugt auf Anhieb. Smartphones, Tablets, Spielkonsolen gehören heute zum Alltag der Heranwachsenden. Die Handhabung der Geräte stellt selten ein Problem dar, wichtig hingegen ist Aufklärung über die Inhalte, die verborgenen Funktionen, die wirtschaftlichen Absichten der Anbieter. Seit Anfang August hat der von gemeinsam ARD und ZDF veranstaltete Kinderkanal (Kika) mit der wöchentlichen Sendereihe „Timster“ ein solches Angebot im Programm. Der auf den ersten Blick kryptische Titel ist abgeleitet vom Vornamen des Moderators Tim Gailus, der zuvor unter anderem als Science Slammer hervorgetreten war.

Die Premierenausgabe vom 8. August unterschied sich von den späteren, stärker formatierten Folgen, weil sich Moderator und Redaktion aus aktuellem Anlass monothematisch der Kölner Gamescom widmeten. Tim Gailus sprach mit Besuchern der Messe, er stellte Computerspiele und deren Schöpfer vor. Häufig verwendete der 27-Jährige Fach- und Szenebegriffe wie beispielsweise „Cosplayer“, die dann durch Einblendung eines gelben Klebezettels schriftlich erklärt wurden: „Costume = Kostüm + Player = Spieler“. Nicht immer waren diese Erläuterungen hinreichend. Die Übersetzung „Computerwelt“ für „Virtual Reality“ ist mit Blick auf ein unerfahrenes Publikum denn doch allzu dürftig.

Wenig ergiebig war Gailus’ Begegnung in Köln mit Charles Martinet, seit 24 Jahren Synchronsprecher der Spielefigur „Super Mario“. Gailus stellte Martinet kurz vor, Fragen hatte der Moderator offenbar keine. Die Zuschauerschaft weiß jetzt, wie der Mann aussieht, mehr aber auch nicht. Die Abmoderation kennzeichnet recht gut die Haltung von Tim Gailus, die auch die weiteren „Timster“-Ausgaben prägte: „So viele Leute, jede Menge Spaß. Packend, mitreißend. Diese Welt der Videospiele. Wow!“

In den folgenden Sendungen wurde die Produktion der neuen Reihe selbst zum Thema gemacht. Dabei wurde nach und nach demonstriert, welcher Voraussetzungen es bedarf, ehe ein solches Magazin auf den Bildschirm gelangt. Gailus berichtete anhand seines eigenen Werdegangs, wie ein Fernsehmoderator gesucht und gefunden wird. Er zeigte sein Bewerbungsvideo und wie er mehrere Vorstellungsrunden durchlaufen musste, fragte auch bei den Verantwortlichen des Senders, warum letztlich er mit der Moderation betraut wurde. Weiter ging es mit einer Redaktionskonferenz und der Suche nach einem Titel für die Sendung.

In gleicher Manier arbeitete sich die Redaktion noch über mehrere Folgen am eigenen Metier ab. Ergänzend gab es unter anderem Beiträge über das Training von Filmhunden und über die Synchronisation von Animationsfilmen wie „Der kleine Rabe Socke 2“. Hier stellte sich der als Synchronsprecher wirkende Sänger Jan Delay den Fragen einer Gruppe von Kindern. Die agierten pfiffig und gewitzt, brachten Delay mehrfach zum Lachen und zum Nachdenken – und waren als Interviewer dem oft einfallslos fragenden Moderator Gailus, der in der Sendung natürlich Tim genannt wird, deutlich überlegen. „Timster“ soll für die Kinder auch ein „Mitmach-Format“ (Kika) sein.

Der Part von Tim Gailus als Präsentator ist dabei uneindeutig. Er agiert wissbegierig als Stellvertreter der zuschauenden Kinder, zugleich aber auch als Erklärer mit Erfahrungsvorsprung. Die Beiträge, in denen er als Protagonist auftritt, sind primär erlebnisorientiert. Sie zeigen ihn bei diversen Unternehmungen; er demonstriert seinen Spaß und das Publikum darf zuschauen. Dabei bleibt es oftmals auch.

Wünschenswert wäre demgegenüber eine intensivere Durchdringung der verschiedenen Themen. Ein Beispiel: In der Sendung vom 22. August rief Gailus die Zuschauer auf, ihre schönsten Tierfotos auf der Web-Seite des Kika hochzuladen, mit denen er dann seine Bürowand schmücken wolle. Der Sender folgt mit solch einer Aktion der fragwürdigen Praxis vieler Medienunternehmen, ohne finanzielle Kompensation auf geistiges Eigentum von Lesern und Zuschauern zuzugreifen. Beispielsweise produzieren Lokalzeitungen Bücher mit historischen Fotos aus dem Besitz ihrer Leser und bringen sie in den Verkauf, ohne die Urheber zu honorieren. Es droht angesichts umfassender Digitalisierung schon bald in Vergessenheit zu geraten, dass Fotos neben einem ideellen auch einen materiellen Wert besitzen. Hier offenbart sich ein wichtiges Lernziel für junge Zuschauer, die Problematik hätte man – entwickelt aus dem Wunsch des Moderators, Fotos als Dekors für eine Medienproduktion zu akquirieren – durchaus altersgerecht thematisieren können.

Bislang zeigt sich die unter dem Label ‘Medienmagazin für Kinder’ firmierende Sendereihe „Timster“ (Nordisch Filmproduktion) als eine Mischung aus sehr viel Jux, Videospiel-Testerei, gelegentlichen Erklärmomenten nach Art der „Sendung mit der Maus“ (ARD/WDR) und seltenen Einsprengseln von Hintergrundinformationen. Diese Zusammensetzung ließe sich, ohne dem Unterhaltungswert zu schaden, zum Besseren verändern.

26.09.2015 – Harald Keller/MK

Print-Ausgabe 23/2019

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