USA: CBS verstärkt Programminvestitionen

02.07.2019 •

Ein gutes Beispiel dafür, wie spürbar die alteingesessenen Broadcast-Networks unter dem wachsenden Interesse des amerikanischen Fernsehpublikums an den sich immer rascher ausbreitenden Streaming-Angeboten leiden, kam jetzt aus der Chefetage des Networks CBS. Dort hat man sich entschlossen, noch im laufenden Jahr mehr als 8 Mrd Dollar in die Produktion und den Ankauf neuer Programme für die eigenen Plattformen und für kooperierende Käufer zu investieren. Als Grund für die Aufstockung der Produktionsgelder nannte CBS ausdrücklich die „Veränderungen auf dem Pay-TV-Markt und die zunehmende Konkurrenz durch neue Wettbewerber mit großen Geldbeuteln wie zum Beispiel Apple“.

Liest man ein wenig zwischen den Zeilen, so wird klar, dass das viele Geld keineswegs hauptsächlich dem Angebot des traditionellen CBS-Networks zugutekommen soll. Sehr rasch ist da nämlich die Rede von der seit Ende 2014 bestehenden eigenen Streaming-Plattform CBS All Access, die mit ihren derzeit 4 Mio Abonnenten weit hinter den meisten Konkurrenten herhinkt und dringend einer Adrenalinspritze bedarf. Der Ausbau von CBS All Access – wie auch der des Streaming-Angebots des zu CBS gehörenden Pay-TV-Senders Showtime – geht vorsichtig und langsam voran. Anfang 2018 gab die exklusiv dort zu sehende Serie „Star Trek Discovery“ zum ersten Mal deutlichen Auftrieb. Auch die Übertragung der Verleihung der Grammy-Musikpreise 2019 bei CBS All Access vermochte für Aufmerksamkeit zu sorgen. Doch all das ist angesichts des immer attraktiveren Umfelds nicht genug, um die CBS-Plattform im Bewusstsein des Publikums zu etablieren.

Ziel: 25 Mio Streaming-Abonnenten

„Wir fühlen uns heute besser als im letzten Quartal, was unsere Zielvorstellung angeht, im Jahr 2022 rund 25 Mio Abonnenten zu erreichen“, sagt Jim Lanzone, der Chef von CBS Interactive, zu dem Thema. Man scheint sich bewusst zu sein, dass ein vergleichsweise kleines Streaming-Angebot nur bestehen kann, wenn es gelingt, ein Stammpublikum zu erreichen. CBS All Access versucht das außer mit „Star Trek Discovery“ mit der Fortsetzung existierender populärer Serien wie „The Good Fight“ und „The Twilight Zone“. Auch eine Ausweitung in internationale Märkte könnte der CBS-Plattform helfen. In Kanada und Australien ist CBS All Access seit dem vorigen Jahr bereits präsent, Westeuropa und Lateinamerika sollen bald hinzukommen.

Ein Teil der zusätzlichen Investitionen wird wahrscheinlich auch in die neuen 24-stündigen regionalen Fernsehnachrichtensender fließen, die CBS in einigen amerikanischen Ballungsgebieten aufbaut. Der erste von ihnen nahm seinen Betrieb im Dezember 2018 in New York auf, Los Angeles soll noch in diesem Quartal folgen und Boston und San Francisco sind zum Jahresende an der Reihe.

02.07.2019 – Ev/MK