Österreich: Zweite nationale Hörfunklizenz vergeben

09.04.2019 •

Die Medienlandschaft Österreichs steht in diesem Jahr vor größeren Veränderungen. Bis Ende 2019 soll von der Regierungskoalition aus konservativer ÖVP und rechtspopulistischer FPÖ unter Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) eine Änderung des Rundfunkgesetzes verabschiedet werden. Der öffentlich-rechtliche Österreichische Rundfunk (ORF), der 1955 gegründet wurde und bis heute insbesondere den Radiobereich im Land dominiert, steht im Mittelpunkt der geplanten Reform.

Gleichsam als Auftakt für die anstehenden Veränderungen vergab die österreichische Kommunikationsaufsichtsbehörde KommAustria (Wien) am 21. Februar eine zweite landesweite private Hörfunklizenz, so dass der ORF im Radiosektor bald zusätzliche Konkurrenz erhält. Die Lizenz ging an die ‘Antenne Österreich und Medieninnovationen GmbH’. Die Gesellschaft gehört zur ‘Mediengruppe Österreich’, die im Besitz des 64-jährigen Medienunternehmers Wolfgang Fellner und seiner Familie ist. Die Mediengruppe Österreich belegte mit einem Umsatz von 104 Mio Euro im Jahr 2017 wirtschaftlich den achten Platz unter den Medienunternehmen des Landes. An der Spitze lag der ORF mit gut 1 Mrd Euro Umsatz. Zur Mediengruppe Österreich gehören die Zeitungen „Österreich“ und „Oe24“, verschiedene Zeitschriften, Online-Portale wie „oe24.at“ und „wetter.at“, regionale Hörfunksender wie Radio Oe24 und Antenne Salzburg und der Fernsehsender Oe24.tv.

„Vielleicht auch mehr Meinungsvielfalt“

Anlässlich der Lizenzvergabe an die ‘Antenne Österreich und Medieninnovationen GmbH’ erklärte der KommAustria-Vorsitzende Michael Ogris, dies bedeute für die Österreicher „einen wichtigen Fortschritt im bisher übersichtlichen Segment nationaler Hörfunkangebote. Wir werden ein Stück mehr Programm-, vielleicht aber auch ein Stück mehr Meinungsvielfalt bekommen.“

Um eine Lizenz an einen neuen landesweiten Sender vergeben zu können, war als Voraussetzung eine technische Mindestreichweite von 60 Prozent erforderlich. Diese wurde durch die Zusammenlegung bisheriger Frequenzen von regionalen Hörfunksendern erreicht. Dabei handelte es sich um Frequenzen der Mediengruppe Österreich, von Oe24- und Antenne-Sendern in Wien, Salzburg und Tirol sowie von Radio Lounge FM.

Der neue Sender Antenne Österreich, dessen Reichweite rund 61 Prozent betragen wird, soll ein 24-Stunden-Vollprogramm mit einem Musikanteil von 80 Prozent und einem Wortanteil von 20 Prozent betreiben. Er wendet sich laut Angaben des Lizenzinhabers an die Zielgruppe der 14- bis 59-Jährigen und wird sogenannte Adult Contemporary Music (von den 1980er Jahren bis heute) spielen. Neben dem Musikschwerpunkt sind Wetter- und Verkehrsberichte, Veranstaltungshinweise und aktuelle Informationen vorgesehen.

Antenne Österreich: Sendestart noch vor Sommer 2019

Für den Start des neuen Radiosenders hat die Mediengruppe Österreich nun neun Monate Zeit. Wolfgang Fellner kündigte allerdings bereits an, der Sendestart solle noch vor dem Sommer 2019 erfolgen. Der jetzige Lizenzantrag war bereits der zweite der Mediengruppe Österreich. Im April 2018 war der erste Antrag von der KommAustria noch abgelehnt worden. Für Juni 2019 hat die Aufsichtsbehörde nun die Vergabe einer weiteren, dritten nationalen privaten Radiolizenz angekündigt.

Der österreichische Hörfunkmarkt wird im Gegensatz zum Fernsehsektor, auf dem vor allem auch deutsche Programme eine starke Konkurrenz für die heimischen Anbieter sind, noch deutlich vom ORF beherrscht. 2018 erreichte der ORF beim Hörfunk mit seinen Programmen einen Gesamtmarktanteil von 74 Prozent. Im Fernsehbereich waren es im selben Jahr 33 Prozent. Beim Hörfunk entfielen auf das ORF-Hitradio Ö3, den führenden Hörfunksender des Landes, 31 Prozent und auf die ORF-Regionalradios in den neun Bundesländern 35 Prozent. Die österreichischen Privatradios kamen 2018 zusammen auf einen Marktanteil von 26 Prozent. Davon entfielen auf Kronehit, bisher das einzige landesweite Privatradio, 8 Prozent und 18 Prozent auf regionale Anbieter.

Kronehit gehört zum Unternehmen Mediaprint, das das Boulevardblatt „Krone“ und die Tageszeitung „Kurier“ herausgibt. Nach einer Novellierung des 2001 in Kraft getretenen österreichischen Privatradiogesetzes im Dezember 2004 hatte Kronehit die erste landesweite Privatradiolizenz erhalten. An Mediaprint sind die österreichische Familie Dichand, die Funke-Mediengruppe aus Deutschland und die Raiffeisen-Bank Österreich beteiligt. Ende 2018 stieg der 41-jährige österreichische Immobilien-Milliardär und Investor René Benko (Signa Holding mit den Warenhäusern Karstadt-Kaufhof) über die WAZ Ausland Holding GmbH indirekt bei Mediaprint ein. Benko ist mit 49 Prozent an der zur Funke-Mediengruppe gehörenden WAZ-Holding beteiligt.

09.04.2019 – me/MK

Print-Ausgabe 20-21/2019

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