ZDFkultur im Raum des Internets wiederbelebt

26.03.2019 •

ZDFkultur ist zurück. Das ZDF hat am 13. Februar bei den Internationalen Filmfestspielen in Berlin seinen „digitalen Kulturraum“ als Plattform innerhalb der ZDF-Mediathek gestartet. Unter der Internet-Adresse zdfkultur.de macht der öffentlich-rechtliche Sender so ein breites Angebot an Kulturinhalten zugänglich und will damit, so hieß es, das Verständnis für Kunst und Kultur fördern. Anfang 2017 hatte das ZDF angekündigt, ein solches Online-Portal aufzubauen (vgl. MK-Meldung)

ZDFkultur schließt damit an den von 2011 bis 2016 bestehenden, gleichnamigen digitalen TV-Kanal an, der im Zuge der Einführung von Funk, der Online-Plattform von ARD und ZDF für die junge Generation, eingestellt worden war (vgl. MK-Meldung). Innerhalb der ZDF-Mediathek bündelt das nun wiederbelebte Angebot ZDFkultur Inhalte aus den Bereichen Musik, Theater, Kabarett, Kino, Buch und bildende Kunst, aber auch neue Themen wie Gaming, Design und Digitales. Die hochwertigen Kulturprogramme der ZDF-Senderfamilie werden nun digital kuratiert und sollen besser auffindbar werden, so das ZDF. Durch technische Innovationen wie 360-Grad-Videos, Virtual Reality und Volumetrie, den begehbaren Film, entstünden dabei neue interaktive Möglichkeiten für die Nutzer.

35 Partnerinstitutionen

„Mobile Angebote werden in der digitalen Welt rasant wichtiger“, sagte ZDF-Intendant Thomas Bellut beim ZDF-Empfang am 13. Februar auf der Berlinale vor mehr als 300 geladenen Gästen aus Kultur und Politik. Mit ZDFkultur wolle man allerdings weniger „die unbegrenzte Welt der Plattformen befeuern und Google & Co. Konkurrenz machen“, so Bellut mit kaum verstecktem Seitenhieb auf die europäische Plattformidee des ARD-Vorsitzenden Ulrich Wilhelm (BR-Intendant), als vielmehr „ganz unprosaisch den öffentlich-rechtlichen Auftrag erfüllen“.

ZDFkultur bündelt dabei Fernsehangebote wie das Kulturmagazin „Aspekte“ oder „Das Literarische Quartett“ sowie Angebote der Partnerkanäle 3sat und Arte und will selbst als Kulturproduzent tätig sein. Mit an Bord sind zum Start außerdem 35 Partnerinstitutionen, darunter Kulturinstitute, Museen, Theater und Opernhäuser aus allen Bundesländern; sie alle steuern Inhalte bei. Zu den bekanntesten Partnern gehören die Staatlichen Museen Berlin/Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), mit denen das ZDF bereits seit Jahren kooperiert, die Klassik Stiftung Weimar, das Deutsche Literaturarchiv Marbach, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die Staatsoper Unter den Linden, das Berliner Ensemble, das Bauhaus Dessau und das Weltkulturerbe Völklinger Hütte.

„Kleine, aber feine Zielgruppe“

„Wir machen Kulturinhalte für jeden und jederzeit verfügbar. Dabei profitieren wir von der Vielfalt und Expertise unserer Partner und bringen selbst Reichweite und journalistischen Sachverstand ein“, betonte ZDF-Intendant Bellut in Berlin. Der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Professor Hermann Parzinger, sagte beim ZDF-Empfang, die Medienpartnerschaft mit dem Sender sei für die SPK „schon lange eine wunderbare Möglichkeit, ein breites Publikum mit den vielfältigen Themen der Stiftung vertraut zu machen“. Dabei gehe es nicht darum, den Besuch „bei den Originalen zu ersetzen, sondern Kulturinhalte stärker unter die Menschen zu bringen“.

Durch die dynamisch fortschreitende Digitalisierung der Gesellschaft seien Kulturinstitutionen und Medien gleichermaßen herausgefordert, sagte die Generaldirektorin der staatlichen Museen Dresden, Professorin Marion Ackermann, auf der ZDF-Veranstaltung: „Indem ZDFkultur allen die Teilhabe an dem reichen und frei entfalteten Kulturgeschehen ermöglicht, leistet das Angebot einen wichtigen Beitrag zur Verbreitung und Vermittlung des kulturellen Lebens in Deutschland.“ Dabei wolle ZDFkultur auch Debatten anstoßen und abbilden und die „Brüche in der digitalen Welt“ thematisieren, ergänzte Thomas Bellut. Er sei sich dabei bewusst, dass es sich hier um ein Angebot für eine „kleine, aber feine Zielgruppe“ handle. Das ZDF habe das neue Angebot, für das auch eigene Inhalte produziert werden sollen, „aus Eigenmitteln erwirtschaftet“, so der Intendant: „Wir werden der KEF dafür keine Rechnung vorlegen.“

Öffentlich-rechtlicher Kosmos

Entsprechend üppig fiel denn auch das Lob der mit Blick auf den festgefahrenen Reformprozess im öffentlich-rechtlichen Rundfunk (vgl. diesen MK-Artikel) sonst eher schmallippigen Politik aus. „Das ZDF zeigt mit ZDFkultur, wie der öffentlich-rechtliche Programmauftrag in der digitalen Zeit innovativ und attraktiv erfüllt werden kann“, sagte die ebenfalls beim ZDF-Empfang anwesende rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD), die Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder wie auch des ZDF-Verwaltungsrats ist. Sie appellierte an „alle, die im öffentlich-rechtlichen Rundfunk unterwegs sind, gemeinsame Plattformstrategien zu entwickeln“. Es werde die Zeit kommen, „wo niemand mehr gezielt nach der ARD oder dem ZDF suchen wird“, so Dreyer. Mit Blick auf den internationalen Wettbewerb müsse man „sich klarmachen, wie klein wir allein sind – im Vergleich zu dem, was andere Plattformen im Angebot haben“.

ZDF-Intendant Bellut hatte schon in seiner Auftaktrede erklärt, ZDFkultur sei offen für weitere Partner – und damit nicht nur weitere Kulturinstitutionen gemeint. „Wir sind offen für eine Koalition aller willigen Sender“, so Bellut: „Ein eigenes öffentlich-rechtliches Netzwerk, ein eigener Kosmos, das hätte schon was.“ Das von ZDF, ARD, ORF (Österreich) und SRG (Schweiz) veranstaltete Programm 3sat zeige dies als gemeinsames Dach vieler Sender im Kulturbereich bereits heute, sagte Bellut weiter und schloss auch eine öffentlich-rechtliche Gesamtmediathek ausdrücklich nicht aus.

Ob mit oder ohne Gesamtmediathek – Kultur gibt es jetzt seitens des ZDF also verstärkt im Raum des Internets. Der immer noch publikumsträchtigere Raum des linearen Fernsehens wird nicht zum Kulturausbau genutzt, denn sonst hätte das ZDF dort womöglich weniger Platz für seine Krimis und seine Trödeldauersendung „Bares für Rares“. Der Sender 3sat, für den das ZDF federführend verantwortlich ist, hat erst im Dezember vorigen Jahres das Magazin „Kulturpalast“ eingestellt (vgl. diese MK-Rubrik). Letztlich dürfte es also um die Einsparung von Produktionskosten gehen.

26.03.2019 – grg/MK

Print-Ausgabe 12/2019

Inhalt

Abonnement

Jetzt abonnieren