Hessen: Zentrale Gesellschaft zur Filmförderung gegründet

16.10.2015 •

In Hessen werden die bisher getrennten Filmförderungen in einer neu gegründeten Gesellschaft gebündelt. Dafür wurde am 29. September 2015 die ‘Hessen Film und Medien GmbH’ offiziell gegründet, deren Sitz Frankfurt am Main ist. Gesellschafter der Einrichtung sind das Land Hessen und der Hessische Rundfunk (HR). Das Land hält 90 Prozent der Anteile, der öffentlich-rechtliche Sender die übrigen 10 Prozent. Zuständig für die Filmförderung ist innerhalb der hessischen Landesregierung das Ministerium für Wissenschaft und Kunst, das von Minister Boris Rhein (CDU) geleitet wird.

Der Aufsichtsrat der Hessen Film und Medien GmbH setzt sich aus fünf Personen zusammen. In dem Gremium hat das Land drei Sitze, je einen Sitz haben der HR und die hessischen Filmschaffenden. Aufsichtsratsvorsitzender ist Boris Rhein. Seine Stellvertreter sind Günter Schmitteckert (Wissenschaftsministerium) und Manfred Krupp (HR-Fernsehdirektor). Die beiden weiteren Aufsichtsratsmitglieder sind Elmar Damm vom hessischen Finanzministerium und Karl-Eberhard Schäfer als gemeinsamer Vertreter des Film- und Kinobüros Hessen, der Vereinigung der hessischen Filmwirtschaft, des Filmhauses Frankfurt und der in Frankfurt ansässigen Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok). Der Aufsichtsrat bestellte in seiner ersten Sitzung, die ebenfalls am 29. September 2015 stattfand, den TV-Produzenten Hans Joachim Mendig offiziell zum Geschäftsführer der Hessen Film und Medien GmbH. Der 61-Jährige übernahm die Position am 1. Oktober.

Jahrelange Forderung umgesetzt

Bereits im Juli 2015 hatte das hessische Wissenschaftsministerium bestätigt, dass Mendig die Geschäftsführung der Filmgesellschaft übernehmen werde, nachdem zuvor Medien über die Personalie berichtet hatten. Mendig, studierter Diplom-Betriebswirt, arbeitete viele Jahre lang als Fernsehproduzent. So war er etwa beteiligt an der Herstellung der ZDF-Serien „Ein Fall für Zwei“ und „Der Landarzt“. Mendig war unter anderem bei öffentlich-rechtlichen Sendern in leitenden Programmfunktionen und später von 2000 bis 2009 bei der Odeon Film AG tätig, zunächst als Vorstandsmitglied und dann als Vorstandsvorsitzender. 2010 hatte sich Mendig in Frankfurt am Main mit der Medienberatungsfirma Zelios Media selbständig gemacht. Im Sommer 2015 wurde die Firma aufgelöst.

Auf die Gründung einer zentralen Filmfördereinrichtung in Hessen hatten sich CDU und Grüne in ihrem im Dezember 2013 verabschiedeten Koalitionsvertrag geeinigt. Seit Januar 2014 regieren beide Parteien in einer Koalition mit Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) an der Spitze. Die hessische Filmbranche forderte bereits seit Jahren, die Filmförderung zu verbessern und zu zentralisieren. 2008 plädierten die Film- und Medienschaffenden, die sich damals in der Initiative ‘Hessen Film’ zusammengeschlossen hatten, dafür, die Fördereinrichtungen unter einem Dach zusammenzuführen. Sie forderten ferner eine an die anderen Bundesländer angepasste wettbewerbsfähige Filmförderung in Höhe von mindestens 12 Millionen Euro im Jahr. 2013 wurden dann zwischen dem Land und der Filmbranche Gespräche über ein Konzept zur künftigen Ausrichtung der hessischen Filmförderung aufgenommen.

In Hessen gibt es bisher die kulturelle Filmförderung des Landes und die Filmförderung des Hessischen Rundfunks. Hinzu kommt seit 2001 noch die wirtschaftlich ausgerichtete Filmförderung des Landes, die bei der in Offenbach ansässigen Wirtschafts- und Infrastrukturbank Hessen (WI-Bank) angesiedelt ist. Laut dem Wissenschaftsministerium wurden in Hessen in den vergangenen 25 Jahren mehr als 1000 Filmprojekte mit einem Förderbudget von rund 75 Mio Euro unterstützt. Die bisher getrennten Förderungen sollen nun zum 1. Januar 2016 in der Hessen Film und Medien GmbH zusammengeführt werden. Deren Geschäftsführer Mendig solle, wie das Ministerium erklärte, eine „innovative Organisation“ aufbauen.

Förderbudget von 6,8 Mio Euro

Die Hessen Film und Medien GmbH wird künftig die Stoffentwicklung und die Produktion von Kino- und Fernsehfilmen fördern. Hinzu kommen Verleih- und Vertriebsförderung sowie eine Abspiel-, Kino- und Festivalförderung. Unterstützt werden soll auch die Aus- und Fortbildung im Filmbereich. Aufgabe der neuen Hessen Film und Medien GmbH ist satzungsgemäß die Entwicklung, Pflege und Stärkung der Filmkultur und Filmwirtschaft durch die Förderung kulturell bedeutender und wirtschaftlich erfolgversprechender Film- und Fernsehproduktionen aller Genres. Zudem soll die Gesellschaft ergänzende Serviceleistungen anbieten.

Im Jahr 2016 wird sich der Förderetat der Hessen Film und Medien GmbH auf 6,765 Mio Euro belaufen, was dem Betrag entspricht, der in diesem Jahr für die getrennten Förderungen insgesamt zur Verfügung steht. Das Budget für 2016 setzt sich zusammen aus Haushaltsgeldern des Landes in Höhe von 1,015 Mio Euro, aus weiteren 750.000 Euro des HR und aus 5 Mio Euro an Bürgschaftsmitteln der WI-Bank. Bei diesen Bürgschaftsmitteln handelt es sich um verzinste und zurückzuzahlende Darlehen. Laut Wissenschaftsminister Boris Rhein soll die Verzinsung der Darlehen in einem ersten Schritt von bisher zwei auf ein Prozent gesenkt werden.

Die Initiative Hessen Film forderte Ende September 2015 in einer Resolution, dass die als Darlehen vergebenen Filmfördermittel „bedingt rückzahlbar und zinslos“ sein müssten, so wie es auch in den anderen Bundesländern der Fall sei. Grundsätzlich müssten die für die Filmförderung bisher bereitgestellten Bürgschaftsmittel in Haushaltsgelder umgewandelt werden. Eine weitere Forderung der Initiative lautet: „Die kulturelle Filmförderung für Entwicklung, Produktion, Abspiel und Vertrieb sowie die Förderung für Filmfestivals muss mindestens in bisheriger Höhe erhalten bleiben.“ Neue Schwerpunkte bei der künftigen Förderung, etwa die finanzielle Unterstützung der Herstellung von Fernsehfilmen, dürften „nicht zu Lasten der kulturellen Filmförderung gehen“. Diesbezügliche Festlegungen lehnt Rhein ab und verweist darauf, dass Fördermaßnahmen flexibel bleiben müssten.

„Mit großer Sorge“ betrachtet es die Initiative Hessen Film, „dass der zuständige Minister Boris Rhein eher eine rein formale Neustrukturierung anstrebt ohne den verabredeten inhaltlichen Neuanfang“. Kritik übte die Initiative auch an der Berufung von Hans Joachim Mendig zum Geschäftsführer der neuen Gesellschaft. Er sei mit der Materie Filmförderung und mit der hessischen Produzentenlandschaft nicht vertraut. Der Verein ‘Pro Quote Regie’ monierte, dass keine Frau für den Leitungsposten benannt wurde.

Kritik der Filmschaffenden

Auf die ausgeschriebene Geschäftsführerposition bei der Hessen Film und Medien GmbH waren Mitte April 2015 insgesamt 26 Bewerbungen eingegangen (10 Frauen, 16 Männer). Acht Bewerber kamen in die engere Wahl der Findungskommission, deren Zusammensetzung laut der Initiative Hessen Film vom Wissenschaftsministerium festgelegt worden war. Dem fünfköpfigen Gremium unter Vorsitz von Boris Rhein gehörten noch je ein Vertreter aus dem Wissenschafts- und dem Finanzministerium an. Außerdem stellten der HR und die Initiative Hessen Film je einen Vertreter.

Ausschlaggebend für die Entscheidung zugunsten Mendigs war laut der Initiative Hessen Film „die ministerielle Mehrheit, insbesondere Herr Minister Boris Rhein mit seiner dritten und entscheidenden Stimme. Es gab keine gemeinsame Diskussion um die Qualität der Kandidaten und keine Abstimmung.“ Die Darstellung, die Berufung sei „einvernehmlich“ geschehen, wie es das hessische Wissenschaftsministerium mitgeteilt habe, sei nicht angebracht, erklärte die Initiative Ende September 2015 außerdem. Das Wissenschaftsministerium wies die Kritik an der Berufung von Mendig zum Geschäftsführer zurück: Er sei „unter Berücksichtigung aller Anforderungskriterien der am besten geeignete Kandidat für die Position des Geschäftsführers der Film GmbH“

16.10.2015 – Volker Nünning/MK

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