Fußball‑Fieber – Das WM‑Magazin: Fabian Kösters Gruppengegner‑Check (ZDF)

Wir sind hier nicht beim „Auslandsjournal“

28.06.2018 • Der 22-jährige Comedy-Autor und Komiker Fabian Köster gehört zum Personal der „Heute-Show“, dem teilweise auch klamaukig daherkommenden Satireformat des ZDF, wo er den unbedarften „Praktikanten“ gibt. Gewissermaßen als Ableger der „Heute-Show“ ist auch dieser „Gruppengegner-Check“ Kösters zur Fußball-WM in Russland konzipiert als ironische Persiflage auf die telegene Fußballverrücktheit im Vorfeld einer Weltmeisterschaft. So sitzt Fabian Köster zu Beginn in Köln ahnungslos am Rheinufer und blickt auf die Domstadt, derweil ihm traurige Gedanken über den im Mai aus der Bundesliga abgestiegenen 1.FC Köln durch den Kopf gehen. Ein dringender Anruf seines Chefs Oliver Welke, Moderator der „Heute-Show“, schreckt ihn auf. Der Praktikant erhält einen Eilauftrag, Widerspruch zwecklos. Eine Hand reicht dem jungen Mann eine Zahnbürste, eine andere das Trikot der deutschen Nationalmannschaft – und ruckzuck sitzt der junge Mann bereits im Flieger nach Mexiko.

Nun ja. Oliver Welke, auch WM-Moderator des ZDF, gibt hier den vermeintlich bösen Chef, der den armen, hilflosen Praktikanten triezt. Da dieser jedoch einen ausgesprochenen Luxusauftrag erhält, für den er einmal um den Globus jetten und mit gut aussehenden jungen Mädchen Partys feiern muss, wirkt der Witz doch reichlich gequält. Köster fliegt also nach Mexiko, Schweden und Südkorea, den Gruppengegnern Deutschlands in der Vorrunde der laufenden WM in Russland.

Im Flugzeug nach Mexiko-City spielt Köster sich dann als hochnäsiger Rüpel auf, der die Fans anderer Nationen grinsend provoziert, indem er stolz auf die vier Weltmeister-Sterne seines Trikots der deutschen Nationalmannschaft deutet. Diese Szene ist wenigstens halbwegs lustig, aber das ist auch kein Zufall, denn die Idee ist geklaut: Und zwar aus dem originellen Lufthansa-Werbespot von 2016, in dem ein junger, fußballverrückter Engländer wider Willen mit der Kranich-Airline fliegen muss – ein Alptraum, den der kurze Clip mit dem Titel „Everyones Fanhansa“ pointiert visualisiert (unbedingt googeln!).

Nach der Landung in Mexiko trifft Köster dann eine junge Reporterin, mit der er etwas essen geht und Smalltalk pflegt, um sich schließlich beim Betrachten eines Fußballspiels ein Bild von der Stärke des ersten deutschen Gruppengegners zu machen. Doch daraus ergibt sich ein recht uninspirierter Blick auf Land, Leute und den Fußball vor Ort. Das Ganze wiederholt sich dann in Schweden und in Südkorea, wo Köster immerhin die Eintracht-Frankfurt-Ikone Bum-Kun Cha trifft. In kurzen Wortwechseln mit Menschen vor Fußballstadien versucht der ZDF-Reporter herauszufinden, welche Chancen sich mexikanische, schwedische und südkoreanische Fans jeweils beim Spiel gegen den amtierenden Weltmeister Deutschland ausmalen. Atmosphäre? Originelle Menschen? Fehlanzeige.

Unterdessen bemüht Fabian Köster sich, den rasenden Reporter aus vordigitalen Zeiten zu mimen, der per Telefax oder mittels kalligrafisch notierter Depeschen die Redaktion zu Hause in Deutschland über den Stand seiner Recherchen vor Ort informiert. Ist das witzig gemeint? Das soll es wohl… Interessant wird es in dem 45-minütigen Film nur einmal, als Köster mit einer Buddhistin spricht, die in einem Kloster lebt. „Auch die Mönche lieben Fußball“, erklärt die Frau mit den kurzen Haaren. Doch leider rauscht auch diese Szene wie fast alles hier einfach so vorbei. Nun ja, wir sind hier „nicht beim ‘Auslandsjournal’, sondern beim Vorrunden-Check“, merkt der Reporter entschuldigend an.

Regie bei diesem „Gruppengegner-Check“ führt Claudio Luciani, der diese Fußballreportage teilweise betont rasant schneiden ließ, um so wohl die Anmutung eines handgemachten YouTube-Clips zu erzeugen. Insbesondere auch durch die Verwendung aufwendiger Luftaufnahmen, für die Drohnen eingesetzt wurden, entsteht jedoch das übliche telegene touristische Postkartenidyll. Das passt alles nicht so wirklich zusammen. Während die Reportage ihre mehr oder weniger nichtssagenden Eindrücke aneinanderreiht, hört man Kösters vermeintlich originelle Gedanken, die permanent als Off-Kommentar eingesprochen werden. Damit man als Zuschauer versteht, dass diese Anmerkungen komisch gemeint sind, erklärt der Reporter: „Kleiner Scherz. Muss auch mal sein“. Aber diese – bestimmt nicht billige – Sendung, Hand aufs Herz, musste die wirklich sein? Dieses vermeintliche „WM-Magazin“ (1,34 Mio Zuschauer, Marktanteil: 7,8 Prozent) war alles andere als prickelnd.

28.06.2018 – Manfred Riepe/MK

Print-Ausgabe 22/2018

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