Aus dem Stand etabliert: 20 Jahre „First Steps Award“

30.09.2019 •

20 Jahre nach seiner Gründung ist der „First Steps Award“ aus der deutschen Film- und Fernsehlandschaft nicht mehr wegzudenken. Bei der Jubiläumsgala im Berliner ‘Theater des Westens’ ging es am 9. September daher auch um einen Blick zurück nach vorn. Ufa-Geschäftsführer Nico Hofmann rief noch einmal die Erinnerung an den Abend bei einem Münchner Italiener wach, an dem 1999 auch unter Mitwirkung des 2011 verstorbenen Produzenten Bernd Eichinger „im Weißweinrausch“ die Idee für einen eigenen Nachwuchspreis für die Filmbranche geboren worden sei.

Von Anfang an von der Ufa, aber auch branchenfremden Konzernen wie Mercedes-Benz unterstützt, war der First-Steps-Wettbewerb aus dem Stand etabliert und eine ernst genommene Marke im manchmal unübersichtlichen Kreis der deutschen Film- und Medienpreise. Das ist auch das Verdienst von Andrea Hohnen, der künstlerischen Leiterin des First Steps Awards. Sie hatte entscheidenden Anteil daran, dass der Wettbewerb auch nach 20 Jahren – anders als beispielsweise der gleichaltrige Deutsche Fernsehpreis – auf der Höhe der Zeit ist. „Andrea Hohnen war, ist und bleibt das Gesicht, die treibende Kraft und der kreative Kern von First Steps“, so Hofmann in seiner Laudatio auf die nun nach 20 Jahren abtretende Hohnen.

Ehrenpreis geht an Andrea Hohnen

„Andreas Leidenschaft für den jüngsten deutschen Film, ihre Genauigkeit und Unbestechlichkeit, das hat etwas Einmaliges. Generationen junger Filmemacher haben ihre Karriere der Entdeckungsfreude von Andrea zu verdanken, es ist ein Lebenswerk, das Andrea Hohnen mit First Steps hinterlässt“, sagte Hofmann. Und so gab es den Ehrenpreis beim First Steps Award 2019 sozusagen in eigener Sache – für Andrea Hohnen, die am Abend mehrfach auf offener Bühne aufgefordert wurde, dem Wettbewerbsteam zumindest in beratender Funktion weiterhin erhalten zu bleiben.

Die Geehrte selbst stellte der Branche und vor allem der Nachwuchsförderung ein gutes Zeugnis aus. Während es vor wenigen Jahren noch vielen hochqualifizierten Absolventen der Filmhochschulen schwergefallen sei, ihr Können auch wirklich im deutschen Markt zu zeigen, habe sich die Lage sehr zum Positiven entwickelt. „Vor fünf Jahren hatte noch kein Mensch eine blasse Vorstellung, mit welcher Macht die Serienwelle auch nach Deutschland schwappen und Arbeitsmöglichkeiten schaffen würde“, hatte Hohnen im Vorfeld der Preisverleihung der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) gesagt.

Auch im Online-Bereich sei einiges in Bewegung. Zwar hätten viele zunächst Web-Serien „für umme“ gemacht, so Hohnen, dann aber ein Geschäftsmodell daraus entwickeln können: „Es gibt eben sehr viele Möglichkeiten, Filme zu machen. Man muss sich nur für einen ersten Schritt entscheiden.“ Hier vermisst Andrea Hohnen allerdings den Mut, neue Ansätze auszuprobieren. „Viele junge Filmemacherinnen und -macher beschneiden sich ohne Not, indem sie auf eine einzige Art zu arbeiten fixiert sind und die Vielfalt ihrer Möglichkeiten gar nicht zu Kenntnis nehmen“, so Hohnen in der SZ.

Zwei Auszeichnungen für „Futur Drei“

Der Schauspieler Ulrich Matthes, Präsident der Deutschen Filmakademie, hatte die Preisträger und die gesamten Filmbranche gleich zu Beginn der diesjährigen First-Steps-Preisverleihung beschworen, sich noch stärker politisch einzumischen und sich, so der Appell von Matthes, vor allem gegen die AfD zu engagieren: „Wir müssen in die Offensive gehen.“ Das tut in gewisser Weise auch der Spielfilm „Futur Drei“ von Faraz Shariat über den jungen Migranten Parvis. Er stammt aus einer im deutschen Exil lebenden iranischen Familie. Als Resozialisierungsmaßnahme nach einem Ladendiebstahl wird Parvis als Übersetzer bei aktuell aus dem Iran geflüchteten Menschen eingesetzt und muss sich einer brutalen Realität stellen.

Der Film „Futur Drei“ räumte beim First Steps Award 2019 gleich doppelt ab. Der zum zweiten Mal im Rahmen des Wettbewerbs vergebene Götz-George-Nachwuchspreis ging an die Darsteller Banafshe Hourmazdi, Eidin Jalali und Benjamin Radjaipour. Zudem erhielt „Futur Drei“ den Preis als bester abendfüllender Spielfilm. In der Kategorie „Kurz- und Animationsfilm“ gewann „Hörst du, Mutter?“ (Regie: Tuna Kaptan), beim mittellangen Spielfilm bis 45 Minuten ging der Preis an die Produktion „Ab morgen werde ich…“ von Ivan Marković.

In der Kategorie Dokumentarfilm wurde Friederike Güssefeld für „Out of Place“ ausgezeichnet. Ihr Film begleitet erziehungsschwierige deutsche Jugendliche bei ihrem pädagogischen Therapie-Programm bei rumänischen Bauern. Der nun zum dritten Mal verliehene Drehbuchpreis ging an Jacob Hauptmann für sein Buch „Zeit der Monster“; inhaltlich geht es hier um eine Geschichte kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs in der damaligen deutschen Kolonie Kamerun. Der Werbefilm-Preis ging an den Social Spot „Would You Listen?“ (Regie: Veronika Hafner), der auf ein Online-Selbsthilfeprogramm für Pädophiliegefährdete aufmerksam macht. Mit dem „No Fear Award“ für mutige Nachwuchsproduzenten wurde der Film „1986“ ausgezeichnet (Produktion: Romana Janik, Regie: Lothar Herzog). Der Michael-Ballhaus-Preis für Kameraabsolventen ging an Sabine Panossian für ihre Arbeit beim Film „Off Season“.

Was auch im 20. Jahr auffällt, aber wie in all den Jahren zuvor wieder nicht zur Sprache kam, ist das Fehlen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten beim mit insgesamt 115.000 Euro dotierten First Steps Award. Partner des von der Deutschen Filmakademie ausgerichteten Wettbewerbs sind – neben den beiden Hauptsponsoren ARRI und Mercedes-Benz – aus dem Medienbereich weiterhin die privaten Veranstalter, vertreten durch die Pro Sieben Sat 1 TV Deutschland GmbH, Warner Bros. und die Bertelsmann-Tochter Ufa.

30.09.2019 – grg/MK

Print-Ausgabe 23/2019

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