Kölner Kardinal Woelki sieht in Fake News eine große Gefahr

17.03.2017 •

17.03.2017 • Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof von Köln, sieht in Fake News eine große Gefahr für die Gesellschaft. „Sie blenden und verführen Menschen. Sie verschleiern die Realität. Sie suchen und finden Sündenböcke. Sie heizen die Stimmung an“, sagte der Erzbischof am 7. März in einem Gottesdienst in Bergisch Gladbach.

Kardinal Woelki nannte in seiner Predigt Fake News „Worte, die das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt werden“. Noch bevor sie gedruckt seien, „kursieren sie in Echtzeit über unsere Bildschirme und Smartphones“. Es seien Worte, „die genau das bewirken, was der Demagoge will und wozu dieser sie ausgesandt hat“. Der Gottesdienst mit Kardinal Woelki fand im Rahmen der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz statt, zu der die katholischen Bischöfe vom 6. bis 9. März in Bergisch Gladbach im Kardinal-Schulte-Haus im Ortsteil Bensberg zusammenkamen.

In seiner Predigt verwies Kardinal Woelki in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung des Gebets: „Beten ist kein Reden, kein Geplapper, kein Fake. Beten ist das, was entsteht, wenn Gott der Mittelpunkt unseres Ichs sein darf.“ Während das Wort des Demagogen zerstöre und diffamiere, „baut Gottes Wort auf und stärkt und heilt“, so Woelki: „Versuchen wir, uns deshalb von nichts und von niemandem in unserem Vertrauen auf Gott beirren zu lassen – nicht von schlechten Nachrichten und nicht von falschen Nachrichten. Nicht vom Geplapper um uns herum. Nicht von ‘Likes’ und nicht von ‘Dislikes’; nicht von Drohungen und nicht davon, als Christen diffamiert oder lächerlich gemacht zu werden.“

Bischof Fürst: Mehr Medienkompetenz nötig

Bereits im Januar hatte sich der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart), sehr besorgt über die Verbreitung von Fake News über das Web gezeigt. „Durch die sich im Internet über spezielle Portale, Kanäle oder elektronische Techniken millionenfach automatisch verbreitenden Fakes entstehen Gerüchte, Denunziation und Desinformation. Diese gefährden und beschädigen das Vertrauen unter den Menschen. Eine verhängnisvolle Desorientierung ist die Folge mit all den negativen Konsequenzen für das Gemeinwesen“, erklärte Fürst.

Der Medienbischof konstatierte, dass in der Gesellschaft „offensichtlich einiges ins Rutschen geraten“ sei, „wenn viele Menschen der Propaganda anderer Staaten und dubioser Internetquellen mehr vertrauen als den eigenen politischen Akteuren und den freien Medien in Deutschland“. Man werde allerdings die Herausforderungen nicht allein mit rechtlichen Mitteln bewältigen können. Es bedürfe, so Fürst weiter, „vielmehr einer breiten Bildungs- und Aufklärungsbewegung zum Thema Medienkompetenz“. Dazu trage auch die von der Bischofskonferenz vor einigen Jahren gegründete ‘Clearingstelle Medienkompetenz’ bei, die an der Katholischen Fachhochschule in Mainz angesiedelt ist.

Im Lauf des vergangenen Jahres entzündete sich eine gesellschaftliche Debatte über Fake News, nicht zuletzt weil im US-Präsidentschaftswahlkampf gezielt falsche Nachrichten über soziale Netzwerke im Internet verbreitet wurden, zum Teil mittels Software gesteuerter Fake-Accounts, sogenannter Social Bots (vgl. dazu auch diesen MK-Artikel). Hierzulande werden auch in der Politik, der Kultur- und Medienbranche Fake News als ein größeres Problem und eine Gefahr betrachtet. Aus Teilen der Politik kam bereits die Forderung, auf Fake News mit gesetzlichen Regelungen zu reagieren.

BR-Chef Wilhelm für Gesetzesverschärfung

Der Intendant des Bayerischen Rundfunks (BR), Ulrich Wilhelm, plädierte unterdessen dafür, die Strafen für im Netz verbreitete Beleidigung und üble Nachrede deutlich zu verschärfen. Soziale Netzwerke wie Facebook müssten bei einem Strafantrag die Namen der Urheber von Straftaten herausgeben, forderte Wilhelm in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ (Ausgabe vom 4.3.2017). Der Betroffene brauche einen Auskunftsanspruch, weil er sonst nicht wisse, an wen er sich halten solle, um beispielsweise gegen frei erfundene Zitate vorgehen zu können.

Die Plattformbetreiber müssen nach Auffassung von Wilhelm „zu transparenten Kriterien für die Löschung“ verpflichtet werden: „Wenn ein Inhalt trotzdem immer weiter geteilt wird, dann wird man die Betreiber mit in die Haftung nehmen müssen.“ Ein Bußgeld, so der BR-Intendant, müsse „bei Rechtsverstößen in die Millionen gehen“. Die heutigen Geschäftsmodelle nähmen „keine Rücksicht auf die Kosten für die Gemeinschaft durch Hassrede und Fälschung“. Es müsse finanziell schmerzen, sonst ändere sich nichts.

17.03.2017 – MK