Vatikan: Lord Patten braucht für Medienreform im Kirchenstaat weitreichende Vollmachten

26.09.2014 •

Der Vatikan hat mit der geplanten Reform seiner Medien nach Auffassung des Journalisten Steffen Grimberg (Redakteur des NDR-Medienmagazins „Zapp“) einen weiten Weg vor sich. Der von Papst Franziskus dazu als Berater eingesetzte britische Politiker und frühere EU-Außenkommissar Lord Chris Patten, der eine entsprechende Prüfungskommission leitet, brauche für seine Aufgabe „relativ weitreichende Vollmachten“, sagte der NDR-Journalist und BBC-Experte Grimberg am 4. September in einem Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Patten war bis Mai dieses Jahres Vorsitzender des BBC Trusts, des Aufsichtsgremiums für die öffentlich-rechtliche britische Rundfunkanstalt.

„Papst Franziskus müsste eine klare Ansage machen, die Patten den entsprechenden Spielraum gegenüber den vatikanischen Institutionen gibt“, sagte Grimberg. Als Ziel sollte die vatikanische Medienarbeit „den gleichen Spielregeln unterworfen sein wie im allgemeinen Mediengeschäft üblich. Da hapert’s im Moment.“ Zudem müsse Patten den Abbau von Parallelstrukturen bei den Medien des Heiligen Stuhls einleiten. „Seine Herausforderung im Vatikan wird sein, in einem Apparat Fuß zu fassen, der Veränderung eher als Bedrohung sieht“, so Grimberg in dem KNA-Interview. Als einen Vorzug Pattens, der drei Jahre lang den Aufsichtsrat der BBC geleitet hat, nannte Grimberg dessen diplomatisches Geschick, mit dem er unter anderem beim Besuch von Benedikt XVI. in England auf einen Stimmungswandel der anfänglich kritischen Medien hingearbeitet habe.

Papst Franziskus hatte den 70-jährigen britischen Politiker Lord Patten und fünf weitere internationale Experten damit beauftragt, ein Modernisierungskonzept für die Vatikan-Medien zu erarbeiten. Dazu gehören die Vatikanzeitung „L‘Osservatore Romano“, der Sender Radio Vatikan, der Fernsehdienst CTV (Centro Televisivo Vaticano) und diverse Internet-Angebote. Unter den Beratern befindet sich auch die deutsche Journalistin und Kommunikationswissenschaftlerin Daniela Frank (vgl. FK-Heft Nr. 32/14). Am 22. September kam die Prüfungskommission erstmals zu Beratungen zusammen, sie estreckten sich über drei Tage. In einem Jahr sollen Ergebnisse vorliegen. Letztlich hat die Kommission aber eine beratende Funktion. Sie muss ihre Vorschläge dem Kardinalsrat für die Kurienreform zuleiten. Das letzte Wort hat dann der Papst.

• Text aus Heft Nr. 39-40/2014 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

26.09.2014 – FK