Ab Januar 2016: Änderungen beim Sendeschema des Ersten

21.08.2015 •

Die ARD verändert in ihrem Ersten Programm ab Januar kommenden Jahres an mehreren Tagen ihr Sendeschema. Die Modifikationen betreffen das Abendprogramm am Sonntag, Montag, Dienstag und Mittwoch und stehen vor allem in Zusammenhang mit dem Wechsel der politischen Talkshow von Anne Will vom Mittwochabend (22.45 bis 0.00 Uhr) auf den Sonntagabend (21.45 bis 22.45 Uhr). Dort wird sie nach einer Entscheidung der ARD-Intendanten ab Januar 2016 Günther Jauch nachfolgen.

Jauch hatte im Juni angekündigt, seinen Vertrag mit der ARD als Moderator des Polittalks am Sonntagabend im Ersten nicht über das Jahr 2015 hinaus zu verlängern (vgl. MK 12/15). Anne Will kehrt bekanntlich auf den Sendeplatz zurück, auf dem ihre vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) verantwortete Talkshow bereits von September 2007 bis Juli 2011 ausgestrahlt wurde. Mit der Verpflichtung von Günther Jauch für den sonntäglichen Polittalk im Ersten wurde Wills Sendung im September 2011 auf den Mittwochabend verlegt.

Kritik der AG Dok an Intendantenbeschluss

Den bisherigen Sendeplatz von „Anne Will“ erhält ab Januar 2016 Sandra Maischberger für ihre Talkshow, die bisher im Ersten am Dienstagabend (22.45 bis 0.00 Uhr) zu sehen ist. Diesen Wechsel beschlossen die ARD-Intendanten am 22. Juni bei ihrer Sitzung in Bremen. „Menschen bei Maischberger“ wird seit ihrem Start im September 2003 am Dienstagabend ausgestrahlt. Auf dem derzeitigen Programmplatz von Maischbergers Sendung, für die der Westdeutsche Rundfunk (WDR) zuständig ist, will die ARD ab Januar kommenden Jahres dann unter anderem Filme und Reihen zeigen. Dazu gehören die Reihen „Filmdebüt im Ersten“ und „Sommerkino im Ersten“.

Die Entscheidung der ARD-Intendanten, weitere fiktionale Sendungen ins Programm zu nehmen, stieß bei der Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm (AG Dok) auf Kritik. Sie hatte dafür plädiert, „dem Dokumentarfilm endlich wieder mehr Raum zu geben“. Im Abendprogramm des Ersten gab es nach ARD-Angaben im Zeitraum von 2008 bis 2014 Reportagen, Dokumentationen und Dokumentarfilme in einem zeitlichen Umfang von jährlich zwischen 122 und 135 Stunden. Der AG-Dok-Vorsitzende Thomas Frickel verwies darauf, dass dies bei 365 Tagen im Jahr „kaum mehr als 20 Minuten am Tag“ seien.

Frank Plasberg behält mit seiner Talkshow „Hart aber fair“, für die ebenfalls der WDR verantwortlich ist, den Sendetermin am Montagabend (21.00 bis 22.15 Uhr). Infolge der Entscheidung der ARD-Intendanten, ab Januar 2016 Günther Jauchs Talkshow am Sonntagabend die von Anne Will nachfolgen zu lassen und keine neue Gesprächssendung zu starten, wird es im Ersten künftig an drei Tagen im Hauptabendprogramm Talkshows geben (Sonntag, Montag und Mittwoch). Bis Dezember dieses Jahres sind es noch vier Talksendungen. Von September 2011 bis Ende September 2014 gab es im Ersten insgesamt fünf politische Talkshows (jeweils eine von sonntags bis donnerstags). Die Ballung dieses Genres hatte in der Folge zu deutlicher Kritik an den Programmverantwortlichen der ARD auch aus deren Aufsichtsgremien geführt (vgl. FK 7-8/11, 49/11 und 35/12).

„#Beckmann“ verliert Primetime-Sendeplatz

Bis September 2014 hatte die ARD noch das Talkformat „Beckmann“ im Programm. Reinhold Beckmanns Gesprächssendung hatte infolge des Starts von „Günther Jauch“ im September 2011 einen neuen Sendeplatz erhalten. Grund dafür war, dass Frank Plasberg mit seinem Talk vom Mittwochabend auf den Montagabend um 21.00 Uhr wanderte, weil Anne Will vom Sonntag- auf den Mittwochabend um 22.45 Uhr verlegt wurde. Beckmann konnte nicht mehr auf seinem angestammten Sendeplatz am Montagabend um 22.45 Uhr bleiben, weil die ARD am Montag nicht zwei Talkshows im Programm haben wollte. Seine Sendung wurde auf den Donnerstagabend (22.45 bis 0.00 Uhr) geschoben, wo sie dann in der Folge teilweise in Konkurrenz zum ZDF-Polittalk „Maybrit Illner“ (ab 22.15 Uhr) lief. Infolge dieser Rochade verlor Beckmanns Sendung deutlich an Quoten. Im Mai 2013 erklärte Reinhold Beckmann dann, seinen Vertrag für die Talksendung nicht über das Jahr 2014 hinaus zu verlängern (vgl. FK 23/13).

Damals vereinbarte die ARD mit Beckmann, der für den Senderverbund auch als Sportmoderator arbeitet, ein neues TV-Projekt zu entwickeln: Am 23. Februar wurde die erste Ausgabe der vom NDR verantworteten Reportage-Reihe „#Beckmann“ im Ersten ausgestrahlt. Zehnmal jährlich, so kündigte die ARD damals an, sollten montags von 20.15 bis 21.00 Uhr Filme mit Beckmann zu sehen sein, in denen er „drängende Fragen unserer Zeit journalistisch fundiert und filmisch facettenreich aufbereitet“. In dem Presenter-Format ging es bisher etwa um den IS-Terror, die Griechenland-Krise und um das Thema Einbrüche (vgl. auch MK 12/15).

Beim Publikum erzielten die bisher ausgestrahlten fünf Ausgaben von „#Beckmann“ nur rund 2 Mio Zuschauer – offensichtlich zu wenig für den Primetime-Sendeplatz um 20.15 Uhr im Ersten. Ab Januar 2016 wird „#Beckmann“ dienstags ab 22.45 Uhr ausgestrahlt. Das beschlossen die Fernsehdirektoren der ARD-Landesrundfunkanstalten am 8. Juli bei einer Sitzung in Köln. Insgesamt elf Ausgaben von „#Beckmann“ wird es im nächsten Jahr geben – sie sollen in drei Staffeln mit jeweils mindestens drei Filmen gesendet werden.

Die Ausgaben werden laut der ARD künftig „in einer dichteren Ausstrahlungsfrequenz“ als bisher und „zu einer klassischen Sendezeit für Reportagen und Dokumentationen“ zu sehen sein. Im kommenden Jahr werden am Montagabend um 20.15 Uhr 25 neue Ausgaben der „Montags-Check“-Reihe und Natur-Dokumentationen ausgestrahlt, darunter der mit der BBC koproduzierten Sechsteiler „Die große Jagd“.

21.08.2015 – MK