USA: Geheimnis der Netflix-Quoten gelüftet

25.05.2015 •

25.05.2015 • Der Videostreaming-Anbieter Netflix finanziert sich nicht durch Werbung und ist deshalb auch nicht gezwungen, Einschaltquoten für seine Angebote zu veröffentlichen. Die hartnäckige Weigerung, die intern vorliegenden Zahlen mit der Welt zu teilen, hat oft genug zum Vorwurf der Geheimniskrämerei geführt und Vergleiche mit anderen Video-on-Demand-Angeboten, Kabel-TV und linearem Fernsehen verhindert. Ende April nun meldete die US-Branchenzeitschrift „Variety“, das bis dahin „meistgehütete Geheimnis in der Medienindustrie“ sei gelüftet. Die im kalifornischen San Diego ansässige Firma Luth Research habe mit Hilfe einer repräsentativen Gruppe von 2500 Netflix-Abonnenten eine Methode zur Ermittlung der Netflix-Nutzung entwickelt. Das System ist noch nicht ganz wasserdicht, denn es bezieht sich nur auf Abonnenten, die Netflix via Computer, Tablet oder Smartphone empfangen, nicht jedoch über ein Fernsehgerät. Die ersten, jetzt von „Variety“ veröffentlichten Zahlen geben jedoch gute Anhaltspunkte über die bisher im Dunkeln belassene Nutzung.

Als attraktivstes Netflix-Angebot auf dem Sektor der Eigenproduktionen stellte sich die am 10. April gestartete Serie „Daredevil“ heraus, die erste von mehreren Superhelden-Serien in Zusammenarbeit mit Marvel Comics. 10,7 Prozent der insgesamt 41,4 Mio US-Abonnenten (Stand: Ende März 2015) haben in den ersten elf Tagen des Streamings dieser Serie die Folgen gesehen. Das sind rund 4,4 Mio Zuschauer. Knapp eine Million Menschen sahen „Daredevil“ gleich am ersten Tag. Zum Vergleich: Der Netflix-Hit „House of Cards“ lockte mit seiner dritten Staffel während der ersten 30 Tage 6,5  Prozent der Abonnenten an. Die neu angebotene Komödie „Unbreakable Kimmy Schmidt“ kam im ersten Monat auf 7,3 Prozent, das neue Drama „Bloodline“ hingegen auf nur 2,4 Prozent.

Auch wenn diese Zahlen wegen der begrenzten Teilnehmergruppe nur als Annäherungswerte benutzt werden können, sind sie doch in der Lage, die Geheimnistuerei von Netflix einigermaßen zu durchlöchern. Vielleicht führen sie ja gar zu dem Ergebnis, dass sich das so wortkarge Streaming-Unternehmen dazu entschließt, in absehbarer Zeit selbst über die Nutzung seiner Angebote Auskunft zu geben. Netflix hat den jüngsten Zahlen zufolge auf allen Märkten, auf denen die Firma weltweit aktiv ist, zusammengerechnet 62,3 Mio Video­streaming-Kunden (vgl. MK-Meldung). Luth Research will auch den Streaming-Service Amazon Prime, der ebenfalls – wie Netflix – keine Werbung ausstrahlt und Schweigen über seine Abrufzahlen breitet, noch im Lauf dieses Jahres in die Ermittlungen zu den Quoten aufnehmen.

25.05.2015 – Ev/MK

Print-Ausgabe 23/2019

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