SWR: Clemens Bratzler und Anke Mai als neue Programmdirektoren berufen

27.09.2019 •

Clemens Bratzler, beim Südwestrundfunk (SWR) bisher stellvertretender Direktor des Landessenders Baden-Württemberg, wird neuer Programmdirektor Information bei dem öffentlich-rechtlichen Sender. Neue Programmdirektorin Kultur des SWR wird Anke Mai, die derzeit beim Bayerischen Rundfunk (BR) den trimedialen Programmbereich Kultur leitet. Der SWR-Rundfunkrat stimmte in seiner Sitzung am 27. September in Baden-Baden den beiden Personalentscheidungen des neuen SWR-Intendanten Kai Gniffke zu. Laut dem SWR-Staatsvertrag muss der Rundfunkrat des Senders die Bestellung von Programmdirektoren billigen. Bratzler und Mai wurden nun jeweils für fünf Jahre als Direktoren berufen. Gniffke hatte am 13. September und damit zwei Wochen nach seinem Antritt als SWR-Intendant dem Rundfunkrat der Zwei-Länder-Anstalt für Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz unterbreitet, den 47-jährigen Clemens Bratzler und die 53-jährige Anke Mai als neue Programmdirektoren zu berufen.

Die beiden Direktorenämter mussten neu besetzt werden, weil die beiden derzeitigen Amtsinhaber in der näheren Zukunft in den Ruhestand treten (vgl. MK-Meldung). Der 63-jährige Christoph Hauser, Programmdirektor Information beim SWR, verlässt den Sender Ende November 2019. Die von ihm geleitete Direktion verantwortet die Inhalteproduktion fürs Fernsehen, Radio und Internet in den Bereichen Information, Sport, Film, Service und Unterhaltung. In dieser Direktion sind etwa das Programm-Management Fernsehen, die Chefredaktionen des SWR und das Radio-Nachrichtenprogramm SWR aktuell angesiedelt. Nachfolger von Christoph Hauser ist dann ab dem 1. Dezember 2019 Clemens Bratzler, dessen fünfjährige Amtsperiode am 30. November 2024 enden wird.

Für jeweils fünf Jahre berufen

Gerold Hug, Programmdirektor Kultur, scheidet Ende Januar 2020 im Alter von dann 61 Jahren beim SWR aus. Die von Hug geleitete Direktion ist zuständig für die trimedialen Inhalte in den Bereichen Kultur, Literatur, Musik, Wissen und Bildung. Zugeordnet sind der Direktion etwa die Pop-Wellen SWR 3 und Das Ding, das Kulturradioprogramm SWR 2, die Klangkörper des SWR sowie Funk, die gemeinsam von ARD und ZDF betriebene Online-Plattform für 14- bis 29-Jährige. Innerhalb der ARD hat der SWR die Federführung für Funk (Sitz: Mainz). Hugs Nachfolge tritt dann am 1. Februar 2020 Anke Mai an. Ihre fünfjährige Amtsperiode läuft dann bis zum 31. Januar 2025.

Für die Neubesetzung der beiden Direktorenämter hatte der SWR auch eine Personalberatungsfirma eingeschaltet, die bundesweit den Medienmarkt nach geeigneten Kandidaten sichtete. Welche Firma beauftragt wurde, wollte der Sender auf Nachfrage nicht mitteilen. Gniffke hat sich als neuer SWR-Intendant zum Ziel gesetzt, den Südwestrundfunk zum „Innovationstreiber Nummer 1“ in der ARD zu machen. Der Sender solle „Pacemaker in Sachen Digitalisierung“ sein, hatte er im Mai in seiner Bewerbungsrede erklärt. Gniffke folgte beim SWR Peter Boudgoust nach, der das Intendantenamt vorzeitig abgab, aber weiterhin Präsident des deutsch-französischen Kulturkanals Arte bleibt. Diese Position übernahm Boudgoust Anfang Januar 2016; seine fünfjährige Amtszeit als Arte-Präsident endet am 31. Dezember 2020.

Kai Gniffke war im Mai 2019 von den Mitgliedern des Rundfunkrats und des Verwaltungsrats zum Intendanten des Südwestrundfunks gewählt worden (vgl. MK-Meldung). Er war zuvor Erster Chefredakteur der in Hamburg angesiedelten Gemeinschaftseinrichtung ARD-aktuell (u.a. „Tagesschau“, „Tagesthemen“). Am 13. September wurde Peter Boudgoust beim SWR in Stuttgart in einem Festakt als Intendant verabschiedet und Gniffke als sein Nachfolger in das Amt eingeführt.

Künftige Karrierewege

Clemens Bratzler, der künftige SWR-Programmdirektor Information, hatte sich im Frühjahr neben weiteren SWR-Führungskräften ebenfalls um das Intendantenamt beworben. Er kam aber nicht zum Zuge. Rundfunkrat und Verwaltungsrat hatten sich damals darauf verständigt, nur zwei Kandidaten für die Intendantenwahl zu nominieren. Dabei handelte es sich neben Gniffke noch um Stefanie Schneider, die Direktorin des SWR-Landessenders Baden-Württemberg, gegen die sich Gniffke dann durchsetzen konnte. Zu Gniffkes Entscheidung, Bratzler zum Programmdirektor Information zu berufen, schrieb die „Stuttgarter Zeitung“: Bratzler mache beim Südwestrundfunk nun „unter und mit Kai Gniffke weiter Karriere. Und da Gniffke als beinahe 59-Jähriger womöglich nur eine fünfjährige Amtsperiode als SWR-Intendant absolviert, steht Bratzler als künftiger Programmdirektor Information in bester Position für eine mögliche Nachfolge-Kandidatur im Jahre 2024.“

Clemens Bratzler, geboren am 2. Juli 1972 in Wiesbaden, studierte Mathematik, Physik und Pädagogik in Mainz und Münster. Nach Studienabschluss volontierte er ab 1999 beim SWR und arbeitete dort anschließend als Reporter und Redakteur, vor allem für die Bereiche Aktuelles und Landespolitik. Von 2002 bis 2008 moderierte Bratzler das Regionalmagazin „Baden-Württemberg aktuell“ im Dritten Fernsehprogramm des SWR. Seit Mai 2008 moderiert er das SWR-Politikmagazin „Zur Sache Baden-Württemberg“. Anfang Oktober 2009 wurde Bratzler beim SWR Leiter der Fernsehabteilung Wirtschaft, die später zur multimedialen Abteilung ‘Wirtschaft und Umwelt’ umgebaut wurde. Anfang Juli 2017 stieg Bratzler zum Chef der neu geschaffenen SWR-Hauptabteilung ‘Multimediale Aktualität Baden-Württemberg’ auf. Zugleich wurde er stellvertretender Direktor des Landessenders Baden-Württemberg.

Anke Mai, geboren am 21. Dezember 1965 in Karlsruhe, studierte Neuere Deutsche Literatur, Amerikanische Kulturgeschichte und Kommunikationswissenschaften. Ab 1993 war sie Korrespondentin im ARD-Hörfunkstudio Südosteuropa in Wien, für das der Bayerische Rundfunk zuständig ist. Von 1997 bis 2003 war sie Leiterin des Studios. Später war sie Hörfunkkorrespondentin im ARD-Hauptstadtstudio in Berlin und stellvertretende Chefin des dortigen BR-Teams. Im Mai 2007 übernahm Mai beim BR in München die Leitung des Bereichs ‘Zentrale Planung und Koordination Hörfunk’. In dieser Position betreute sie auch große Kultur- und Klassik-Projekte des Senders. Im Jahr 2016 wurde Anke Mai dann beim Bayerischen Rundfunk Leiterin des trimedialen Programmbereichs Kultur, dem beispielsweise auch die im BR Fernsehen laufende Sendereihe „Quer“ mit Christoph Süß zugeordnet ist.

27.09.2019 – vn/MK