Der NDR startet am 5. Juli 2016 über DAB plus sein neues Schlagerradio

24.06.2016 •

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) startet am 5. Juli 2016 sein Schlagerradio, das dann digital-terrestrisch über den Technikstandard DAB plus und via Internet zu hören sein wird. Der Empfang des Programms soll später auch über eine eigene App möglich sein, die derzeit entwickelt wird. Im Lauf des zweiten Halbjahrs 2016 soll das Schlagerradio außerdem über das Astra-Satellitensystem verbreitet werden. In Norddeutschland können nach NDR-Angaben 7,2 Mio Menschen Radio über DAB plus hören. Bis Jahresende 2016 soll die potenzielle Hörerzahl durch eine Erweiterung des Sendernetzes auf 8 Mio ansteigen.

Der Name des neuen Programms lautet „NDR plus – Das norddeutsche Schlagerradio“. Bei der Rundfunkanstalt lief das Projekt zuvor unter dem Arbeitstitel „NDR Gold“. Man habe sich nun für NDR plus als Namen entschieden, weil der Zusatz „Gold“ bereits von diversen anderen Radio- und Fernsehsendern verwendet werde, erklärte NDR-Sprecher Ralph Coleman auf MK-Nachfrage: „Nicht zuletzt dadurch haben wir den Eindruck gewonnen, dass der Namensbestandteil ‘Gold’ inflationär verwendet wird und schon jetzt verbraucht wirkt.“

Geringer finanzieller Aufwand

Das neue Programm wird künftig anstelle des NDR-Verkehrskanals ausgestrahlt, der bisher über DAB plus verbreitet wird: NDR Traffic war Anfang Mai 2008 gestartet worden; seither sind in Form eines automatisierten Ansagediensts rund um die Uhr Verkehrsnachrichten aus dem NDR-Sendegebiet (Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern) zu hören. Die Musikmischung von NDR plus wird nach Senderangaben überwiegend aus deutschsprachigen Titeln bestehen, die „durch einen Mix aus internationalen Schlagern, Evergreens und instrumentaler Musik“ ergänzt werden sollen. Zu jeder vollen Stunde gibt es Nachrichten und einen Wetterbericht, die aus der zentralen Hörfunknachrichtenredaktion des NDR zugeliefert werden. Im Anschluss werden noch aktuelle Verkehrsinformationen für Norddeutschland gesendet.

NDR plus ist ein gemeinschaftliches Projekt aller vier Hörfunk-Landesprogramme (NDR 1) unter Federführung des Landesfunkhauses Hamburg und der Hörfunkdirektion des NDR. Organisatorisch wird das Schlagerradio an vorhandene Abteilungen angebunden. Die Verantwortlichen beim NDR wollen das neue Programm „unter starker Nutzung von Synergien“ erstellen. Sabine Rossbach, Direktorin des NDR-Landesfunkhauses Hamburg, verwies darauf, dass Produktionen heimischer Künstler ein wichtiger Bestandteil von NDR plus sein würden. Sie sollen dem Sender „ein unverwechselbar norddeutsches Flair verleihen“. Für NDR-Hörfunkdirektor Joachim Knuth ist das Interesse am deutschen Schlager in den vergangenen Jahren zwar deutlich gesunken, aber dennoch vermissten eine Reihe von Hörern dieses Musikgenre im bestehenden Angebot des NDR. Die Lücke wolle man mit dem digitalen Zusatzangebot schließen. Den finanziellen Aufwand für das neue Programm bezeichnete Knuth als gering. Die Gesamtkosten für NDR plus taxierte Sendersprecher Coleman gegenüber der MK auf einen mittleren fünfstelligen Euro-Betrag pro Jahr.

Staatsvertragliche Änderung

Die Planungen für ein Schlagerradio setzten beim NDR im vorigen Jahr ein. Zusätzlich mussten die vier NDR-Staatsvertragsländer davon überzeugt werden, den Start eines solchen Programms zu genehmigen. Die Länderchefs von Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern einigten sich dann im Frühjahr 2016 auf eine entsprechende Änderung des NDR-Digitalradio-Staatsvertrags (vgl. MK-Meldung).

Laut diesem Staatsvertrag kann der NDR seit Juli 2012 drei Zusatzprogramme über digitale Verbreitungswege ausstrahlen; neben dem Verkehrskanal noch NDR Blue als ergänzendes Musikprogramm, das auch musikjournalistische Beiträge mit norddeutschem Bezug enthält, und NDR Info Spezial mit Live-Übertragungen von Bundestagsdebatten und Fußballspielen. Der von den Länderchefs unterzeichneten Novelle des NDR-Digitalradio-Staatsvertrags, die nun den Start von NDR plus ermöglicht, hatten in diesem Monat die vier zuständigen Landtage zugestimmt. Als letztes Parlament billigte am 16. Juni die hamburgische Bürgerschaft den modifizierten Staatsvertrag.

Neben den drei digitalen Zusatzangeboten verbreitet der NDR im Radiobereich noch seine fünf Hauptwellen. Dabei handelt es sich neben NDR 1 mit den vier Landesprogrammen noch um NDR 2, NDR Kultur, NDR Info und die Jugendwelle N-Joy. All diese Programme sind über UKW und ebenfalls über DAB plus, Satellit und das Internet zu empfangen. Darüber hinaus betreibt der NDR rund 20 Webchannels (Loopstreams). Das sind Angebote, über die in mehrstündigen Schleifen Musik verschiedener Genres zu hören ist.

24.06.2016 – MK