ZDF und Produzenten einigen sich auf Erlösbeteiligung für Video-on-Demand-Bereich

19.06.2015 •

19.06.2015 • Fernsehproduzenten, die für das ZDF Auftragsproduktionen herstellen, werden nun auch an Erlösen beteiligt, die der öffentlich-rechtliche Sender über seine Rechtsvermarktungstochter im Bereich Video-on-Demand (VoD) erzielt. Das ZDF und die Produzentenallianz haben sich darauf verständigt, in diesem Punkt die bestehende Vereinbarung zur Zusammenarbeit bei Auftragsproduktionen zu ergänzen. Das teilten beide Seiten am 29. Mai mit. Die Produzenten erhalten nun vom Rechtevermarktungsunternehmen ZDF Enterprises auch für den Video-on-Demand-Bereich einen Anteil von 16 Prozent an den hier eingenommenen Bruttoerlösen abzüglich nachgewiesener Synchronisierungskosten.

Wenn es um die Verwertung im Ausland, im inländischen Pay-TV, im Kino und um Videoprogrammrechte (DVD, VHS) geht, steht den Produzenten bereits seit März 2010 eine Beteiligung in Höhe von 16 Prozent an den vom ZDF erzielten Bruttoerlösen aus der Vermarktung zu (vgl. FK 40/10). Die jetzt vereinbarte Ergänzung für Verwertungseinnahmen bezüglich Video-on-Demand gilt rückwirkend, und zwar für Erlöse, die ZDF Enterprises hier ab dem Jahr 2013 erhalten hat. Erfasst werden von der neuen VoD-Erlösbeteiligung fiktionale Produktionen, die per Vertrag ab dem Jahr 2011 beauftragt wurden. Dokumentationen sind einbezogen, wenn sie auf einen Vertragsabschluss ab dem 1. Oktober 2012 zurückgehen. Für Entertainment-Produktionen wurde als vertraglicher Stichtag der 1. Januar 2013 festgesetzt.

Intendant Bellut: Notwendige Anpassung

Die nun zwischen dem ZDF und der Produzentenallianz geschlossene Zusatzvereinbarung ist zunächst bis Ende 2016 befristet. Sechs Monate vor Ablauf werden beide Seiten die Regelung „im Hinblick auf Kostenstrukturen der Verbreitung und der Angemessenheit der Höhe der Beteiligung“ evaluieren. So ist es in der Ergänzungsvereinbarung festgehalten, die von der Produzentenallianz auch auf deren Internet-Seite veröffentlicht wurde. ZDF-Intendant Thomas Bellut erklärte, es sei „sinnvoll und notwendig, die Erlösbeteiligung der Produzenten den neuen Verwertungsmodellen der digitalen Welt anzupassen, zumal unsere Tochter ZDF Enterprises auch dort einen exzellenten Job macht“. Für das ZDF als größtem Einzelauftraggeber für Fernsehproduktionen sei „eine lebendige und leistungsfähige Produzentenlandschaft“ von herausragender Bedeutung.

Mit der Ergänzungsvereinbarung mit dem ZDF sei man auf dem Weg vorangekommen, „auch auf den neuen Verwertungsplattformen eine nennenswerte Wertschöpfung aus unseren Werken zu generieren“, erklärte Alexander Thies, Vorsitzender des Gesamtvorstands der Produzentenallianz: „Es ist für Produzenten von größter Bedeutung, dass sie auch am Wert ihrer Programme teilhaben können, wenn deren Erstverwertungsphase abgeschlossen ist.“

Die Produzentenallianz hatte Ende 2009 auch mit der ARD eine Eckpunktevereinbarung für ausgewogene Vertragsbedingungen bei fiktionalen Produktionen abgeschlossen (vgl. FK 50/09). Das Abkommen war 2013 um eine Eckpunktevereinbarung für ARD-Dokumentationen erweitert und im Januar 2014 auch auf Entertainment-Formate im Ersten Programm der ARD ausgeweitet worden. Im Herbst vorigen Jahres wurde es bis Ende 2015 verlängert. Die Vereinbarung enthält seit ihrem Inkrafttreten auch Regelungen dazu, dass die ARD-Landesrundfunkanstalten die Produzenten aus Verwertungserlösen im Ausland, im inländischen Pay-TV, im Kino, für DVD und aus kommerziellen On-demand-Angeboten beteiligen. Somit sind bei der ARD die Produzenten bereits seit mehreren Jahren auch an Erlösen aus dem Video-on-Demand-Bereich beteiligt, was beim ZDF erst jetzt erreicht wurde.

Hintergrund für die Vereinbarungen zwischen der Produzentenallianz, der inzwischen rund 220 Produktionsunternehmen angehören, und den öffentlich-rechtlichen Sendern ist eine Protokollnotiz aller Bundesländer zum 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag, der am 1. Juni 2009 in Kraft getreten ist. Darin wurden die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten aufgefordert, „im Bereich Film- und Fernsehproduktionen Unternehmen sowie Urhebern und Leistungsschutzberechtigten ausgewogene Vertragsbedingungen und eine faire Aufteilung der Verwertungsrechte“ zu gewähren.

19.06.2015 – vn/MK