Hörspiel des Monats Februar: „Die Feuerbringer – Eine Schlager‑Operetta“ von Tomer Gardi

24.03.2018 • Das Stück „Die Feuerbringer – Eine Schlager-Operetta“ wurde von der Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste zum Hörspiel des Monats Februar gewählt. Bei „Die Feuerbringer“ (Regie: Susanne Krings) handelt es sich um das erste Originalhörspiel des in Israel geborenen Schriftstellers Tomer Gardi („Broken German“). Das rund 55-minütige Stück (vgl. MK-Kritik) ist eine Koproduktion von Westdeutschem Rundfunk (WDR) und Bayerischem Rundfunk (BR); für die Dramaturgie war Isabel Platthaus (WDR) verantwortlich. Die Musik für diese „Schlager-Operetta“ komponierten Rainer Quade und Christian Hecker. „Die Feuerbringer“ lief am 24. Februar bei WDR 3 (19.05 Uhr) und am 2. März im Programm Bayern 2 (21.05 Uhr). Zur Begründung ihrer Entscheidung schreibt die Jury der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste:

«Die Kerngeschichte dieses originellen Hörspielprojekts von Tomer Gardi ist schnell erzählt: Ein alternder Schlagersänger fährt im Rausch gegen einen Baum und wird daraufhin zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt; einen Schlagerworkshop für junge Geflüchtete und Migranten soll er leiten. Wie sich herausstellt, ist seine Aufgabe nicht ganz einfach, aber lohnend. In großer Begeisterung für diese Musik und angeführt von der Brasilianerin Sandra gründet sich die Band „Die Feuerbringer“, in Referenz zu Prometheus, Maui oder Agni.

Was geschieht nun, wenn das Konfektionsprodukt Schlager – deutsche Popmusik, die Gemeinsamkeit und Gemütlichkeit suggeriert – sprachlich aufgebrochen wird und seine Texte in nicht perfektem Deutsch gesungen werden? Wenn Akzente eine schmelzende Aussprache von „Herz“ verhindern und kreative Geister daran arbeiten, den für sie emotional bedeutungsvollen, aber sperrigen Begriff „posttraumatische Belastungsstörung“ schlagertauglich zu machen? Dann zündelt ein Hörspiel mit Neo-Heimattümelei, unterwandert die deutsche Sprache mit anderen Zungen und Vorstellungen und eröffnet damit neue Erfahrungsräume. Zu flotten Rhythmen gesungen findet sich dann auch ein stimmiger Reim: „In deinen Augen seh’ ich Stacheldrahtabsperrung“. Und wenn Sandra singt: „Fenster machen, Boden waschen / Mädchen muss kein Sklave sein“, bringt sie mit berührender Frische in Wort und Originalmusik gleich mehrere Erlebnisebenen interkulturell zum Schwingen.

Mit „Die Feuerbringer“ ist ein künstlerisches, psychologisch tiefgründiges Projekt gelungen, in dem junge Migranten dem deutschen Schlager und uns HörspielhörerInnen improvisierend, authentisch, spielerisch und mit Witz Feuer einhauchen. Das Unfertige, Gebrochene spiegelt die Realität vieler Menschen in unserem Land wieder: Im Hörspiel, eben auch in seiner eigenen Nicht-Perfektion, ist dies als eine schöpferische Qualität mit großer Erneuerungskraft zu spüren.»

Die Jury sprach im Monat Februar außerdem eine lobende Anerkennung aus für das NDR-Hörspiel „Geronimo“ (Bearbeitung und Regie: Christiane Ohaus, Komposition: Andreas Bick, Dramaturgie: Susanne Hoffmann). Bei dieser Produktion handelt es sich um die Hörspieladaption des gleichnamigen Romans von Leon de Winter. Dieser Vierteiler sei, so die Jury, „ein überaus gelungener Polit-Thriller, präsentiert als bildgewaltiges Hör-Kino – mit einer stimmigen Dramaturgie, überzeugenden Sprecherleistungen, beeindruckender akustisch-cineastischer Umsetzung und einem Spannungsbogen, der sich hält bis zum letzten Ton“. Die Erstausstrahlung der vier Folgen von „Geronimo“ erfolgte am 27. Januar, 3. Februar, 10. Februar und 17. Februar (samstags, jeweils 21.05 Uhr). Der Schauspieler Sylvester Groth spricht in dem Hörspiel die Hauptfigur, den Soldaten Tom Johnson.

24.03.2018 – MK

Print-Ausgabe 23/2018

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