TV-Produzenten erhielten im Jahr 2016 von der ARD rund 720 Mio Euro

29.12.2017 •

29.12.2017 • Die ARD hat im Jahr 2016 an Fernsehproduktionsfirmen 676 Mio Euro gezahlt. Außerdem kaufte die ARD im vorigen Jahr für 42,6 Mio Euro Lizenzen für die Ausstrahlung von Filmen, Serien, Dokumentationen, Unterhaltungssendungen sowie Kultur- und Wissenschaftsformaten. Damit beliefen sich 2016 die Gesamtausgaben der neun ARD-Landesrundfunkanstalten und der ARD-Filmfirma Degeto für beauftragte und angekaufte Fernsehproduktionen auf insgesamt 718,6 Mio Euro. Die Zahlen sind im ARD-Produzentenbericht 2016 nachzulesen, der am 29. November veröffentlicht wurde.

Der 156-seitige Bericht wurde zuvor auf der ARD-Hauptversammlung am 27. und 28. November in Leipzig vorgestellt, auf der die Intendanten der ARD-Anstalten und die Vertreter von deren Aufsichtsgremien zusammengekommen waren. Für das Jahr 2014 hatte die ARD im September 2015 erstmals einen Produzentenbericht veröffentlicht (vgl. MK-Meldung). Federführend zuständig für die Erstellung des Produzentenberichts ist der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR), der innerhalb der ARD die Filmangelegenheiten koordiniert. Bis Jahresende 2017 ist der MDR auch noch die vorsitzführende Anstalt der ARD. Diese Aufgabe übernimmt ab Januar 2018 der Bayerische Rundfunk (BR).

Für Filme und Serien das meiste Geld

Die Aufträge für Produktionen und Lizenzankäufe bezogen sich den ARD-Angaben zufolge im Jahr 2016 zu 25,5 Prozent auf das Genre ‘Spielfilm’ und zu 20,2 Prozent auf das zusammengefasste Genre ‘Fernsehfilm/Serie’. Der Film- und Serienbereich ist somit mit rund 46 Prozent das Segment, in dem von den ARD-Anstalten und der Degeto am meisten Geld für die Produktion bzw. für Lizenzankäufe ausgegeben wurde. Für den Film- und Serienbereich beliefen sich diese Ausgaben im vorigen Jahr auf 328,5 Mio Euro (2015: 348 Mio Euro). Die Aufwendungen für das Genre ‘Familie’ betrugen 2016 insgesamt 104,5 Mio Euro (Anteil: 14,5 Prozent), gefolgt von den Kosten für die Segmente ‘Unterhaltung’ mit 75,5 Mio (10,5 Prozent), ‘Vorabend’ mit 72,3 Mio (10,1 Prozent), ‘Kultur/Wissenschaft’ mit 63 Mio (8,8 Prozent) und ‘Politik/Gesellschaft’ mit 56,2 Mio Euro (7,8 Prozent).

Im Jahr 2016 fielen bei der ARD die Gesamtausgaben für Fernsehproduktionen gegenüber 2015 um 37 Mio Euro niedriger aus. Diesen Rückgang führte der Senderverbund „maßgeblich auf Einmaleffekte, aber auch auf natürliche Schwankungen im Mehrjahresvergleich“ zurück. Um welche Art von Einmaleffekten es sich handelte, geht aus dem Produzentenbericht nicht hervor. Auf MK-Nachfrage erklärte die ARD, Einmaleffekte hätten sich unter anderem durch die Neustrukturierung der Talkformate im Ersten Programm ergeben. Damit ist gemeint, dass es seit Januar 2016 im Ersten nur noch drei abendliche Talkformate gibt, nachdem Günther Jauch seine nach ihm benannte sonntagabendliche Sendung Ende 2015 beendet hatte. Außerdem, so die ARD gegenüber der MK, „gab es eine einmalige Etat-Reduzierung im Bereich der Gemeinschaftsredaktion Hauptabendserie, bei der die Degeto die rechtlich-administrative Abwicklung vornimmt“.

Bezüglich der Herstellung von TV-Produktionen weist die ARD auch in ihrem Produzentenbericht 2016 wieder drei Arten aus: Auftrags-, Misch- und Koproduktionen. Den größten Anteil hatten erneut die Auftragsproduktionen, für die bei den ARD-Anstalten und der Degeto Kosten in Höhe von insgesamt 376,5 Mio Euro anfielen (2015: 413,2 Mio Euro). Als Auftragsproduktionen definiert die ARD „TV-Sendungen oder Sendungsteile/Beiträge, die im Auftrag der jeweiligen Landesrundfunkanstalt durch Dritte hergestellt werden“.

Für Koproduktionen von ARD-Anstalten bzw. der Degeto mit externen Firmen wurden 2016, wie auch im Jahr zuvor, zusammen 230,1 Mio Euro ausgegeben. Für Mischproduktionen – bei denen die jeweilige Landesrundfunkanstalt den Produktionsprozess verantwortet, während die Vertragspartner für die inhaltliche und kreative Stoffentwicklung zuständig sind – entstanden 2016 Aufwendungen in Höhe von 69,4 Mio Euro (2015: 67,9 Mio). Die Ausgaben für Lizenzankäufe beliefen sich im vorigen Jahr auf 42,6 Mio Euro (2015: 44,4 Mio).

Aufträge von „Funk“ nicht berücksichtigt

Innerhalb der ARD hat die Degeto den höchsten Etat für die Herstellung von TV-Produktionen. Sie vergab 2016 Aufträge an Produzenten (für Auftrags-, Misch- und Koproduktionen) in Höhe von 296 Mio Euro. Hinzu kamen noch 24 Mio Euro für den Erwerb von Lizenzrechten. Größter Auftraggeber bei den ARD-Landesrundfunkanstalten war erwartungsgemäß der WDR, zugleich die größte Anstalt des Senderverbunds. Die Ausgaben des WDR für Auftrags-, Misch- und Koproduktionen betrugen 2016 insgesamt 104 Mio Euro. Die Kosten des Senders für Lizenzankäufe beliefen sich auf 6 Mio Euro.

Von den insgesamt 718,6 Mio Euro, die die ARD 2016 an Produzenten zahlte, flossen 526,5 Mio an Unternehmen, bei denen weder eine ARD-Anstalt noch die Degeto direkt bzw. indirekt beteiligt ist. Das entspricht einem Anteil von 73,3 Prozent (2015: 72,2 Prozent). Die restlichen 192,1 Mio Euro (Anteil: 26,7 Prozent) erhielten im Jahr 2016 Firmen mit ARD-Beteiligung. 2015 gingen 27,4 Prozent der Produktionsgelder an mit der ARD verbundene Unternehmen. Dazu zählen beispielsweise Firmen der Drefa-Mediengruppe (Muttergesellschaft: MDR), der Studio-Hamburg-Gruppe (NDR) und der Bavaria-Film-Gruppe (BR, MDR, WDR, SWR).

Die ARD-Vorsitzende und MDR-Intendantin Karola Wille verwies anlässlich der Veröffentlichung des Produzentenberichts 2016 auf die Bedeutung der ARD-Anstalten und der Degeto für die Produzenten: Die ARD-Sender und die Degeto seien „zusammen der größte und wichtigste Auftraggeber der deutschen Film- und Fernsehproduktionswirtschaft“, sagte Wille und fügte an: „Wir erhalten die Vielfalt der Branche und fördern sie weiterhin.“ Sie hob hervor, dass der ARD „Transparenz sehr wichtig“ sei und der Bericht „Schritt um Schritt“ weiterentwickelt werde. So sei geplant, künftig auch das Volumen für Online-Produktionen auszuweisen.

Die Produktionen etwa, die ARD und ZDF für ihr Anfang Oktober 2016 gestartetes Online-Jugendangebot „Funk“ beauftragt haben, sind für den Zeitraum Oktober bis Dezember 2016 im vorliegenden Produzentenbericht nicht enthalten. Laut dem Rundfunkstaatsvertrag müssen ARD und ZDF für „Funk“ einen eigenen Bericht vorlegen, der unter anderem den Anteil der Eigenproduktionen, Auftragsproduktionen und eingekauften Lizenzware bei dem Online-Angebot ausweist. Vorgesehen ist, dass dieser Bericht für die ersten zwei Jahre des Bestehens von „Funk“ Ende 2018 veröffentlicht wird.

29.12.2017 – vn/MK

Print-Ausgabe 3/2020

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