David Ungureit/Uwe Janson: Die Udo Honig Story (Sat 1)

Er kann gar nicht anders

10.09.2015 •

Nun also auch Sat 1: Zwei Wochen nachdem das ZDF das Doku-Drama „Der Patriarch“ über den Fall Hoeneß ausgestrahlt hatte (vgl. MK-Kritik), zog am 8. September der Privatsender mit gleich zwei Stücken nach. Zunächst lief unter dem Titel „Die Udo Honig Story“ ein Fernsehfilm, der sich des Themas als Farce annahm. Und direkt im Anschluss folgte in Form der klassischen Dokumentation der Beitrag „Uli Hoeneß – Der Millionenspieler“, der sich der Affäre um den ehemaligen Präsidenten des Fußball-Bundesligisten FC Bayern München in sachlicher Form widmete (22.15 bis 23.15 Uhr). Wenn man so will, fächerte Sat 1 die Geschichte in jene zwei chronologischen Teile auf, die das ZDF in einem Film zusammenbrachte. Das bedeutete vor allem für den Fernsehfilm eine spürbare Entlastung; hier mussten nicht noch einmal die Geschehnisse um die Steuerselbstanzeige, die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und schließlich den Strafprozess gegen Hoeneß erzählt werden. Stattdessen erfanden die Drehbuchautoren David Ungureit und Uwe Janson (der auch die Regie führte) eine Geschichte, die nach dem Gerichtsprozess spielt und von den Gefängniserlebnissen des ehemaligen Fußballstars erzählt.

Selbstverständlich ist all das, was der Sat-1-Spielfilm in 90 Minuten (plus Werbezeit) berichtet, heillos erfunden, weshalb Uli Hoeneß dort Udo Honig heißt und seine Freunde Franz Beckenbauer und Paul Breitner als Kaiser und Greitner agieren müssen. Ebenso selbstverständlich versammelt die Komödie eine Reihe von Elementen, die man aus jedem Gefängnisfilm kennt, wie etwa die Revierkämpfe unter den Gefangenen und die Machtattitüde des Gefängnisleiters. Manches davon erschien beliebig und zufällig wie etwa die bizarren Uniformen der Gefängnisbeamten oder die Fußballtrikots nachempfundene Gefängniskleidung (jeder Gefangene hatte seine Rückennummer).

Anderes war bis ins Ausstattungsdetail schön ausgedacht wie etwa die Bajuwarika-Sammlung des Gefängnisleiters (Heiner Lauterbach), die von Udo Honig selbst diktierten Tagebuchnotizen, die sein Zellengenosse aufschrieb und an die Boulevardpresse verkaufte, oder die politische Kumpanei zwischen dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Hofersee (Wolfgang Krebs) und Udo Honig, der dem Politiker den Ratschlag gab, die Autobahnmaut um einen VIP-Zuschlag für die Überholspur populistisch zu ergänzen.

Tragfähig war auch die zentrale Idee des von Ufa Fiction produzierten Films, dass der Metzgerfabrikantensohn und Fußballmanager Honig – gespielt von Uwe Ochsenknecht – das Gefängnis innerhalb kürzester Zeit übernimmt und zu einem profitablen Unternehmen umbaut. Der gute Mann kann gar nicht anders. Leider musste dieser Gedanke dann in länglichen Dialogpassagen mit einer Gefängnispsychologin (Shadi Hedayati) um- und umgewendet werden, bis auch wirklich der Allerletzte begriffen hatte, dass man sich Honig alias Hoeneß als einen Menschen vorstellen muss, der nach Macht so süchtig ist wie andere nach Alkohol oder Nikotin. In diesen Passagen verlor der Film an Tempo und an Witz, den er erst am finsteren Ende wieder gewann, als Udo Honig, als wenn nichts gewesen wäre, an die Spitze seines Fußballvereins zurückkehrt.

Uwe Ochsenknecht war als Uli Hoeneß – und das ist wirklich eine Überraschung – besser als Thomas Thieme, der ihn für die Prozess-Szenen im ZDF-Film spielte. Das lag vor allem daran, dass Ochsenknecht die Schlitzohrigkeit und das Auftrumpfende des Ulrich Hoeneß mimisch wie sprachlich viel besser erfasste als der sehr zurückgenommen agierende Thieme. Schön auch die Besetzung der Honig-Gattin mit Gisela Schneeberger; durch sie rückte die Ehefrau des Fußballmanagers mit ins Zentrum der Erzählung, da sie die einzige ist, die ihren Mann durchschaut und ihn am Ende wieder beim Zocken erwischt.

In der Summe war „Die Udo Honig Story“ (2,75 Mio Zuschauer Marktanteil: 9,4 Prozent) kein Meisterstück einer filmischen Farce, aber immerhin eine angenehme Unterhaltung, die sich zudem jener leicht unterwürfigen Haltung entsagte, die etwa noch der ZDF-Film gegenüber seinem Protagonisten eingenommen hatte. Wie es zu einer solchen Haltung kommt, darauf gab die anschließende Sat-1-Dokumentation (1,92 Mio Zuschauer, Marktanteil: 9,6 Prozent) einen kleinen Hinweis. Viele der dort mitwirkenden Weggefährten von Uli Hoeneß fragten wohl bei ihm erst einmal an, ehe sie sich an einem solchen Film zu beteiligen trauten. Man kann das als einen Freundschaftsdienst ansehen, man kann es aber auch als Ausweis jener Macht betrachten, die Hoeneß bis zu seinem Urteil wegen Steuerhinterziehung aufgebaut hatte und die er tagtäglich genoss. Eine Macht, die wohl immer noch groß genug ist, wie die „Süddeutsche Zeitung“ in einer Rezension des Sat-1-Fernsehfilms andeutete: Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) habe die Lizenzrechte an TV-Bildern für den ZDF-Film über Hoeneß (3,24 Mio Zuschauer, Marktanteil: 11,6 Prozent) nur gegen Vorlage einer Einverständniserklärung des FC Bayern herausgeben wollen. Bilder, die in der Hauptsache einst von ARD und ZDF aufgenommen worden waren.

10.09.2015 – Dietrich Leder/MK

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