Europa: Der Brite Tony Hall ist neuer EBU‑Präsident

15.02.2019 •

Die in Genf ansässige Europäische Rundfunkunion (EBU) hat seit dem 1. Januar 2019 eine neue Führung. Zu diesem Zeitpunkt traten der neue EBU-Präsident Lord Tony Hall (Großbritannien) und die neue Vizepräsidentin Delphine Ernotte (Frankreich) ihre Ämter an. Zum selben Zeitpunkt begann auch die Amtszeit des neuen, aus insgesamt elf Mitgliedern bestehenden EBU-Vorstands (Executive Board). Das Gremium ist für die Umsetzung der Strategie und Politik der Europäischen Rundfunkunion verantwortlich.

Am 7. Dezember 2018 hatte die 81. EBU-Generalversammlung in Genf neun der elf Mitglieder des Vorstands für eine zweijährige Amtszeit gewählt. Bereits auf der 80. EBU-Generalversammlung, die im Juni in der albanischen Hauptstadt Tirana stattfand, waren Lord Tony Hall, Generaldirektor der BBC, zum EBU-Präsidenten und Delphine Ernotte, Präsidentin von France Télévisions, zur Vizepräsidentin gewählt worden. Beide wurden ebenfalls für eine Amtszeit von zwei Jahren gewählt (also bis zum 31. Dezember 2020) und sind zugleich auch Mitglieder im Executive Board. Tony Hall löste den vorherigen Präsidenten Jean-Paul Philippot vom belgischen Rundfunk RTBF ab, Delphine Ernotte wurde als EBU-Vizepräsidentin Nachfolgerin der Italienerin Monica Maggioni (RAI). Philippot stand zehn Jahre an der Spitze der Europäischen Rundfunkunion. Generaldirektor der EBU, der das Tagesgeschäft leitet, ist seit September 2017 der Ire Noel Curran (vgl. MK-Meldung).

In einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) vom 15. Januar 2019 anlässlich ihres Amtsantritts unterstrichen Tony Hall und Delphine Ernotte, dass öffentlich-rechtlicher Rundfunk für Europa „wichtiger denn je“ sei. Er bringe die europäische Kultur zum Vorschein, halte die Gesellschaft zusammen und sei ein „Leuchtturm in einer Welt voller Fake News“. Öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten seien in der heutigen kritischen Zeit, so schrieben Hall und Ernotte, „einzigartig in der modernen Medienlandschaft“.

BR-Intendant Ulrich Wilhelm im EBU-Vorstand

Die EBU ist die Dachorganisation der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Europas und des Mittelmeerraums. Der Organisation gehören heute 71 Mitgliedsanstalten aus 56 Staaten Europas und des Mittelmeerraums an sowie 34 assoziierte Mitglieder in 21 Ländern Asiens, Australiens, Afrikas und Amerikas. Die EBU wurde unter maßgeblicher Mitwirkung der öffentlich-rechtlichen Sender Großbritanniens und Frankreichs von Rundfunkorganisationen aus 23 Staaten im Februar 1950 im südenglischen Seebad Torquay gegründet .Erster EBU-Präsident war der spätere BBC-Generaldirektor Sir Ian Jacob.

Für das elfköpfige Executive Board der EBU, dessen Amtszeit am 1. Januar begann, wurden im Dezember in Genf fünf Mitglieder neu gewählt und vier Mitglieder wiedergewählt. Für eine erneute Vorstandsamtszeit berufen wurden Ulrich Wilhelm, Intendant des Bayerischen Rundfunks (BR) und derzeit auch Vorsitzender der ARD, Gilles Marchand, Intendant des Schweizer Rundfunks SRG, Cilla Benkö, Intendantin des Schwedischen Hörfunks (Sveriges Radio) und Petr Dvorak, Intendant des Tschechischen Fernsehens (Česká Televize).

Erstmals in den EBU-Vorstand gewählt wurden Marcello Foa (Italien), Giacomo Ghisani (Vatikan), Gonçalo Reis (Portugal), Ibrahim Eren (Türkei) und Sergej Pawlow (Russland). Die Türkei, der Vatikan und Portugal sind neu im EBU-Vorstand vertreten, ihre Vertreter lösten Mitglieder aus Belgien, Slowenien und Malta ab. Der EBU-Vorstand versucht, die unterschiedlichen Interessen der einzelnen Regionen Europas und des Mittelmeer-Raums zu vertreten.

Marcello Foa ist seit September 2018 Präsident der italienischen Rundfunkanstalt RAI (vgl. MK-Meldung). Giacomo Ghisani ist seit 2016 amtierender Intendant von Radio Vatikan. Gonçalo Reis leitet seit 2015 als Präsident und Intendant den öffentlich-rechtlichen portugiesischen Rundfunk RTP. Ibrahim Eren steht seit 2017 als Intendant an der Spitze des türkischen Rundfunks TRT. Sergej Pawlow führt seit 2005 die internationale Direktion des Ersten Kanals, der einer der beiden führenden Fernsehanbieter in Russland ist.

Während die italienische Rundfunkanstalt RAI, Radio Vatikan und der türkische Sender TRT im Jahr 1950 zu den Gründungsmitgliedern der EBU gehörten, traten nach der politischen Wende von 1989 die mittel- und osteuropäischen Rundfunkorganisationen erst 1993 der Europäischen Rundfunkunion bei. Deutschland ist seit 1952 in der EBU vertreten. Seither ist die ARD Mitglied der Rundfunkunion; 1963 trat auch das ZDF der EBU bei. Die ARD stellte bisher zweimal den EBU-Präsidenten: Albert Scharf, damals Juristischer Direktor bzw. Intendant des Bayerischen Rundfunks, hatte das Amt von 1983 bis 2000 inne; Fritz Pleitgen, seinerzeit Intendant des Westdeutschen Rundfunks (WDR), war für die Amtszeit 2007/08 EBU-Präsident. Der derzeitige BR-Intendant Ulrich Wilhelm gehört dem EBU-Vorstand seit 2013 an.

15.02.2019 – Mathias Ebert/MK

Print-Ausgabe 10/2019

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