USA: Warner Media und seine Zukunft bei AT&T

04.04.2019 •

Nun ist der Weg für den Telekommunikationsriesen AT&T endgültig frei, das für die gewaltige Summe von 85,4 Mrd Dollar erworbene Unternehmen Time Warner in sein Reich einzuverleiben. Damit steht der Mammutkonzern AT&T, der den Kauf von Time Warner schon im Oktober 2016 verkündet hatte (vgl. MK-Meldung), jetzt vor einen neuen Zukunft. Die letzte rechtliche Hürde wurde Ende Februar überwunden, als auch das Berufungsgericht (der U.S. Court of Appeals for the District of Columbia Circuit) die Legalität des Zusammenschlusses bestätigte. Bereits im Juni 2018 hatte in der ersten Instanz der United States District Court in Washington für den Zusammenschluss der beiden Unternehmen grünes Licht gegeben (vgl. MK-Meldung).

Vor Gericht gezogen war in dieser Sache das US-Justizministerium, das wettbewerbsre chtliche Bedenken gegen die Fusion hatte und insbesondere einwandte, sie werde unaufhaltsam zu Preissteigerungen für die Konsumenten führen (vgl. MK-Meldung). Damit konnte sich das Ministerium nun aber nicht durchsetzen. Wieder einmal, so zeigt sich also nach der Entscheidung des Berufungsgerichts, hat damit in den USA die Macht der Konzerne über gesellschaftsrelevante Bedenken gesiegt. Bereits nach der ersten Gerichtsentscheidung im Jahr 2018 hatte AT&T damit begonnen, Time Warner in den Konzern zu integrieren. Dazu wurde auch schon der Firmenname Time Warner in Warner Media geändert (vgl. MK-Meldung).

Greenblatt, Zucker, Zeiler

Unter dem Dach von Time Warner wurden in der Vergangenheit der Pay-TV-Sender HBO, das Unternehmen Turner und das Filmstudio Warner Brothers, die drei Herzstücke des Konzerns, als getrennte und weitgehend unabhängige Betriebe geführt. Entstanden war Time Warner im Jahr 1990 durch die Fusion von Time Inc. mit Warner Brothers; sechs Jahre später wurde zusätzlich Turner Broadcasting übernommen. Die bisherigen Organisationsstrukturen werden sich unter dem neuen Eigentümer AT&T grundlegend ändern. AT&T hat strukturelle Veränderungen angekündigt und erste personelle Umbesetzungen bereits vollzogen. Es werde ein neues Organisationsmodell eingeführt, so das Unternehmen, das zum Ziel habe, Investitionen in Inhalte zu intensivieren und die Entwicklung der Inhalte zu beschleunigen.

Ein wichtiger Schritt in diese Richtung wurde mit der Berufung des 59-jährigen Robert Greenblatt als Chairman von Warner Media vollzogen. Greenblatt ist einer der erfolgreichsten Fernsehchefs in den USA. Schon zu Beginn seiner Karriere entwickelte er für das Fox Broadcasting Network so herausragende Serien wie „Beverly Hills, 90210“, „Melrose Place“ und „The X-Files“ („Akte X“). Zwischen 2003 und 2010 machte er den Kabelsender Showtime mit vielbeachteten Originalproduktionen zu einem prominenten Player auf diesem Feld und in den vergangenen acht Jahren revitalisierte er als Chairman von NBC Entertainment den Unterhaltungssektor des prominenten, aber etwas schläfrig gewordenen Broadcast-Networks.

Neben Greenblatt werden unter anderem noch Jeff Zucker und der Österreicher Gerhard Zeiler, früher unter anderem Geschäftsführer der internationalen RTL Group, die Geschicke des Unternehmens lenken. Zeiler wurde Chef der Sales-Abteilung von Warner Media, nachdem er zuletzt das internationale Geschäft von Turner geleitet hatte. Zucker war Präsident von CNN Worldwide. Er übernahm nun die Leitung des Nachrichtensenders CNN und wurde außerdem zum Chairman of News and Sports ernannt. Das Unternehmen CNN gehört zum Turner Broadcasting System (TBS). Die Berufungen von Greenblatt, Zucker und Zeiler wurden Anfang März bekanntgegeben. Etwas aus dem Tritt geraten ist die Reorganisation von Warner Media jüngst durch den plötzlichen Rücktritt von Kevin Tsujihara, der in den letzten sechs Jahren als Chairman und Geschäftsführer von Warner Brothers fungiert hatte. Er stellte am 18. März aufgrund von Anschuldigungen sexuellen Fehlverhaltens seine Ämter zur Verfügung. Drei andere Manager würden sich nun erst einmal Tsujiharas Arbeit teilen, bis ein neuer Chef für das Filmstudio gefunden sei, hieß es dazu.

04.04.2019 – Ev/MK

Print-Ausgabe 15-16/2019

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