Pussy Terror TV. Comedy-Show mit Carolin Kebekus (WDR Fernsehen)

Humoristische Brechstange

31.03.2015 •

Früher flatterten einem Erfolgsmeldungen über Sendungen vom Vortag nur von kommerziellen Sendern nahezu täglich in den Briefkasten. Inzwischen ist diese Praxis auch bei den Öffentlich-Rechtlichen gang und gäbe. Sogar sonntags. So jubelte der WDR am 22. März über die Einschaltquoten am Vorabend. „Erfolgreicher Auftakt der neuen WDR-Show „Carolin Kebekus: PussyTerror TV“, hieß es da. Dabei sah es vor zwei Jahren so aus, als sollten die Komikerin und der Sender so schnell nicht wieder zusammenkommen. Nachdem der WDR einen Sketch wegen Blasphemie aus dem Programm „Kebekus“ (ausgestrahlt bei Einsfestival) verbannt hatte, lästerte diese in „TV total“ öffentlich über den Kleinmut der Programmverantwortlichen. Doch inzwischen hat man sich offenbar wieder ganz doll lieb.

Und die Premiere der neuen Show, die fortan einmal monatlich zu sehen sein soll, ließ sich ja auch durchaus vielversprechend an. Kebekus in der Badewanne mit Anke Engelke, die ihrer Kollegin moralischen Beistand zur Premiere leistete: „Du trägst die Verantwortung für alle, die stolz darauf sind, eine Vagina zu haben. Du bist jetzt Rosa Luxemburg, Jeanne d'Arc und Andrea Nahles“. Wie Engelke bei dieser Rede zwischen freundschaftlicher Solidarität und strenger Zurechtweisung changierte, war ein nicht zuletzt mimisches Bravourstück. Doch waren das auch schon die letzten Doppelbödigkeiten und Zwischentöne, die es in dieser Mixtur aus Bühnenshow und Einspielfilmen zu hören und zu sehen gab. Der Rest war in Sachen Komik deutlich mehr Brechstange als Florett.

Da wurde die beispielsweise die „Pussy des Monats“ gewählt. Kandidaten: „Fifty Shades of Grey“-Darsteller-Darsteller Jamie Dornan (weil der eher in Pilcher-Verfilmungen aufs Pony gehört) , Helmut Schmidt (weil er unlängst eheliche Untreue gebeichtet hatte) und McDonalds (weil es da demnächst auch Grünkohl geben soll). Zum Sieger wurde -warum und von wem auch immer- Dornan auserkoren. Unterhaltungswert? Nebulös. Ebenso wie beim Einspieler, der belegen sollte, dass der WDR höchst anzügliche Sendungen im Programm hat. Wozu man Ausschnitte aus allerlei Formaten sah, bei denen vermeintlich schlüpfrige Details weggepixelt worden waren, wo nie schlüpfrige Details gewesen waren. Ein Beitrag, den das Saal-Publikum der zwei Tage vor Ausstrahlung aufgezeichneten Sendung ebenso mit Stirnrunzeln quittierte wie den Auftritt von Thomas D. Der Musiker (Die Fantastischen Vier), der seit 2013 zum Team von „Wissen vor acht“ (ARD) gehört, kam gegen Ende im weißen Kittel auf die Bühne, rührte ein paar Substanzen zusammen, aus denen schließlich eine überschaubare Menge Schaums hervorquoll. Mit der Nummer hätte allenfalls noch im Schulfernsehen der 1960er Jahre für Heiterkeit sorgen können. Ähnlich originell: Ein Einspieler mit einem Nachfolgeformat für „Domian“. (Jürgen Domian hatte über den WDR kurz zuvor seinen Abschied Ende 2016 angekündigt.) Titel: „Grobian“. Wozu man einen Wüterich sah, der seine Anrufer anpöbelte.

Als armseliger Scherz für die gymnasiale Mittelstufe entpuppte sich auch der vermeintliche Running Gag, ESC-Verweigerer Andreas Kümmert immer wieder mal sinnfreie Sentenzen in den Mund zu legen. Und nach einer pseudo-spontanen Gesangseinlagen mit Klaas Heufer-Umlauf und einem weiteren humorfreien Einspieler (Penis-Prothese sorgt für Akzeptanz von Frauen im Job) traute sich Carolin Kebekus dann doch noch richtig was und lästerte trotz angekündigter Entsagung („Heute wird sich benommen“) über die katholische Kirche. Dergestalt, dass sie ein wenig über die, kurz zuvor auch in Deutschland erschienene Illustrierte „Mein Papst“ witzelte. Wobei sie natürlich so tat, als sei die Postille eine Publikation des Vatikans und nicht im Panini-Verlag erschienen, die in erster Linie für Sammelbilder von Fußballern bekannt ist, aber in Jahren ohne WM und EM regelmäßig nach anderen Einnahmequellen sucht.

Kurzum, es war eine überaus dürftige Premiere, die über das Humorlevel eines Mario Barth nur selten hinaus gelangte und für eine Produktion der renommierten Comedy-Schmiede Brainpool in puncto Feinschliff und Timing mit erstaunlichen Unzulänglichkeiten aufwartete. Was den WDR natürlich nicht vom Jubeln abhielt. 1,2 Mio Zuschauer insgesamt und ein Marktanteil von bundesweit 4,4 Prozent (NRW: 10,6 Prozent) sind eben beachtlich. In der begehrten Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen kam die Show bundesweit immerhin noch auf 3,4 Prozent Marktanteil (WDR-Sendegebiet: 7,1 Prozent).

31.03.2015 – Reinhard Lüke/MK

Print-Ausgabe 13-14/2020

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