Rücktritt von Helmut Reitze: Findungskommission für HR-Intendantenwahl

16.11.2015 •

Beim Hessischen Rundfunk (HR) in Frankfurt muss Anfang 2016 ein neuer Intendant gewählt werden, da der amtierende Intendant Helmut Reitze am vergangenen Freitag (13. November 2015) seinen Rücktritt bekannt gegeben hat. Reitze legt aus gesundheitlichen Gründen sein Amt vorzeitig nieder. Wie der HR am 16. November bekannt gab, hat der Rundfunkrat des öffentlich-rechtlichen Senders nun eine Findungskommission für die Intendantenwahl gebildet. Die insgesamt zwölfköpfige Findungskommission stehe unter der Leitung des Rundfunkratsvorsitzenden Jörn Dulige und werde „umgehend die Arbeit aufnehmen“, teilte der HR dazu mit.

Neben Jörn Dulige gehören folgende elf Personen der Findungskommission an: Dieter Weidemann (stellvertretender Vorsitzender des HR-Rundfunkrats), Rolf Müller (Vorsitzender des Programmausschusses Fernsehen des Rundfunkrats), Rolf-Dieter Postlep (Vorsitzender des Programmausschusses Hörfunk des Rundfunkrats), Joachim Valentin (Vorsitzender des Telemedienausschusses), Baldur Schmitt (Vorsitzender des Beschwerdeausschusses), Harald Brandes (Vorsitzender des Finanzausschusses), Hejo Manderscheid (stellvertretender Vorsitzender des Finanzausschusses), Ursula Jungherr (stellvertretende Vorsitzende des Programmausschusses Hörfunk), Armin Clauss (Vorsitzender des Verwaltungsrats), Doris Piel (stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrats) und Clemens Reif (Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses).

Intendant Reitze: „Meine Energie reicht nicht mehr aus“

Der derzeitige HR-Intendant Helmut Reitze hatte am 13. November 2015 erklärt, er werde noch bis Anfang 2016 und somit, bis der Rundfunkrat über seine Nachfolge entschieden habe, im Amt bleiben. Zu seiner Entscheidung, aus gesundheitlichen Gründen sein Amt vorzeitig abzugeben, erklärte der 63-jährige Reitze: „Seit einiger Zeit spüre ich, dass meine Energie nicht mehr ausreicht, um mit voller Kraft mein Amt als Intendant auszufüllen. Der Hessische Rundfunk braucht aber einen Intendanten, der sich den Herausforderungen der nächsten Jahre zu 100 Prozent stellen kann.“

Helmut Reitze ist seit dem 13. Januar 2003 Intendant des Hessischen Rundfunks und war zweimal in seinem Amt bestätigt worden. Zuletzt hatte ihn der Rundfunkrat (30 Mitglieder) sehr frühzeitig am 25. Januar 2013 für eine dritte Amtsperiode wiedergewählt, die dann am 13. Januar 2015 begann und fünf Jahre dauern sollte. Reitze hätte also eigentlich noch bis zum Januar 2020 als HR-Intendant amtiert. In seiner rund 13-jährigen Amtszeit hat Reitze beim HR mehrere Sparrunden veranlasst, um den Sender finanziell zu konsolidieren. Im Fernsehbereich forcierte Helmut Reitze die regionale Ausrichtung des Dritten Programms: „Das HR Fernsehen konnte während seiner Amtszeit durch eine strikte Ausrichtung auf Hessen seine Einschaltquoten erheblich steigern“, hieß es dazu in der Pressemitteilung des Senders anlässlich der Rücktrittsentscheidung.

„Die Identifikation der Hessen mit ihrem Sender“

Der HR-Rundfunkratsvorsitzende Jörn Dulige zeigte laut HR-Pressmitteilung Verständnis und höchsten Respekt für Reitzes Entscheidung, bedauerte diese jedoch zutiefst. „Helmut Reitze hatte trotz aller Sparanstrengungen immer die Qualität der Programme im Blick“, sagte Dulige, „ein wichtiges Anliegen war ihm von Beginn an die konsequente Ausrichtung auf Hessen und die Identifikation der Hessen mit ihrem Sender. Reitze übergibt einen erfolgreichen Hessischen Rundfunk. Dies unterstreichen die vielfältigen programmlichen Erfolge, die in seiner Amtszeit erreicht wurden.“ Armin Clauss, Vorsitzender des Verwaltungsrats, erklärte: „Helmut Reitze steht für die Zukunftssicherung des Hessischen Rundfunks und seiner Programmangebote. Der Verwaltungsrat wird mit ihm einen verlässlichen Partner verlieren, der sich stets für einen leistungsfähigen und unabhängigen HR eingesetzt hat.“

Helmut Reitze wurde am 11.6.1952 im nordhessischen Gudensberg geboren. Er absolvierte ein Volontariat bei der Tageszeitung „Hessische/Niedersächsische Allgemeine“ (HNA) in Kassel und arbeitete dort anschließend als Redakteur. 1974 begann er an der Universität Marburg mit einem Studium der Volkswirtschaftslehre. Von 1978 bis 1980 promovierte er an der Universität Mainz. Während des Studiums und seiner Promotion arbeitete Reitze als Fernsehreporter für den Hessischen Rundfunk. 1981 wurde er dann fest angestellter Redakteur und Moderator in der Wirtschaftsredaktion des Bayerischen Rundfunks (BR) in München.

Im Jahr 1985 wechselte Helmut Reitze zum ZDF nach Mainz. Dort war er mit zwei Unterbrechungen – von 1990 bis 1992 leitete er die in München ansässige Produktionsfirma AV Euromedia, von 1993 bis 1995 arbeitete er in Hamburg als zweiter Chefredakteur bei ARD-aktuell („Tagesschau“, „Tagesthemen“) – in verschiedenen Positionen tätig, ab 1995 in leitender Funktion. So wurde er damals Leiter der ZDF-Hauptredaktion Gesellschafts- und Bildungspolitik und stellvertretender ZDF-Chefredakteur. Ab 1997 leitete Reitze die ZDF-Hauptredaktion Aktuelles und moderierte das Nachrichtenmagazin „Heute-Journal“, bevor er im Oktober 2002 zum neuen HR-Intendanten gewählt wurde. Dieses Amt trat er dann im Januar 2003 an.

16.11.2015 – MK

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