WDR-Programmdirektionen nun crossmedial ausgerichtet

03.09.2019 •

Jörg Schönenborn amtierte beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) in Köln als Fernsehdirektor und Valerie Weber als Hörfunkdirektorin. Das hat sich Anfang Juli grundlegend geändert: Schönenborn ist seitdem bei dem öffentlich-rechtlichen Sender Programmdirektor ‘Information, Fiktion und Unterhaltung’, Weber Programmdirektorin ‘NRW, Wissen und Kultur’.

Im vorigen Jahr hatte WDR-Intendant Tom Buhrow angekündigt, die Fernseh- und die Hörfunkdirektion der Rundfunkanstalt in zwei crossmedial arbeitende, eng verzahnte Programmdirektionen umzubauen (vgl. MK-Meldung). Beim WDR richtet sich die Zuständigkeit der beiden Programmdirektoren nun nicht mehr nach Verbreitungswegen (wie zuvor Fernsehen und Hörfunk), sondern nach bestimmten Themenbereichen, für die die Direktoren dann jeweils die crossmediale bzw. trimediale Produktion von Inhalten verantworten. Entsprechende organisatorische Änderungen haben in der Vergangenheit bereits auch andere ARD-Anstalten vorgenommen.

Direktorenämter neu bezeichnet

Vorreiter war der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB), der bereits 2009 seine Hörfunk- und Fernsehdirektion zusammengelegt hatte (vgl. FK-Meldung). Es folgten ab November 2016 der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) und ab Januar 2017 der Südwestrundfunk (SWR), die jeweils beschlossen, weiterhin mit zwei Programmdirektionen zu arbeiten, deren Zuständigkeiten dann aber nach Themenbereichen aufgeteilt wurden. Nach diesem Modell organisiert ab Juli 2020 auch der Bayerische Rundfunk (BR) seine Programmdirektionen. Die Auslandsrundfunkanstalt Deutsche Welle hatte Anfang November 2013 ihre Hörfunk- und Fernsehdirektionen zu einer alleinigen Programmdirektion zusammengelegt (vgl. FK-Meldung).

Der organisatorische Umbau beim WDR, der größten ARD-Landesrundfunkanstalt, läuft aktuell weiter; so treten bestimmte Veränderungen, die beispielsweise neu zu schaffende, crossmedial ausgerichtete Programmbereiche und deren Leitungsfunktionen betreffen, erst am 1. Januar 2020 in Kraft. Die von Valerie Weber geleitete Programmdirektion ‘NRW, Wissen und Kultur’ verantwortet die regionale Berichterstattung der elf WDR-Landesstudios und die landespolitische Berichterstattung. Hinzu kommen hier die crossmedialen Ressorts ‘Wissenschaft’, ‘Wirtschaft/Verbraucher’, ‘Kultur’, die Hörfunkprogramme und die WDR-Klangkörper.

Der von Jörg Schönenborn geleiteten Programmdirektion ‘Information, Fiktion und Unterhaltung’ sind der künftige Newsroom, der Bereich ‘Politik und Zeitgeschehen inklusive Sport’, die Auslandsstudios, die Fiktion und der Bereich ‘Unterhaltung/Kinder’ zugeordnet. Verantwortlich bleibt Schönenborn weiterhin für das Dritte Programm WDR Fernsehen, für den vom WDR betreuten ARD-Digitalkanal One und den von ARD und ZDF gemeinsam betriebenen Ereignis- und Dokumentationskanal Phoenix, für den innerhalb der ARD der WDR die Federführung hat. Außerdem ist Schönenborn für den Programmbereich Internet zuständig (also etwa für die WDR-Mediathek und das Internetportal wdr.de). Diesen Programmbereich hatte der WDR zuvor als „Kompetenzcenter Internet und Social Media“ bezeichnet.

Im Vergleich zu Valerie Weber hat Jörg Schönenborn im Zuge der WDR-Organisationsreform die Zuständigkeit für die gewichtigeren und auch finanziell bedeutsameren Themenbereiche erhalten – so wie es bisher auch schon war, als der WDR eine Fernseh- und eine Hörfunkdirektion hatte. Den organisatorischen Umbau, der für Außenstehende teils kompliziert und nicht richtig durchschaubar wirkt, nennt der WDR einen „Meilenstein“. Mit der Strukturreform gehen mehrere personelle Änderungen einher, die seit Anfang Juli 2019 gelten. In der Programmdirektion ‘NRW, Wissen und Kultur’ leitet Elmar Pott seitdem den neuen Programmbereich ‘Wissen, Wirtschaft und Verbraucher’. Pott, 54, war bisher in der Hörfunkdirektion Chef der Hauptabteilung ‘Zentrale Aufgaben’.

Leiterin des trimedialen Programmbereichs ‘Landesprogramme’, in dem die elf WDR-Landesstudios und die Landespolitik zusammengefasst sind, ist jetzt Chefredakteurin Gabi Ludwig, 56. Die Journalistin leitete zuvor den Programmbereich ‘Landesprogramme Fernsehen’. Die Leitung der übergeordneten Chefredaktion ‘Hörfunk’ obliegt nun Jona Teichmann, 55. Sie war bisher Chefredakteurin nur für den Bereich ‘Landesprogramme Hörfunk’. Ab Anfang Januar 2020 soll Teichmann dann Chefin des neuen Programmbereichs ‘Welle WDR 5/Chefredaktion’ werden. Florian Quecke, 61, bisher Leiter des Hörfunkprogramms WDR 5, soll zum gleichen Zeitpunkt den dann neu eingerichteten crossmedialen Programmbereich ‘Kultur’ übernehmen.

Mehrere personelle Änderungen

Matthias Kremin, 58, bisher Leiter des Programmbereichs ‘Kultur Fernsehen’, wird in der neuen Programmdirektion ‘NRW, Wissen und Kultur’ ab Januar 2020 Chef des Hörfunkprogramms WDR 3. Vorgesehen ist, dass er zusätzlich stellvertretender Leiter des crossmedialen Programmbereichs ‘Kultur’ wird. WDR 3 wird seit Juli 1999 von Karl Karst geleitet. Der 62-Jährige wird zum Jahresende 2020 diese Position an Matthias Kremin übergeben und anschließend für den WDR „zentrale Aufgaben in der ARD-Kulturvertretung“ übernehmen.

In der Programmdirektion ‘Information, Fiktion und Unterhaltung’ hat Anfang Juli Stefan Moll die Leitung des neuen Programmbereichs ‘Internet’ übernommen. Moll, 59, ist bereits seit dem Jahr 2000 Chef der Online-Abteilung des WDR. Stefan Brandenburg ist in der Direktion seit demselben Zeitpunkt Leiter des neuen crossmedialen Programmbereichs ‘Aktuelles’. Der 48-Jährige war zuvor Leiter der Programmgruppe ‘Aktuelles Fernsehen’. Zum neuen Programmbereich ‘Aktuelles’ gehört auch der WDR-Newsroom, aus dem jetzt die tagesaktuelle Berichterstattung fürs Fernsehen, den Hörfunk und den Online-Bereich gesteuert wird. Angesiedelt ist der Newsroom in den WDR-Arkaden in Köln, wo er aber nur übergangsweise untergebracht ist. Geplant ist, den Newsroom im Jahr 2023 in das bis dahin sanierte WDR-Filmhaus in Köln zu verlagern.

03.09.2019 – vn/MK