Vatikan: Papst Franziskus bündelt Medien unter einem Dach

10.07.2015 •

Die gesamte Medien- und Öffentlichkeitsarbeit des Vatikans ist nun unter einem Dach zusammengefasst: Seit dem 29. Juni ist das neu geschaffene ‘Sekretariat für die Medien und Kommunikation’ als Behörde für die vatikanischen Medien verantwortlich. Papst Franziskus verfügte die Zentralisierung in Form eines päpstlichen Erlasses („Motu Proprio“), der am 27. Juni auf der Internet-Seite des Vatikans veröffentlicht wurde. In seinem Erlass verwies Franziskus darauf, dass angesichts der Präsenz und der Entwicklung digitaler Medien wir auch angesichts von Konvergenz und Interaktivität ein Überdenken des Informationssystems des Heiligen Stuhls erforderlich gewesen sei.

In den nächsten vier Jahren sollen nun insgesamt neun weitgehend eigenständig arbeitende Einrichtungen unter der Leitung des Sekretariats für die Medien und Kommunikation gebündelt werden. Dabei handelt es sich um das Presseamt des Heiligen Stuhls, den vatikanischen Internet-Service, Radio Vatikan, das Vatikan-Fernsehen CTV, die Vatikan-Zeitung „L’Osservatore Romano“, die Vatikan-Druckerei, den Fotodienst und den Vatikan-Verlag. Zusätzlich zu diesen acht Einrichtungen wird auch der Päpstliche Rat für die Sozialen Kommunikationsmittel (Päpstlicher Medienrat) in die neue Behörde integriert, die übergangsweise ihren Sitz im Gebäude von Radio Vatikan hat.

Präsident des Päpstlichen Medienrats ist Erzbischof Claudio Maria Celli. Der Rat, der die Verbreitung des Glaubens über soziale Kommunikationsmittel koordiniert, war bisher ein eigenes Dikasterium, wie die Behörden der römischen Kurie heißen. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) berichtete, es sei noch unklar, ob der Päpstliche Medienrat im Zuge der Strukturreform Kompetenzen verlieren könnte. Der Papst legte mit seinem Erlass weiter fest, dass die neue Behörde in Abstimmung mit dem Staatssekretariat die Verantwortung für die offizielle Vatikan-Webseite und den Twitter-Auftritt des Papstes übernehme.

Effizienterer Einsatz der Mittel

Bereits in den vergangenen Wochen hatte sich abgezeichnet, dass eine Reform bei den vatikanischen Medien bevorsteht. Am 10. Juni hatte Vatikansprecher Federico Lombardi mitgeteilt, dass der Kardinalsrat für die Kurienreform vorgeschlagen habe, für diesen Bereich eine zentrale Behörde zu errichten. Zuvor hatte sich die von Papst Franziskus Ende April gegründete fünfköpfige Kommission zur Reform der Vatikan-Medien mit der Thematik befasst. Deren Arbeitsgrundlage wiederum war ein Modernisierungskonzept für die Vatikan-Medien, das eine Expertenkommission unter dem Vorsitz des früheren britischen Politikers und späteren BBC-Trust-Vorsitzenden Lord Chris Patten Mitte April vorgelegt hatte. Der 2014 von Papst Franziskus gegründeten Kommission gehörte auch die deutsche Journalistin und Kommunikationswissenschaftlerin Daniela Frank an (vgl. auch FK 32/14 und 39-40/14).

Zum Chef des Sekretariats für die Medien und Kommunikation berief Papst Franziskus Monsignore Dario Edoardo Viganò, den Leiter des Vatikan-Fernsehens CTV. Viganò steht nun im Rang eines Präfekten an der Spitze der neu geschaffenen Behörde. Der promovierte Kommunikationswissenschaftler und Priester aus dem Erzbistum Mailand hatte im Januar 2013 die Leitung von CTV übernommen. Monsignore Lucio Adrian Ruiz, Chef des vatikanischen Internet-Dienstes, wurde vom Papst zum Sekretär der neuen Behörde ernannt. Damit hat Ruiz die zweitwichtigste Position in dem Sekretariat inne. Ruiz, der wie Franziskus aus Argentinien stammt und im Jahr 1990 zum Priester geweiht worden war, leitet den Internet-Dienst des Vatikans seit 1997. Zwei weitere Posten gingen an italienische Laien. Zum Generaldirektor des Sekretariats bestellte der Papst Paolo Nusiner, den bisherigen Generaldirektor von „Avvenire“, der Zeitung der italienischen Bischofskonferenz. Zu Nusiners Stellvertreter wurde Giacomo Ghisani berufen, der zuvor bei Radio Vatikan Büroleiter für internationale und juristische Fragen war.

Ziel der nun eingeleiteten Strukturreform bei den Vatikan-Medien ist es auch, die finanziellen Mittel für diesen Bereich künftig effizienter einzusetzen. Auch sollen Doppel- und Mehrfacharbeit vermieden werden. Rund 70 Mio Euro beträgt das jährliche Medienbudget des Vatikans, wovon bisher rund 85 Prozent an Radio Vatikan und den „Osservatore Romano“ fließen. Die Patten-Kommission bezeichnete in ihrem Abschlussbericht den vatikanischen Fernsehdienst und insbesondere die Aktivitäten in sozialen Medien als unterfinanziert. Mit der Organisationsreform geht keine Etatkürzung einher. Auch Entlassungen in den einzelnen Bereichen, die jetzt dem Sekretariat für die Medien und Kommunikation unterstehen, soll es nicht geben. Vermutlich werden aber in der nächsten Zeit Mitarbeiter aus einzelnen Bereichen in andere wechseln, die derzeit personell schlechter ausgestattet sind.

10.07.2015 – vn/MK