USA: Ann Sarnoff wird Chefin von Warner Bros.

10.07.2019 •

Sogar viele Insider in der amerikanischen Film- und Fernsehbranche konnten die Frage nicht beantworten: Wer ist Ann Sarnoff? Seit dem 24. Juni dieses Jahres lautet die Antwort: Ann Sarnoff ist ab diesem Sommer Chairwoman und Chief Executive Officer (CEO) des Film- und Fernsehstudios Warner Bros. Entertainment.

Seit Monaten hat die Unterhaltungsindustrie in den USA mit Spannung darauf gewartet, wer die Nachfolge des (ziemlich unfreiwillig) ausgeschiedenen Kevin Tsujihara antreten würde, dem trotz der ihm vorgeworfenen und von ihm zurückgewiesenen Verfehlungen viele Untergebene in dem großen Hollywood-Studio nachtrauern. Dass es wohl diesmal eine Frau sein müsste, die bei Warner Bros. die Spitzenposition übernimmt, war im gegenwärtigen Klima zu ahnen (vgl. hierzu diese MK-Meldung). Dass die Muttergesellschaft Warner Media aber eine in der Branche nahezu Unbekannte und für Außenstehende gänzlich Fremde auswählen könnte, das hatte niemand vermutet. Wie auch immer, Ann Sarnoff tritt ihr Amt als Warner-Bros.-Chefin zu einem entscheidenden Zeitpunkt an und hat bei dem Unternehmen einen wegweisenden Auftrag zwischen der Bewahrung einer großen Tradition und dem Eintritt in die alles umwälzende Streaming-Ära zu bewältigen.

Verblüffung in der Branche

Gegründet im Jahr 1923 und damit auf ein gewichtiges Jubiläum zusteuernd, gehört Warner Bros. zu den wenigen Hollywood-Produktionsfirmen, mit denen die Tradition des Kinos und später auch die des Fernsehens untrennbar verbunden ist. Warner Bros. ist die Heimat von „Casablanca“ und „My Fair Lady“, später dann auch von „Harry Potter“ und „Batman“, von Serien wie „77 Sunset Strip“ und „Roots“. Clint Eastwood fühlte sich dort sein Leben lang zu Hause. Nicht, dass eine Frau zukünftig die Richtung bestimmen wird, muss in diesem Zusammenhang als irritierend empfunden werden; aber die die Tatsache, dass die nun ausgewählte zukünftige Führungsperson bisher kaum zu erkennen gegeben hat, was sie dazu prädestiniert, ein Studio wie Warner Bros. zu leiten, hat viele in der Branche verblüfft.

Die 57-jährige Ann Sarnoff war zuvor für das wirtschaftsorientierte Verlagshaus Dow Jones und für die Women’s National Basketball Association (WNBA) tätig, jüngst dann auch für die Fernsehsender BBC America und Nickelodeon. Ihre Positionen waren strategisch orientiert, was vermuten lässt, dass Sarnoffs Kenntnisse und Talente auf dem Streaming-Sektor für ihre Wahl ausschlaggebend gewesen sein könnten. Die einzige Querverbindung zur Film- und Fernsehtradition, die in ihrer Vita auftaucht, ist zufällig bedingt: Der Großonkel ihres Ehemanns war David Sarnoff, der 1971 verstorbene Gründer des Networks NBC.

10.07.2019 – Ev/MK

Print-Ausgabe 24/2019

Inhalt

Abonnement

Jetzt abonnieren