USA: Amazon greift Netflix beim Videostreaming an

01.05.2016 •

01.05.2016 • Seit langem schon versteht sich der Online-Versandriese Amazon auch als Anbieter frischer Film- und Serien-Ware. Doch sein Videoservice Amazon Prime tut sich bisher schwer damit, beim Publikum Aufmerksamkeit zu wecken. Selbst ehrgeizige Serien-Projekte wie „Transparent“ und „Mozart in the Jungle“ reichten nicht aus, um das Unternehmen konkurrenzfähig zu Streaming-Anbietern wie Netflix oder Hulu zu machen. Das soll sich nun ändern – Amazon hat einen Strategiewechsel eingeleitet. In der amerikanischen Film- und Fernsehindustrie erwartet man einen verschärften Wettkampf, der in den kommenden Monaten auf volle Touren kommen soll und von dem man erwartet, dass er beispielhaft die Evolution vom linearen zum Internet-Fernsehen veranschaulichen wird.

Bisher war Amazon im Hintertreffen, weil der Video-Abrufdienst des Konzerns Teil seines sogenannten Prime-Service war, der dafür steht, dass den Kunden ein schnellerer und kostenloser Versand von bestellten Waren garantiert wird. Insbesondere um die Versandkosten zu sparen, nahmen die Amazon-Kunden den Prime-Service für Bestellungen jeglicher Art hauptsächlich in Anspruch. Jetzt hat Amazon seinen Video-Abrufdienst zu einer eigenen, von Einkäufen unabhängigen Streaming-Plattform umgebaut und tritt damit in direkten Wettbewerb mit dem Marktführer Netflix. Nutzer können von nun an den Service „Prime Video“ für monatlich 8,99 Dollar abonnieren und sich damit den jederzeitigen Zugriff auf eine ständig wachsende Palette von Filmen und Serien verschaffen

Eine Expansion, die sich als hinderlich erweist

Der Schritt von Amazon kommt zu einer Zeit, wo Netflix zum ersten Mal in seiner seit 1998 andauernden Erfolgsgeschichte mit durchschlagenden Schwierigkeiten zu kämpfen hat. Die Entscheidung, mit dem Streamingdienst innerhalb kurzer Zeit weltweit 130 neue Märkte zu erschließen, hat sich für Netflix zumindest bislang als hinderlich erwiesen. Diese Expansion geht nicht so schnell und reibungslos voran, wie man sich das bei Netflix vorgestellt hat. In den USA konnte das Unternehmen zwar zu­legen und mit 2,23 Mio neuen Abonnenten im ersten Quartal dieses Jahres erneut einen Zugewinn verzeichnen, doch damit blieb Netflix hinter den Erwartungen der Börsianer zurück. Zusammen mit der verlangsamten Verbreitung des Diensts im Ausland führte das erst einmal zu einem Verlust der Netflix-Aktie von bis zu zwölf Prozent.

Wer von den beiden Konkurrenten sich langfristig an die Spitze setzen wird, dürfte vor allem von der Qualität und Attraktivität des Angebots abhängen: Gegenüber Netflix hat Amazon hat da viel aufzuholen. Die Verträge, die Amazon mit HBO und Epix abgeschlossen hat und die immerhin Erfolgsfilme wie „The Hunger Games: Catching Fire“ und „World War Z“ umfassen, werden wohl kaum ausreichen, um mit Prime Video in die insgesamt über 80 Mio Haushalte hineinzukommen, die Netflix bereits abonniert haben (davon befindet sich fast die Hälfte in den USA).

Den Start von Prime Video als eigenen Streaming-Service von Amazon erschweren darüber hinaus in den USA die zahlreichen kleineren Online-Anbieter wie HBO, CBS oder Sling TV, die sich alle nach Kräften bemühen, ebenfalls auf diesem Sektor Fuß zu fassen. Analysten sehen die jüngste Veränderung bei Amazon überwiegend als eine „signifikante negative Entwicklung für Netflix“ (Mark Mahaney von RBC Capital Markets), vermuten aber, dass es für Amazon auch harter Arbeit bedürfe, um sich als Videokonkurrent auf dem Markt einzurichten (Michael Pachter von Wedbush Securities).

01.05.2016 – Ev/MK

Print-Ausgabe 24/2019

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