Leonard Novy neuer Direktor des Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik

17.09.2019 •

Der Politikwissenschaftler Leonard Novy, 42, ist seit dem 1. September 2019 neuer Direktor des Kölner Instituts für Medien- und Kommunikationspolitik (IfM). Das gab das IfM in einer Pressemitteilung bekannt. Das Institut war 2005 in Form einer gemeinnützigen GmbH von dem Publizisten und Medienforscher Lutz Hachmeister gegründet worden. Es operierte vor dem kompletten Umzug nach Köln (2014) im Wesentlichen von der Berliner Fasanenstraße aus, mit einem Forschungsbüro in Köln.

Hachmeister, 60, hatte bereits bei der letzten Sitzung des IfM-Senats, die im April 2019 beim Deutschlandfunk in Köln stattfand, seinen Rückzug aus der Institutsleitung angekündigt, da er „eher keine Amtszeiten à la Erich Honecker“ anstrebe und es „für alle gesellschaftlich verantworteten Institutionen wichtig“ sei, „Konzeptions- und Führungsverantwortung rechtzeitig in jüngere Hände abzugeben“. Er werde aber noch „für eine Übergangszeit“ geschäftsführender Gesellschafter der IfM gGmbH bleiben. Weitere Einzelgesellschafter des Instituts sind die Politologin Ulrike Guérot, der Filmproduzent Hans Wolfgang Pausch, die Juristin Elisabeth Noltenius und die Medienmanagerin Friederike Behrends. Dem rund 20-köpfigen Senat des IfM, dem Aufsichts- und Beratungsgremium, stehen die Verlegerin Claudia Baumhöver (dtv) und der Journalist Hans-Jürgen Jakobs („Handelsblatt“) vor.

Nachfolger von Lutz Hachmeister

Das Institut verantwortet unter anderem die Medienkonzern-Datenbank mediadb.eu, die Herausgabe des „Jahrbuchs Fernsehen“ und die Organisation der Zukunftskonferenz „Cologne Futures“ (seit 2012). Forschungsprojekte des IfM beschäftigten sich mit der „Twitterpolitik“, der Sprache des Politischen in Bundesministerien oder dem Medienbewusstsein der heutigen Studentengeneration.Bekannt wurde das IfM vor allem durch seine medienpolitischen Colloquien, zunächst in der Berliner Fasanenstraße, dann in Kooperation mit der Kölner Kunsthochschule für Medien (KHM) und der Internationalen Filmschule Köln (ifs). Hier waren EU-Kommissare wie Viviane Reding und Günther Oettinger, Chefredakteure und Medienmanager wie Alan Rusbridger („The Guardian“) und Gabriele Fischer („Brand Eins“), Internet-Forscher wie Evgeny Morozov und Geert Lovink, Verfassungsrichter wie Hans-Jürgen Papier und Andreas Paulus sowie der damalige Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND), Ernst Uhrlau, zu Gast.

Hachmeister unterstrich durch diese Colloquien und die Gästeauswahl seine Auffassung von Medienpolitik „als Metapolitik, weil sie es mit jenen Medien und Infrastrukturen zu tun hat, durch die andere Politikfelder bewertet und gerahmt werden“ (2013). Schon 2008 hatte er in einem „taz“-Streitgespräch mit dem damaligen rheinland-pfälzischen Staatskanzleichef Martin Stadelmaier (SPD) klargestellt, die traditionelle „Rundfunkpolitik“ der deutschen Bundesländer werde angesichts der technologischen Evolution bald so bedeutsam sein „wie die Verwaltung der illyrischen Provinzen im 19. Jahrhundert“.

Der neue IfM-Direktor Leonard Novy wurde 1977 in Köln geboren. Er hat Geschichte und Politikwissenschaft an der Humboldt-Universität Berlin und der University of Cambridge studiert, promovierte in Cambridge zum Dr. phil. mit einer Arbeit zum Thema ‘Identität und Öffentlichkeit in der EU‘ und war 2004/05 Fellow an der Harvard University. Von 2009 bis 2010 war er Leiter Gesprächsformate bei der AVE Gesellschaft für Fernsehproduktion mbH in Berlin (Verlagsgruppe Holtzbrinck) und von 2006 bis 2009 Leiter von Projekten der Bertelsmann-Stiftung zum Thema ‘Strategie- und Steuerungsfähigkeit der Politik’.

Verstärkte Internationalisierung

Novy, der bereits in den vergangenen Jahren als Co-Direktor des IfM amtierte, wird in der Pressemitteilung des IfM zu dessen künftiger Arbeit mit folgenden Sätzen zitiert: „Medien- und Kommunikationspolitik ist längst kein Nischenfeld für Rundfunkreferenten, Parteipolitiker und Lobbyisten mehr, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe. Angesichts von Fake News und digitaler Manipulation, Hate Speech und vielerorts kriselnder journalistischer Strukturen ist heute klar: Es geht um nichts Geringeres als um die Grundlagen des demokratischen Gemeinwesens oder, anders formuliert, um die kommunikative Infrastruktur unserer Demokratie. Mit unseren bewährten Formaten, einem exzellenten Netzwerk assoziierter Expertinnen und Experten und mehr internationalen Kooperationen als bislang werden wir die Debatte um deren Ausgestaltung auch in Zukunft vorantreiben.“

Gründungsdirektor Hachmeister, geboren 1959 in Minden, war unter anderem Medienredakteur beim „Tagesspiegel“ in Berlin, Chef des Grimme-Instituts in Marl und Geschäftsführer der Unternehmensberatung HMR International in Köln. 1991 gründete er im Rahmen des damaligen Medienforums NRW die Cologne Conference, das heutige Filmfestival Cologne. Für seine Dokumentation „Schleyer“ erhielt er 2004 den Grimme-Preis, 2009 für „Freundschaft! Die Freie Deutsche Jugend“ den Deutschen Fernsehpreis. Zudem veröffentlichte er Sachbücher wie „Heideggers Testament“ (2014) und „Hannover. Ein deutsches Machtzentrum“ (2016).

Das IfM wurde „als unabhängige Denkfabrik und Forschungsinstitution“ seit seiner Gründung von zahlreichen Medienunternehmen (wie ARD, ZDF, RTL-Gruppe, Pro Sieben Sat 1, Deutschlandradio, Holtzbrinck, FAZ, Springer) und Stiftungen bzw. öffentlichen Förderern (Stadt Köln, Länder NRW und Berlin, Augstein-Stiftung, Mercator-Stiftung) finanziell unterstützt. Im Rahmen des Netzwerks „Deutschland Denkt“ wurde das IfM vom Goethe-Institut als eines von sechs herausragenden außeruniversitären deutschen Instituten für Medienforschung ausgewählt.

17.09.2019 – MK

Print-Ausgabe 24/2019

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