Gerda Meuer alleinige Programmdirektorin beim Auslandsrundfunk Deutsche Welle

08.11.2013 •

Bei der Deutschen Welle (DW) gibt es seit dem 1. November nur noch eine Programmdirektion. Die Multimediadirektion Global und die Multimediadirektion Regionen wurden entsprechend zusammengelegt. Chefin der neuen Programmdirektion ist ebenfalls seit dem 1. November Gerda Meuer. Die 54-Jährige leitete bislang als Direktorin die Deutsche-Welle-Akademie, die sich um die Aus- und Fortbildung von Medienschaffenden in Entwicklungsländern kümmert.

Der bisherige Multimediadirektor Regionen, Christian Gramsch, wird nach einer Einarbeitungszeit die Leitung der DW-Akademie übernehmen. Christoph Lanz, der zuletzt an der Spitze der Multimediadirektion Global stand, hat die Deutsche Welle Ende Oktober verlassen. Der 53-jährige Lanz war 2002 zur Deutschen Welle gekommen, um dort das Amt des Fernsehdirektors übernehmen. Gramsch ist seit 2006 bei dem Auslandssender, zuvor war der 53-jährige beim Hessischen Rundfunk (HR) Hörfunkchefredakteur. Zu den neuen Vertragslaufzeiten von Meuer und Gramsch wollte die Deutsche Welle keine Angaben machen. Es handele sich um „persönliche Daten“, erklärte DW-Sprecher Johannes Hoffmann dazu auf FK-Nachfrage, die Deutsche Welle sei „nicht befugt, hierüber Auskunft zu erteilen“. Lanz verlasse die Sendeanstalt im „guten Einvernehmen“, hieß es weiter.

Zentrale Weichenstellung

Der DW-Verwaltungsrat billigte am 30. Oktober in einer Sondersitzung die vom neuen Intendanten Peter Limbourg vorgeschlagenen Strukturänderungen und Personalvorschläge einstimmig und im Einvernehmen mit dem Vorsitzenden des Rundfunkrats. Die Gremienzustimmung gab die Deutsche Welle am selben Tag bekannt. Die beiden Aufsichtsgremien der vom Bund aus Steuergeldern finanzierten Deutschen Welle sind in ihrer bisherigen personellen Besetzung weiterhin im Amt, auch wenn ihre jeweils fünfjährige Amtsperiode Mitte September (Rundfunkrat) und Mitte Oktober (Verwaltungsrat) abgelaufen ist. Wann sich die beiden Gremien für ihre neuen fünfjährigen Amtszeiten konstituieren, ist offen und hängt maßgeblich davon ab, wann die neue Bundesregierung ihre Arbeit aufnimmt und ihre Vertreter für die Gremien benannt hat.

Mit der jetzt eingeleiteten Strukturreform hat Peter Limbourg vier Wochen, nachdem er am 1. Oktober das Intendantenamt bei der Auslandsrundfunkanstalt in der Nachfolge von Erik Bettermann angetreten hat, eine zentrale Weichenstellung vorgenommen. Diese Entscheidung, durch die die DW-Geschäftsleitung von sechs auf nun fünf Personen verringert wird, ist letztlich die Folge der 2006 eingeleiteten Multiplattform-Strategie bei dem Auslandssender. Seither wurde die Produktion der DW-Sprachenangebote (Fernsehen, Radio und Online) immer stärker miteinander verzahnt.

Aufgegeben wurde 2011 die bis dahin geltende Struktur mit einer Fernsehdirektion am DW-Standort in Berlin unter Leitung von Christoph Lanz und einer Programmdirektion für die in Bonn ansässigen Bereiche Hörfunk und Online mit Christian Gramsch an der Spitze. Eingeführt wurden stattdessen zwei standortübergreifende und multimedial arbeitende Direktionen. Deren Aufteilung erfolgte nach Sprachen und Themen. Die Multimediadirektion Global (Lanz) verantwortete „die globalen multimedialen Angebote auf Deutsch, Englisch, Spanisch und Arabisch“, wie es im DW-Lagebericht für das Jahr 2011 hieß. Und die Multimediadirektion Regionen (Gramsch) war zuständig für regionale multimediale Angebote in Deutsch, Englisch und den weiteren Sprachen der Deutschen Welle

Neue Aufgabenplanung in Vorbereitung

In dieser Aufteilung sah der neue Intendant keinen in die Zukunft weisenden Organisationsaufbau. Strukturelle Hürden müssten aufgehoben werden, „um bestmögliche Angebote für unsere Nutzer weltweit zu machen“, erklärte Limbourg laut der DW-Mitteilung: „Ziel ist es, die journalistischen Angebote aus einem Guss zu produzieren, die Kreativität und Freiräume der Programmmacher zu stärken und das Zusammenwachsen der Standorte zu fördern.“ Um die Integration der bisher getrennten Direktionen zu unterstützen, hat Limbourg ein „Change-Team“ eingesetzt. Auch unter der Ägide von Erik Bettermann gab es bereits, im Konsens mit den Gremien, das Ziel, mittelfristig die beiden Programmdirektionen zusammenzulegen. DW-Angaben zufolge wird mit der jetzigen Strukturentscheidung auch ein entsprechender Gremienbeschluss umgesetzt.

Dass die beiden bisherigen Multimediadirektionen nun schon einen Monat nach Limbourgs Amtstritt fusioniert werden, hängt laut der Deutschen Welle mit „internen Gründen“ zusammen. Die Rundfunkanstalt sei verpflichtet, „Anfang kommenden Jahres der Bundesregierung und dem Deutschen Bundestag eine Aufgabenplanung für die Jahre 2014 bis 2017 vorzulegen, so dass die erforderlichen Arbeiten Anfang November beginnen müssen“, erklärte Sendersprecher Hoffmann auf FK-Nachfrage: „Den Entwurf für die mittelfristige strategische Ausrichtung der DW wollte Intendant Peter Limbourg gemeinsam mit der neu besetzten Leitung der Programmdirektion erarbeiten.“

Die neue Programmdirektorin Gerda Meuer ist seit 1987 für die Deutsche Welle tätig. Damals absolvierte sie dort ein Volontariat und arbeitete anschließend zwei Jahre in der DW-Nachrichtenredaktion. Ab 1991 war die studierte Germanistin im Rahmen einer Kooperation zwischen NHK/Radio Japan und der Deutschen Welle als Redakteurin und Korrespondentin in Tokio tätig. 1996 kehrte sie zur DW nach Deutschland zurück und wurde Reporterin in der Chefredaktion des deutschen Hörfunkprogramms. Im Jahr 1997 wurde sie dort Chefin vom Dienst (CvD) und 1999 zusätzlich stellvertretende Chefredakteurin. Ein Jahr später wechselte sie als Europa-Korrespondentin für den DW-Hörfunk in das Studio Brüssel. 2003 hatte Gerda Meuer dann die Leitung der DW-Akademie übernommen.

• Text aus Heft Nr. 45/2013 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

08.11.2013 – Volker Nünning/FK
Gerda Meuer Foto: Deutsche Welle