Luke! Die Woche und ich. Comedy-Show mit Luke Mockridge (Sat 1)

Er ist da. Freuen Sie sich!

04.04.2015 •

Luke Mockridge freut sich. Man sieht es ihm an. Er freut sich sehr. Luke darf Fernsehen machen. Auf einem richtigen Sender. Freitags abends. Lucky Luke.

„Wir werden jetzt jede Woche fantastische Sachen für euch produzieren, für euch machen – es wird der Knaller!“, jauchzt er zu Beginn der Auftaktsendung am 13. März. Und diese Freude am Machen leuchtet aus ihm heraus, auch noch in der zweiten Ausgabe. Das junge und vornehmlich das weibliche Publikum liebt den strahlenden Schlaks. Ältere Zuschauer werden sich bei seinem Anblick an die Figur des von James Van Der Beek dargestellten Dawson Leery aus der Kultserie „Dawson’s Creek“ (1997 bis 2003) erinnert fühlen. In der zweiten Ausgabe seiner Comedy-Show erklärt sich Luke Mockridge zu einem „Kind der Neunziger“. Könnte „Dawson‘s Creek“ so wirkungsvoll gewesen sein?

Vor allem im Sendegebiet des WDR, namentlich der Jugendradiowelle 1Live, erfreut sich Mockridge als Bühnen- und Hörfunkkomiker bereits großer Bekanntheit. Er war in diversen Fernsehsendungen zu Gast, moderierte im von ARD und ZDF veranstalteten Kinderkanal (Kika); er präsentiert seit 2013 das Comedy-Format „Nightwash“ (Eins Festival/WDR), er arbeitet als Autor und unterhält natürlich einen YouTube-Kanal. Luke Mockridge bringt einiges an Begabung mit, wuchs förmlich ins Metier hinein. Sein Vater ist der durch die „Lindenstraße“ (ARD/WDR) bekannt gewordene Bill Mockridge, der in Bonn das Improvisationstheater „Springmaus“ unterhält, aus dem schon zahlreiche Comedy-Talente hervorgegangen sind. Zum Ensemble der „Springmaus“ gehört auch die Kabarettistin Margie Kinsky, die Mutter von Luke Mockridge.

Die neue Sat-1-Show-Reihe „Luke! Die Woche und ich“ (Produktion: Brainpool) gibt dem 26-jährigen Namensgeber Gelegenheit, seine vielfältigen Talente zu entfalten. Er moderiert, dreht Sketche und Parodien, verübt Streiche, singt und tanzt. Inhaltlich erwächst der zeitgleich laufenden „Heute-Show“, dem satirischen Wochenrückblick des ZDF, hier keine Konkurrenz. Wenn Mockridge überhaupt aktuelle Ereignisse der jeweils vorausgegangenen Woche aufgreift, dann sind dies vorrangig Themen vom Boulevard und aus der Popkultur. Nur in Ausnahmefällen hat seine Komik aufklärerischen Charakter, überschreitet die Grenze zur Satire.

In der ersten Sendung präsentierte er Werbeanzeigen, die vom Deutschen Werberat wegen sexistischer Inhalte gerügt worden waren. Alle zeigten Frauen in freizügiger Kleidung und einschlägigen Posen; Mockridge konterte diese Bilder, indem er sich selbst in ähnlicher Weise inszenierte – die Fallhöhe wird deutlich. An anderer Stelle unterlief Mockridge freilich seine ehrenwerten Bemühungen. Da trat er bei einer Miss-Wahl als Reporter auf und versuchte, die Kandidatinnen möglichst dumm aussehen zu lassen. Was ihm nicht wie gewünscht gelang. Andererseits: Auch das hat ja eine gewisse aufklärerische Qualität, weil ein Klischee zerbricht.

Manche Aktionen sind gewagt. In Ausgabe Nummer 1 fuhr Mockridge in einem Mini-Panzer über die Grenze in die Niederlande. Nach dem Vorbild Putins auf der Krim, so Mockridge, wolle er die Niederlande okkupieren. So hisste er die deutsche Flagge, verteilte deutsche Pässe, deutschte niederländische Namen ein. Einen Autofahrer sprach er an mit den Worten: „Wir sind da. Freuen Sie sich!“ Die im Film gezeigten Niederländer nahmen die Sache mit Humor. Manche Passanten waren sogar witziger als der Komödiant: „Bekomme ich da auch Extra-Rabatt beim Media Markt?“, fragte einer der Holländer mit Blick auf seinen neuen Pass. Interessant wäre es, diese Aktion mit umgekehrten Vorzeichen zu wiederholen. Wie würden wohl deutsche Bürger auf eine niederländische Invasion reagieren?

Andere Aktionen bleiben auf dem Niveau von Schülerstreichen. Beispielsweise läuft Mockridge durch die Innenstadt und niest Leute an, wobei er jeden Ausstoß mehr oder weniger unauffällig mit einem Spritzer aus einer Sprühflasche begleitet. Zwischen den Einspielern steht Mockridge im Studio auf der Bühne, moderiert und singt, teils im Zusammenspiel mit seinen prominenten Gästen: in der ersten Sendung die niederländische Entertainerin Chantal Janzen, Moderatorin der vor „Luke! Die Woche und ich“ ausgestrahlten Sat-1-Talentshow „The Voice Kids“, in der zweiten Woche der Sänger Mark Forster, Juror bei „The Voice Kids“ – da hofft der Sender erkennbar auf Mitnahme der Zuschauerschaft.

Wenn er nach Buch arbeitet, mithin schauspielert, liefert Luke Mockridge oft tolle Leistungen. Was ihm bislang weniger liegt, ist die spontane Moderation. Da gerät er immer mal wieder außer sich, vertut sich im Ton, verhaspelt die Pointe, kennt kein Timing. Und lacht selbst über jeden seiner Sätze, auch dann, wenn einer mal nicht lustig ist. In diesen Momenten wirkt Mockridge wie eine Mischung aus Klassenclown und Ferienpark-Animateur. Für einen der Einspieler war er auch in einem Domina-Studio. Besser wär’s, er würde sich der beherrschenden Hand eines versierten Show-Regisseurs unterwerfen.

Berücksichtigt man, dass große Komiker wie beispielsweise Hape Kerkeling in jungen Jahren gleichfalls so manchen pubertären Klamauk ablieferten, mit der nötigen Förderung aber zur späteren Reife fanden, zeigt sich in der Person von Luke Mockridge ein vielversprechendes Talent. Dem vorerst noch jemand sanft dirigierend zur Seite stehen sollte.

Für die Annalen: Auf den Absturz des Germanwings-Flugzeugs reagierend, der 150 Menschen das Leben kostete, nahm Sat 1 am 27. März „Luke! Die Woche und ich“ aus dem Programm und ersetzte sie durch eine Ausgabe der Sketch-Reihe „Knallerfrauen“.

04.04.2015 – Harald Keller/MK