Streaming-Anbieter Netflix baut Deutschlandgeschäft aus

05.10.2019 •

Der US-amerikanische Streaming-Anbieter Netflix baut sein Deutschlandgeschäft aus. Zum einen hat Netflix weitere deutsche Eigenproduktionen in Auftrag gegeben, zum anderen wurden zwei neue Führungskräfte eingestellt, die sich auch um die Geschäftsaktivitäten in Deutschland kümmern sollen. Seit dem 1. September ist Wolf Osthaus bei Netflix Director Public Policy für Deutschland, Österreich und Schweiz. Die Position bei der in Berlin ansässigen Netflix Services Germany GmbH wurde neu geschaffen. Osthaus soll sich nun um die Beziehungen des Streaming-Anbieters zur Politik und zu den Medienaufsichtsbehörden in den drei Ländern kümmern. Er ist Dean Garfield unterstellt, der bei Netflix seit 2018 als ‘Head of Global Public Policy’ arbeitet. Der börsennotierte Streaming-Anbieter hat seinen Hauptsitz in Los Gatos im US-Bundesstaat Kalifornien.

Der 47-jährige Osthaus war bisher ab 2013 als ‘Senior Vice President Regulatory and Public Policy’ beim Kabelnetzbetreiber Unitymedia in Köln tätig. Ende Juli wurde Unitymedia vom britischen Telekommunikationskonzern Vodafone übernommen, nachdem die EU-Kommission die Übernahme mit Auflagen genehmigt hatte. Bevor Osthaus zu Unitymedia kam, war der promovierte Jurist bei der United Internet AG („1&1“) ‘Head of Corporate & Regulatory Affairs’. Davor arbeitete er beim eBay-Konzern als Leiter ‘Government Relations DE’ und beim Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom) als Leiter ‘Telekommunikations- und Medienpolitik’.

Weitere Eigenproduktionen in Auftrag gegeben

Von der Produktionsfirma Constantin Film engagierte Netflix nun außerdem Sasha Bühler. Sie wird im Dezember zu Netflix wechseln, und zwar als ‘Director of Original Film’. Bühler wird dann in dieser Position verantwortlich sein für Filmproduktionen des Streaming-Anbieters aus Deutschland, Frankreich und Skandinavien. Für den Programmeinkauf und Koproduktionen von Netflix für Deutschland, Österreich und die Schweiz ist seit Ende 2014 Kai Finke zuständig. Er wird künftig von Sasha Bühler unterstützt, die seit 2008 für Constantin Film arbeitete, zunächst im Lizenzhandel, später (ab Oktober 2011) dann als ‘Head of Acquisitions’ im Geschäftsbereich Lizenzhandel.

Für die Pressearbeit von Netflix in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie für die Region Zentral- und Osteuropa ist als Director Communications Henning Dorstewitz zuständig. Er arbeitet in dieser Position für den Streaming-Anbieter seit Anfang Februar 2019 von Amsterdam aus. Amsterdam ist der Europa-Sitz von Netflix. Im September 2014 war Netflix mit seinem Abrufangebot in Deutschland wie auch unter anderem in Österreich und der Schweiz gestartet (vgl. diese FK-Meldung und diese FK-Meldung). Wie viele Abonnenten Netflix in Deutschland hat, gibt das Unternehmen nicht bekannt. Weltweit hat Netflix nach eigenen Angaben mit Stand von Ende Juni insgesamt 151,6 Mio Abonnenten, davon 60 Mio in den USA (dort sank die Kundenzahl zuletzt geringfügig). Am 16. Oktober gibt Netflix seine Wirtschaftszahlen für das dritte Geschäftsquartal 2019 bekannt (dann werden auch die Abonnentenzahlen mit Stand von Ende September veröffentlicht).

Im Jahr 2016 hatte Netflix den Einstieg in die deutsche Serienproduktion bekannt gegeben. Damals wurde mit „Dark“ die erste eigenproduzierte Serie des Streaming-Anbieters für den hiesigen Markt beauftragt. Anfang Dezember 2017 stellte Netflix die erste Staffel der Mystery-Serie online. Die zweite Staffel von „Dark“ ist seit Ende Juni 2019 verfügbar (vgl. diese MK-Kritik zur ersten Staffel und diese MK-Kritik zur zweiten Staffel). Im Jahr 2020 soll „Dark“ dann wie geplant mit der dritten Staffel auslaufen. Neben „Dark“ bietet Netflix aktuell noch zwei weitere eigenproduzierte deutsche Serien zum Abruf an. Dabei handelt es sich um „Dogs of Berlin“ (seit Dezember 2018) und „How to Sell Drugs Online (Fast)“ (seit Mai 2019); seit dem 27. September ist die Rapper-Crime-Serie „Skylines“ abrufbar.

In der Produktion bzw. in der Planung befinden sich die deutschen Serien „Tribes of Europa“, „Das letzte Wort“. „Die Welle“, „Die Barbaren“ und „Biohackers“. Hinzu kommen noch die Miniserie „Unorthodox“ sowie die Thrillerserie „Freud“, die als deutsch-österreichische Koproduktion realisiert wird. Im Februar 2019 hatte Netflix außerdem mitgeteilt, drei deutsche Filme zu produzieren: die Hochstapler-Satire „Betongold“ mit David Kross, Frederick Lau und Janina Uhse, die Liebeskomödie „Isi & Ossi“ mit Lisa Vicari und Dennis Mojen sowie das übernatürliche Sozialdrama „Freaks“ mit Tim Oliver Schultz. Die drei Filme sollen 2020 auf der Netflix-Plattform verfügbar sein. Ebenfalls im Februar 2019 hatte sich Netflix dazu bereit erklärt, künftig in das deutsche Filmfördersystem einzuzahlen und die jährliche Abgabe an die in Berlin ansässige Filmförderungsanstalt (FFA) zu entrichten (vgl. MK-Meldung).

05.10.2019 – Volker Nünning/MK