USA: TV-Networks leiden unter Netflix-Konkurrenz

17.03.2016 •

17.03.2016 • Netflix ist für das Fernsehen, was Amazon für den Einzelhandel ist, nämlich eine existenzgefährdende Konkurrenz. Immer häufiger hört man in den USA diese Meinung. Zum ersten Mal aber wird sie jetzt durch harte Zahlen gestützt. Im Jahr 2015 haben weltweit 75 Mio Netflix-Abonnenten 42,5 Mrd Programmstunden bei dem immer populärer werdenden Streaming-Service abgerufen. Allein in den USA waren es 45 Mio Kunden mit 29 Mrd Stunden.

„Inzwischen ist Netflix für die Fernsehindustrie zur Bedrohung geworden, wenn auch nicht notwendig zu einem Todesurteil“, heißt es in einer neuen Studie des unabhängigen Forschungsunternehmens Moffett Nathanson (New York). Etwa die Hälfte des Zuschauerrückgangs bei den amerikanischen Fernsehnetworks, schreibt der Autor der Untersuchung, sei im Jahr 2015 auf die Netflix-Konkurrenz zurückzuführen. Die Broadcast-Networks waren am stärksten davon betroffen. Unter den Netflix-Kunden lag die Nutzung des CBS-Programms zum Beispiel um 42 Prozent niedriger als bei jenen Zuschauern, die kein Netflix-Abonnement besaßen. Bei Fox lag die Vergleichszahl bei minus 35 Prozent, bei ABC bei minus 32 und bei NBC bei minus 27 Prozent.

600 Stunden Originalprogramme

Bei den Kabelsendern war der negative Einfluss nicht so stark zu spüren, am wenigsten bei den Disney-Networks. Als Begründung dieses Unterschieds bietet Moffett Nathanson die Vermutung an, dass die Zuschauerzahl der Kabelsender schon in früheren Jahren durch die Konkurrenz der vielen Video-on-Demand-Angebote stark negativ beeinflusst worden sei und jüngere Zuschauer sich angewöhnt hätten, zwischen linearem Fernsehen und Video-on-Demand hin- und herzuschalten.

Jüngst ließen sich die sonst mit strategischen Informationen recht knauserigen Manager von Netflix ein wenig in die Karten schauen. So kündigte Netflix-Chef Reed Hastings an, man werde zukünftig sämtliche angebotenen Filme und Fernsehserien in nahezu allen Ländern der Welt (vorerst mit Ausnahme von China) gleichzeitig verfügbar machen. Die Zahl der weltweit erreichbaren Haushalte gab Hastings mit 540 Mio an. Allein in diesem Jahr wird Netflix nach Auskunft von Chief Content Officer Ted Sarandos 600 Stunden Originalprogramme produzieren. Das ist ungefähr doppelt so viel wie im vorigen Jahr. Eifrige Analysten haben 31 neue TV-Serien des Streaming-Service gezählt, dazu 10 Spielfilme, 30 Kinderserien, 12 Dokumentarfilme und 10 Comedy Specials. „Um alle diese neuen Programme mitzubekommen“, zitierte die „New York Times“ einen Analysten von Merrill Lynch (Bank of America), „würde man 25 Tage lang ohne Unterbrechung nur Netflix ansehen müssen“.

17.03.2016 – Ev/MK