ZDF startet mit „Heute plus“ ein Nachrichtenformat für Jüngere

16.05.2015 •

16.05.2015 • Das ZDF startet am 18. Mai (Montag) mit „Heute plus“ ein neues Nachrichtenformat, das sich insbesondere an jüngere Menschen richtet. „Heute plus“ ist als crossmediales Format mit einer Länge von 15 Minuten konzipiert, in dem über Social Media offensiv der Austausch mit den Internet-Nutzern gesucht wird. Online und Fernsehen sollen hier miteinander vernetzt und zugleich Jüngere stärker für Nachrichten interessiert werden. „Heute plus“ wird von montags bis freitags um 23.00 Uhr im Livestream über die ZDF-Mediathek und die Internet-Seite der „Heute“-Nachrichten abrufbar sein. Im ZDF wird „Heute plus“ ab dem 18. Mai auf dem Sendeplatz von „Heute Nacht“ ausgestrahlt. Das ebenfalls 15-minütige Nachrichtenmagazin gibt es seit Oktober 1994 (werktags gegen Mitternacht). Die letzte Ausgabe ist am 15. Mai zu sehen. Dann wird das Magazin zugunsten von „Heute plus“ eingestellt. Bei der Ausgabe von „Heute plus“, die im ZDF gezeigt wird, handelt es sich nicht um eine Wiederholung der 23.00-Uhr-Ausgabe, sondern um eine erneut live produzierte Sendung.

Moderiert wird das neue Format im wöchentlichen Wechsel von Daniel Bröckerhoff und Eva-Maria Lemke. Bröckerhoff, Jg. 1978, arbeitete bisher als Reporter für das NDR-Medienmagazin „Zapp“, als On-Air-Reporter für die Talkreportage-Sendung „Klub Konkret“ (ARD/Eins Plus) und als Autor für die Reihe „ZDFzoom“. Lemke, Jg. 1982, kam im vorigen Jahr als Moderatorin zum ZDF-„Morgenmagazin“. Dort präsentierte sie die Sendung in der Zeit von 5.30 bis 7.00 Uhr. Lemke hat beim NDR volontiert und war auch beim ZDF-Magazin „Wiso“ als Reisereporterin im Einsatz. Die bisherigen Moderatoren von „Heute Nacht“, der 47-jährige Ralph Szepanski und die 32-jährige Catherine Vogel, werden laut dem stellvertretenden ZDF-Chefredakteur Elmar Theveßen innerhalb der „Heute“-Redaktion an anderer Stelle eingesetzt. Catherine Vogel war im Oktober 2014 vom WDR zum ZDF gewechselt.

Auf der „Media Convention“ in Berlin präsentierte Theveßen am 6. Mai zusammen mit Daniel Bröckerhoff und Clas Dammann, Projektmanager von „Heute plus“, das Konzept der neuen Nachrichtensendung. Theveßen sagte, es gehe um drei Punkte. Erstens wolle man an die Themen „mit einer anderen Haltung“ herangehen, sie auch mal „gegen den Strich bürsten“. Haltung sei dabei aber „nicht zu verwechseln mit Meinung“. Zweitens setze man bei „Heute plus“ auf eine frische und kreative Machart etwa bei der Produktion von Beiträgen. Drittens gehe es um „die ständige Interaktion“ mit dem Publikum: „Wir wollen Input bekommen, um diesen einzubauen“, so Theveßen in Berlin. Er verwies etwa auf Facebook und Twitter als Interaktionskanäle: „Wenn wir diskutieren wollen, müssen wir auf die Plattformen, wo die Diskussionen sind.“ Der stellvertretende ZDF-Chefredakteur gestand ein, dass es dazu „eine heiße Diskussion“ im Sender gegeben habe, ob dies der richtige Weg sei.

Haltung, Kreativität, Interaktion

Daniel Bröckerhoff ergänzte, es gehe bei „Heute plus“ zudem darum, durch die Interaktion mit dem Publikum Themen weiterzudrehen. Projektmanager Dammann kündigte an, das Team werde „sehr stark mit Grafiken arbeiten, um einen anderen Blick auf Themen zu werfen“. In der Kombination aller Punkte entstehe „etwas Neues, was bisher nicht im Programm zu finden ist“, sagte Dammann in Berlin. Denkbar sei auch, so Theveßen, dass die „Heute-plus“-Ausgabe um 23.00 Uhr um „interaktive Elemente“ erweitert werde, und zwar in der Form, dass sich Verantwortliche der Kritik stellen. So wie es bis zuletzt in einer freitags auf ZDFinfo ausgestrahlten Sendung gleichen Namens der Fall war. Dieses Format sei nun aber eingestellt worden, um Ressourcen für das neue Projekt zu schaffen, erläuterte Theveßen.

Dass es zum ersten Mal ein Format gebe, „was die Interaktivität in Nachrichtenbereich mitberücksichtigt“, sei Teil einer crossmedialen Strategie des ZDF im Nachrichtensegment, so Theveßen weiter. Dazu gehöre auch, dass ab Sommer Kurznachrichten (etwa die 100-Sekunden Videonachrichten und der Nachrichtenticker) nur noch von einem Team produziert würden – unabhängig davon, über welchen Ausspielweg diese Inhalte verbreitet würden. Bislang habe es hier eine plattformabhängige Trennung gegeben.

Ferner sollen Theveßen zufolge die Planungsredakteure der tagesaktuellen Sendungen künftig mitbeachten, wie sich Inhalte crossmedial verbreiten ließen, also angepasst an die unterschiedlichen Plattformen. Dabei werde auch eine Datenbank eingesetzt, auf die sämtliche ZDF-Redaktionen Zugriff hätten. So könnten alle Mitarbeiter erfahren, wer wo an welchen Themen arbeite. Überdies werde das ZDF in seinem Newsroom „eine kleine Rechercheeinheit“ integrieren, sagte Theveßen. Das vierköpfige Team solle jeden Tag zwei Themen umfassender recherchieren, die sich aus dem Tagesgeschehen ergäben. Außerdem werde das ZDF noch ein eigenes Social-Media-Team aufbauen, das sich ausschließlich um die Begleitung der aktuellen Berichterstattung kümmern solle.

16.05.2015 – vn/MK

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