ARD-Reporterin im Lebensgefahrselbstversuch

27.04.2015 •

Fernsehen kann manchmal wirklich überraschend sein. Oder hätten Sie gedacht, dass man nicht nur vor Sylt, sondern auch in der Ostsee ertrinken kann? Kann man aber. Hat jedenfalls in der ARD-Sendung „Der Reise-Check: Sylt oder Rügen?“ (20.4., 20.15 bis 21.00 Uhr) Susanne Gebhardt rausgefunden. Mit vollem Körpereinsatz. Wofür die Reporterin kurz das Mikro beiseite legte, sich in eine Neoprenpelle zwängte, vor Binz auf die offene See hinausschwamm und schließlich verzweifelt mit den Armen in der Luft herumfuchtelte. Aber es ging natürlich alles gut aus. Binnen kürzester Zeit war ein knackiger Jüngling zur Stelle, der – wie zuvor verabredet – Frau Gebhardt aus den Fluten rettete. Für alle, die am Bildschirm womöglich ihren Augen nicht trauten, gab es noch einmal die Beschreibung des Gesehenen im Off: „In weniger als einer Minute hat der Rettungsschwimmer unsere Reporterin erreicht.“

So sieht das inzwischen aus, wenn Journalisten für einen Bericht zur besten Sendezeit im Auftrag der ARD knallharte Recherchen anstellen. Und weil es hier um einen absurden Testlauf (bzw. Neu-ARDisch: „Check“) zwischen Rügen und Sylt ging, wurde die Simulation von Lebensgefahr vor der Nordseeinsel gleich noch einmal durchgeführt. Auch diesen Selbstversuch hat Susanne Gebhardt überlebt. Und obendrein von einem DLRG-Mitarbeiter in Erfahrung gebracht, dass sie auf Sylt andere Warn-Fähnchen haben als auf Rügen. Was fraglos eine wichtige Information ist, wenn man noch nicht weiß, auf welcher Insel man seinen nächsten Urlaub verbringen möchte. Dass Rügen weit mehr Küstenkilometer als das ungleich kleinere Sylt aufweist, hätte man schließlich auch nicht gedacht.

Aber irgendwann kam Frau Gebhardt dann doch noch auf das leidige Thema Geld zu sprechen. Um herauszufinden, welches Eiland die Urlaubskasse mehr strapaziert, hatte man zwei Familien für eine Woche auf jeweils eine der Inseln geschickt. Ein Paar mit drei Kindern nach Sylt und ein anderes mit Tochter und Hund nach Rügen. Überraschendes Ergebnis des empirischen Feldversuchs: Die fünfköpfige Familie hatte mehr ausgegeben als die mit Einzelkind und Bello. Klarer Punkt für Rügen. Am Ende triumphierte die Ostsee-Insel in diversen sinnfreien Disziplinen mit insgesamt 12 Sonnenschirmen – so waren die Punkte hier in Kinderkanal-Manier benannt – über die Konkurrentin, die auf einen weniger kam.

Verantwortet wurde dieser bemerkenswerte Eiland-Check vom gänzlich küstenfernen Saarländischen Rundfunk (SR). Um Gerechtigkeit walten zu lassen: Es gab an diesem Montagabend im Ersten auch noch andere Filme aus dem Bereich Information. So die Reportage „V-Mann-Land“ um 22.45 und ab 23.30 Uhr den Dokumentarfilm „Der Vietnamkrieg“. Doch für solche Themen sind Zuschauer nach Meinung der ARD-Programmverantwortlichen ja nicht zu haben. Für Sonnenschirme auf Sylt und Rügen erfreulicherweise aber auch nicht: Insgesamt 2,57 Mio Zuschauer zur Primetime kamen hier eher einem Schiffbruch gleich.

PS: Und am heutigen Montag (27. April) gibt es auf dem 20.15-Uhr-Service-Termin im Ersten eine neue Ausgabe von „#Beckmann“, diesmal zum Thema „Trauma Einbruch – Hilflos gegen Diebesbanden“. Zeitgleich dazu läuft im Dritten Programm WDR Fernsehen „Der große Haushaltscheck“ mit der inzwischen schon legendären Checkerin Yvonne Willicks, deren Thema am Montag lautet: „Keimfrei um jeden Preis – Ekeln wir uns vor dem falschen Dreck?“ Na, Hauptsache, wir schauen die richtigen Sendungen. Wie zum Beispiel „Der große Urlaubscheck" im NDR Fernsehen, ebenfalls heute, ab 21.00 Uhr, direkt nach Yvonne Willicks.

27.04.2015 – lü/MK

Alles ging gut aus: „In weniger als einer Minute hat der Rettungsschwimmer unsere Reporterin erreicht“

Foto: Screenshot


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