„Da geht nix mehr zu lowern“: LeFloid, Frodoapparat und RobBubble bei Eins Plus

21.08.2015 •

Das Problem ist nicht neu. Wenn Kinder der „Sendung mit der Maus“ und dem Kika spätestens im Alter von zehn Jahren entwachsen, dann sind sie für das öffentlich-rechtliche Fernsehen verloren. Vorübergehend oder – was wahrscheinlicher ist – für immer. Statt es sich im Pantoffelkino gemütlich zu machen, tummeln die Heranwachsenden sich dann im Netz auf Plattformen wie YouTube und finden dort ihre Idole und Formate. Weil die Fernsehschaffenden inzwischen in ihrem Vorhaben kapituliert haben, diesem Trend originäre Eigenproduktionen entgegenzusetzen, versuchen sie zunehmend, die Idole der neuen Generation in ihr tradiertes Geschäftsmodell einzubinden. Neuestes Beispiel: das Magazin „1080 NerdScope“. Am späten Dienstagabend ab 22.45 Uhr flachsen da beim Spartensender Eins Plus (verantwortet vom SWR) seit dem 4. August die drei deutschen YouTube-Stars LeFloid, Frodoapparat und RobBubble einmal pro Woche 15 Minuten lang um die Wette.

Wer dort als Normalsterblicher jenseits der 40 hineinzappt, wird kaum mehr als Bahnhof verstehen. In einer trashigen Minimal-Deko sitzen die drei Herren, die bürgerlich unspektakulär Florian Mundt, Max Krüger und Robin Blase heißen und alle so um die 25 sind, in schwarzen Anzügen an einem Tisch, foppen sich gegenseitig, fachsimpeln, was einen echten Nerd ausmacht, und reden vor allem über Computerspiele. Und das in einem deutsch-englischen Kauderwelsch, das manchmal kreativ, aber vorwiegend einfach nur albern ist. Sagt auch mein Junior, fast 15 und passionierter Gamer, den ich mir zur Sichtung als Insider bzw. Übersetzer dazugeholt habe. Über Sätze wie „Wir lassen die Woche jetzt mal Review passieren“ oder „Da geht nix mehr zu lowern“ kann er auch nicht wirklich lachen, aber er erklärt mir immerhin, was es mit den Spielen auf sich hat, mit denen sich das Trio da mal ernst, mal (selbst)ironisch beschäftigt und dabei mit Namen und Begriffen um sich wirft, die ich allenfalls akustisch verstehe. Als am Schluss der ersten Ausgabe eine junge Frau (Junior: „Die ist auch YouTuberin und hat so’n Beauty-Kanal“) im Mini-Studio auftaucht und erklärt, die Einschaltquote sei 42, hab ich als alter Sack auch mal ein Erfolgserlebnis. 42, das ist doch in Douglas Adams’ Kultbuch „Per Anhalter durch die Galaxis“ die umfassende Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens.

Was mein Sohn allerdings überhaupt nicht versteht: Was soll so ein Format im Fernsehen, dazu noch im öffentlich-rechtlichen? O-Ton: „Das guckt doch da keine Sau!“ Womit er richtig liegen dürfte, zumal die Mini-Show vorab sowieso auf YouTube zu sehen ist. Vermutlich geht es mit TV-Übernahmen à la „1080 NerdScope“ hier in erster Linie darum, bei Kids angesagte Stars für das öffentlich-rechtliche Jugendangebot an sich zu binden, das im nächsten Jahr im Netz an den Start gehen soll. Dazu meint Sohnemann jedenfalls: „Sowas braucht doch kein Mensch!“

21.08.2015 – Reinhard Lüke

Print-Ausgabe 20-21/2019

Inhalt

Abonnement

Jetzt abonnieren