USA: Sportsender ESPN mit neuem Streaming-Angebot

24.05.2018 • Mehr und mehr sehen sich die traditionellen US-amerikanischen Fernsehnetworks in der Klemme. Das gilt nicht nur für die allgemeinen Broadcast- und Kabelsender, sondern auch für die auf eine spezielle Zuschauerschicht ausgerichteten Networks wie den Sportsender ESPN. Ihnen macht heutzutage ebenfalls die digitale Konkurrenz zu schaffen, Stichwort: Streaming. Auch für viele Sportfans hat das alte Modell der Kabelpakete ausgedient, die sie jahrzehntelang zu abonnieren gezwungen waren, um ihren Hunger auf Sportübertragungen und Sportinformationen zu stillen. Stets mussten sie dabei Sender mitabonnieren, die sie eigentlich gar nicht brauchten.

Wenn sich ESPN nicht von Streaming-Angeboten wie CBS Sports, Turners Bleacher Report Live und NBC Sports Gold überholen lassen wollte, dann musste das Network aktiv werden – trotz all seiner schon vorhandenen Diversifikation in mehreren Kanälen. Als Teil der Disney/ABC Television Group untersteht ESPN seit März 2018 einem neuen Präsidenten: Der Mann heißt James Pitaro und hat früher für das Internet-Unternehmen Yahoo und Disney Interactive gearbeitet. Die Branche zeigte sich wenig überrascht, als kurz nach Pitaros Amtsantritt bei ESPN der Sender (Eigenwerbung: „Worldwide Leader in Sports“) Mitte April mit einem ESPN plus genannten Streaming-Angebot an die Öffentlichkeit trat.

Eine breite Palette von Live-Sport

Disney-Chef Robert Iger hatte dazu Details schon vor einiger Zeit bekannt gegeben, als er die Beendigung von Disneys Partnerschaft mit Netflix verkündete (vgl. MK 18/17) und zudem mitteilte, man habe das Unternehmen BAMTech, den Streaming-Dienst der Major League Baseball, erworben. Die Disney-Strategie ist klar und deutlich: Man will der Flucht des amerikanischen Fernsehpublikums aus den teuren Kabelpaketverträgen („Cord Cutting“) mit direkt an die Zuschauer gerichteten eigenen Streaming-Angeboten entgegentreten. So soll es ab 2019 auch einen Streaming-Service mit Disney-Filmen geben, der in direkte Konkurrenz mit den Kabel-TV-Sendern, aber auch mit den Streaming-Anbietern Netflix, Amazon und Hulu treten wird.

Für monatlich 4,99 Dollar bietet ESPN plus dem Abonnenten eine breite Palette von live übertragenen Sportereignissen, die von Spielen der Major League Baseball und mehr als 250 Major-League-Soccer-Spielen (Fußball) bis hin zu Golf, Tennis, Boxen und Rugby reicht. Nicht Teil des Programms von ESPN plus sind allerdings Live-Übertragungen zum Beispiel vom „Monday Night Football“ und die Wettbewerbe der National Basketball Association (NBA), dies deshalb, weil man, wie es hieß, eine Kannibalisierung der linearen Sendeangebote von ESPN verhindern wolle. Gegenüber der Wirtschaftszeitung „Wall Street Journal“ äußerten Repräsentanten der Sendergruppe, das neue Streaming-Angebot richte sich vornehmlich an drei Kategorien von ESPN-Nutzern: an Zuschauer, die nie genug vom Sport bekämen, an Anhänger von „Nischensport“ wie etwa Rugby und an Sportfans von Hochschulen, die nach Spielen ihrer College-Teams suchen.

24.05.2018 – Ev/MK