USA: Warner Media und der Name Ted Turner

03.06.2019 •

Unbestritten ist, dass Robert Edward Turner III., genannt Ted, einer der größten Innovatoren im US-amerikanischen Fernsehgeschäft ist. Doch jetzt, im Zeitalter der Großfusionen, scheint man sich immer weniger auf den großen Namen berufen zu wollen. Ted Turner war in den 1960er und 1970er Jahren ein Visionär wie sie einem selten begegnen. 1965 gründete er das Turner Broadcasting System (TBS), 1980 startete er den 24-Stunden-Nachrichtensender CNN und 1986 kaufte er das Filmarchiv des Hollywood-Studios Metro-Goldwyn-Mayer (MGM). Ob, was er tat, geschäftlich klug und von dauerhaftem Nutzen sein würde, wurde vielfach angezweifelt. Doch Ted Turner gelang es, sich mit unternehmerischen Entscheidungen, die sich als weitsichtig erwiesen, in der sich rasch verändernden Medienbranche zu etablieren.

Heutzutage gibt es die Sender TBS und TNT (Turner Network Television) betreffende Presse­mitteilungen, in denen der Name Turner gar nicht mehr vorkommt. Nachdem der Telekommunikationskonzern AT&T das Medienhaus Time Warner gekauft hat und damit auch die inzwischen zum Time-Warner-Imperium gehörenden Turner-Sender (vgl. diese MK-Meldung und diese MK-Meldung), hat in den USA eine Entwicklung begonnen, die den Namen Ted Turner überall entfernt. Über Turners Unternehmen wird nur noch als Bestandteile von Warner Media geredet, des in New York City beheimateten Konglomerats, das praktisch alle Medienaktivitäten von AT&T umfasst. Mit fortschreitender Integration dürfte von Turner für den durchschnittlichen Verbraucher kaum noch anderes übrigbleiben als die bald gar nicht mehr identifizierten Abkürzungen TBS, TNT, und TCM (Turner Classic Movies).

Das Großkapital regiert

Es ist aber nicht nur ein Spiel mit Namen, das da vor sich geht. Hinter den Kulissen ist der Abbau einer Tradition, auf die das unternehmerische Amerika eigentlich stolz sein müsste, längst weiter fortgeschritten. David Levy, der Präsident von TBS, hat das Network verlassen (müssen). TBS und TNT kamen zusammen mit dem Kabelnetwork HBO und Warners neuem Streaming-Angebot unter das Dach von Warner Media Entertainment, die Sender CNN, HLN (Headline News) und Turner Sports wurden Teil der neu gegründeten Sparte Warner Media News & Sports. Auch Turners internationale Geschäfte verlieren ihre bisherige Selbständigkeit.

Das Großkapital regiert einmal mehr über bewährte Traditionen und legt großen Eifer an den Tag, die Erinnerung nicht nur an Firmenstrukturen, sondern auch an durch sie geschaffene inhaltliche Identitäten aus dem Gedächtnis zu löschen. Ted Turner, geboren 1938 in Cincinnati (Ohio), ist heute 80 Jahre alt, einer der größten amerikanischen Landeigentümer, leidet unter Altersdemenz und will nach seinem Ableben den Löwenanteil seines beträchtlichen Vermögens wohltätigen Einrichtungen zukommen lassen. Was die nächste Generation des Fernsehpublikums noch mit seinem Namen verbinden wird, steht in den Sternen.

03.06.2019 – Ev/MK