Viele Privatsendernominierungen beim Deutschen Fernsehpreis 2016

13.01.2016 •

13.01.2016 • Nicht wenige mag es überraschen, dass es den Deutschen Fernsehpreis, der fast schon abgeschafft schien, jetzt doch weiterhin gibt. Nach neuem Konzept wird er am 13. Januar (Mittwoch) in Düsseldorf vergeben. Neues Konzept heißt: Verleihung im Rahmen eines abendlichen „Award-Dinners“, als „Neujahrstreffen der Fernsehbranche“, „in lockerer Atmosphäre“, ohne Übertragung im Fernsehen. Und es heißt nicht zuletzt: Es werden wieder mehr Auszeichnungen vergeben. Denn die im Jahr 2010 abgeschafften Gewerke-Kategorien – eine Maßnahme, die den Deutschen Fernsehpreis in eine Krise gestürzt hatte – sind jetzt wieder dabei, so dass die Jury diesmal insgesamt 20 Preise vergeben wird. Bei der letzten Veranstaltung in alter Form 2014 waren es zwölf.

Das Paket der Neuerungen hatten die Preisstifter  im August dieses Jahres nach langen Überlegungen beschlossen (vgl. MK-Meldung), so dass es dann weitergehen konnte mit dem Wettbewerb, der nun zum 17. Mal veranstaltet wird. Stifter des Deutschen Fernsehpreises sind die Chefs der vier Sender, die den Wettbewerb ausrichten. Es sind WDR-Intendant Tom Buhrow (für die ARD), ZDF-Intendant Thomas Bellut, RTL-Geschäftsführer Frank Hoffmann und der seit kurzem amtierende neue Sat-1-Chef Kaspar Pflüger. Federführender Sender des Wettbewerbs ist diesmal RTL.

Hannelore Kraft hält Laudatio auf Günter Wallraff

In Düsseldorf wird also der Deutsche Fernsehpreis 2016 vergeben. Gewürdigt werden dabei die besten TV-Leistungen des dann abgelaufenen Jahres 2015. Am 10. Dezember vorigen Jahres hatte das Sekretariat des Deutschen Fernsehpreises die Nominierungen für den jetzigen Wettbewerb bekannt gegeben. Dabei gab es gewissermaßen eine weitere Überraschung. Denn bei der ersten Veranstaltung mit dem neuen sind die privaten Sender nun mit so vielen Nominierungen vertreten, wie schon lange nicht mehr, vielleicht sogar wie noch nie. 30-mal sind sie mit Produktionen dabei, die öffentlich-rechtlichen Sender 48-mal. Das heißt, 38,5 Prozent der Nominierungen gehen auf das Konto der Privatkanäle. RTL ist neunmal nominiert, Sat 1 siebenmal. Der am häufigsten nominierte Film ist die Sat-1-Produktion „Mordkommission Berlin 1“ (sechsmal); Vox ist fünfmal, Pro Sieben viermal nominiert und sogar der Minisender TNT ist mit vier Nennungen dabei. Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern entfallen 23 Nominierungen auf das ZDF, 22 auf das Erste Programm der ARD und drei auf deren Dritte Programme.

Ein Preisträger wurde am 11. Januar bereits vorab bekannt gegeben: Es ist Günter Wallraff, der diesmal den Ehrenpreis der Stifter des Deutschen Fernsehpreises erhält. Der Investigativ-Journalist und Schriftsteller wurde in den vergangenen Jahres auch fürs Fernsehen aktiv. Seit Mai 2012 ist Wallraff mit den ihm eigenen Methoden und gemeinsam mit jungen Reportern für den Privatsender RTL als Enthüllungsjournalist im Einsatz; zuvor hatte er kurz auch schon mal für das ZDF Reportagen erstellt. Zur Begründung für die Verleihung des Ehrenpreises hieß es untern anderem, Wallraff habe sich in seinem über 50-jährigen Berufsleben „wie kein Zweiter um den investigativen Journalismus in Deutschland verdient gemacht“. Ob als „Bild“-Reporter Hans Esser, als Türke Ali oder als Paketbote - immer wieder sei Günter Wallraff „in verschiedene Rollen geschlüpft, um Undercover Missstände vornehmlich in der Arbeitswelt aufzuspüren und publik zu machen. Er recherchiert, dokumentiert und provoziert, immer mit dem Ziel, die Wahrheit ans Licht zu bringen und nachhaltige Konsequenzen einzufordern. Davon zeugen auch seine zahlreichen Filme und Bücher, die zu Bestsellern wurden.“ Die Laudatio auf Günter Wallraff wird bei der Preisverleihung in Düsseldorf NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) halten.

Im Folgenden alle Nominierungen des Deutschen Fernsehpreises 2016 im Überblick:

1) Bester Fernsehfilm

• Altersglühen – Speed Dating für Senioren (ARD/WDR/NDR)

• Nackt unter Wölfen (ARD/MDR/WDR/SWR/BR/Degeto)

• Ein großer Aufbruch (ZDF)

• Zum Sterben zu früh (ZDF)

• Mordkommission Berlin 1 (Sat 1)

2)  Beste Serie

• Club der roten Bänder (Vox)

• Deutschland 83 (RTL)

• Weinberg (TNT Serie)

3) Beste Schauspielerin

Ina Weisse für Ich will dich (ARD/WDR) und Ein großer Aufbruch (ZDF)

Iris Berben für Das Zeugenhaus (ZDF)

Henriette Confurius für Tannbach – Schicksal eines Dorfes (ZDF)

Maria Simon für Silvia S. – Blinde Wut (ZDF)

Antje Traue für Weinberg (TNT Serie) und Mordkommission Berlin 1 (Sat 1)

4) Bester Schauspieler

Charly Hübner für Bornholmer Straße (ARD/MDR/RBB/Degeto) und Der verlorene Bruder (ARD/WDR/BR/MDR/Degeto)

Florian Stetter für Nackt unter Wölfen (ARD/MDR/WDR/SWR/BR/Degeto)

Tobias Moretti für Luis Trenker – Der schmale Grat der Wahrheit (ARD/BR), Das Zeugenhaus (ZDF) und Mordkommission Berlin 1 (Sat 1)

Friedrich Mücke für Weinberg (TNT Serie) und Mordkommission Berlin 1 (Sat 1)

Jonas Nay für Deutschland 83 (RTL) und Tannbach – Schicksal eines Dorfes (ZDF)

5) Beste Comedy/Kabarett

• Schorsch Aigner – der Mann, der Franz Beckenbauer war (ARD/WDR)

• Die Anstalt (ZDF)

• Pussy Terror TV (WDR Fernsehen)

6) Beste Unterhaltung Primetime

• Joko gegen Klaas – Das Duell um die Welt (Pro Sieben)

• The Voice of Germany (Pro Sieben/Sat 1)

• Sing meinen Song – Das Tauschkonzert (Vox)

7) Beste Moderation Unterhaltung

Florian Silbereisen für die Moderation von Die Besten im Sommer (ARD/MDR) und Das Adventsfest der 100.000 Lichter (ARD/MDR)

Barbara Schöneberger für die Moderation von Die 2 – Gottschalk & Jauch gegen alle (RTL)

Steven Gätjen für die Moderation von Schlag den Raab (Pro Sieben)

8) Beste Unterhaltung Late Night

• Neo Magazin Royale (ZDF/ZDFneo)

• Circus HalliGalli (Pro Sieben)

• Ponyhof (TNT Glitz)

9) Bestes Factual Entertainment

• Kessler ist… (ZDFneo)

• Das Jenke-Experiment (RTL)

• Die Höhle der Löwen (Vox)

10) Beste Information

• Der Flüchtlingsreport (ARD/HR/BR)

• Thementag Flüchtlinge (RTL)

An der Grenze – 24 Stunden an den Brennpunkten der Flüchtlingskrise (N 24)

11) Beste Persönliche Leistung Information

Anja Reschke für ihren Tagesthemen-Kommentar Flüchtlinge – Hetze im Netz vom 5. August 2015 (ARD/NDR)

Dunja Hayali für ihre Interviews bei der Erfurter AfD-Demonstration im ZDF-Morgenmagazin (ZDF)

Michel Abdollahi für seine Reportage Im Nazi-Dorf und seine Straßenaktionen im Kulturjournal (NDR Fernsehen)

12) Bestes Infotainment/Talksendung

Hart aber fair: Jetzt reden die Helfer (ARD/WDR)

Menschen bei Maischberger (ARD/WDR)

Markus Lanz (ZDF), besonders für die Sendungen vom 27.10., 17.11. und 19.11.2015

13) Beste Dokumentation/Reportage

• Die Story im Ersten: Todesflug MH 17 – Warum mussten 298 Menschen sterben? (ARD/WDR/NDR)

• Sie mussten die Hölle sehen - Auf der Flucht vor Boko Haram (RTL)

• Asternweg – Eine Straße ohne Ausweg aus der Reihe Die große Samstagsdokumentation (Vox)

14) Beste Sportsendung

Geheimsache Doping – Im Schattenreich der Leichtathletik (ARD/WDR) und Wie Russland seine Sieger macht (ARD/WDR), zwei Dokumentation von Hajo Seppelt

• Die Story im Ersten: Der verkaufte Fußball – Sepp Blatter und die Macht der FIFA (ARD/WDR/SWR)

Sport Inside (WDR Fernsehen)

- Personalkategorien -

15) Beste Regie

Philipp Kadelbach für Nackt unter Wölfen (ARD/MDR/WDR/SWR/BR/Degeto)

Lars Becker für Zum Sterben zu früh (ZDF)

Matti Geschonneck für Ein großer Aufbruch (ZDF) und Das Zeugenhaus (ZDF)

16) Bestes Buch

Stefan Kolditz für Nackt unter Wölfen (ARD/MDR/WDR/SWR/BR/Degeto)

Magnus Vattrodt für Ein großer Aufbruch (ZDF) und Das Zeugenhaus (ZDF)

Anna Winger für Deutschland 83 (RTL)

17) Beste Kamera

Martin Langer für Ein großer Aufbruch (ZDF)

Ngo The Chau für Zum Sterben zu früh (ZDF)

Philipp Haberlandt und Frank Küpper für Deutschland 83 (RTL)

18) Bester Schnitt

Ulf Albert für Altersglühen – Speed Dating für Senioren (ARD/WDR/NDR)

Bernd Schlegel für Nackt unter Wölfen (ARD/MDR/WDR/SWR/BR/Degeto)

Heike Gnida für Blochin – Die Lebenden und die Toten (ZDF)

19) Beste Musik

Fabian Römer für Tannbach – Schicksal eines Dorfes (ZDF)

Stefan Will und Marco Dreckkötter für Mordkommission Berlin 1 (Sat 1)

Jens Öttrich für Club der roten Bänder (Vox)

20) Beste Ausstattung

Gabriele Binder (Kostüm) und Knut Loewe (Szenenbild) für Tannbach – Schicksal eines Dorfes (ZDF)

Peri de Braganca (Kostüm) und Thomas Franz (Szenenbild) für Starfighter – Sie wollten den Himmel erobern (RTL)

Max Wohlkönig (Kostüm) und Matthias Müsse (Szenenbild) für Mordkommission Berlin 1 (Sat 1)

13.01.2016 – MK