USA: Neustart für die CBS-Nachrichtenabteilung

06.02.2019 •

Anfang März dieses Jahres soll beim Broadcast-Network CBS ein neuer Wind wehen. Susan Zirinsky, 66 Jahre alt und seit 1972 in verschiedenen Positionen bei CBS tätig, wird dann die Leitung der seit einiger Zeit verwaisten Nachrichtenabteilung übernehmen. Genauer gesagt, wird Zirinsky President und Senior Executive Producer von CBS News. Sie hat damit das Sagen über alles, was bei CBS an Nachrichtensendungen und Magazinen produziert und gesendet wird.

Eine kleine, zierliche, nicht mehr ganz junge Frau an der Spitze einer Organisation, die in der Vergangenheit mit Sendereihen wie „CBS This Morning“, „CBS Evening News“, „Face the Nation“ und „60 Minutes“ wie kaum eine andere Nachrichtenabteilung in den USA diese Fernsehsparte beherrscht hat: Man erwartet von der neuen Präsidentin gleichzeitig Ruhe nach dem personellen Chaos der jüngsten Zeit und das Beschreien neuer Wege in eine Zukunft, die mehr und mehr von einer Umorientierung der Sehgewohnheiten des Publikums bestimmt wird.

„CBS This Morning“ ist nicht gerade die anspruchsvollste, aber eine der finanziell einträglichsten Sendungen im CBS-Universum. Charlie Rose, der ihr Profil verliehen hatte, musste wegen Vorwürfen sexueller Belästigung gehen (vgl. MK-Meldung) und wurde durch den sehr viel blasseren John Dickerson ersetzt, der dafür seinerseits „Face the Nation“ verließ. Bei den „CBS Evening News“ dachte man, deren Moderator Scott Pelley sei an den rückläufigen Einschaltquoten Schuld; doch unter dessen Nachfolger Jeff Glor änderte sich das Bild nicht. Das Magazin „60 Minutes“ verlor seinen Chefproduzenten Jeff Fager, ebenfalls im Gefolge des #MeToo-Skandals.

Erstmals eine Frau an der Spitze

All das ereignete sich in zeitlich kurzer Folge und erhöhte die negativen Konsequenzen, mit denen sämtliche traditionellen Nachrichtenprogramme im US-Fernsehen zu kämpfen haben (vgl. MK-Meldung). Im Kabelfernsehen machen ihnen schon seit Jahren CNN, MSNBC, Fox News und Bloomberg zu schaffen und neuerdings kommt der Trend hinzu, dass ein immer größerer Teil des Publikums die aktuellen Nachrichten vorzugsweise über Handys und Tablet-Computer abruft. Ob Susan Zirinsky daran etwas zugunsten des CBS-Networks ändern kann, lässt sich mit Fug und Recht bezweifeln. Einen nicht zu unterschätzenden Unterschied macht die Führungsrolle von Susan Zirinsky allerdings schon: Es ist das erste Mal, dass eine Frau an der Spitze der Nachrichtenabteilung von CBS stehen wird. Das immer wieder hervorgekehrte und für viele interne Probleme verantwortlich gemachte misogyne System, das CBS vor allem in den letzten Jahren so oft ins Gespräch gebracht hat, ist mit Zirinskys Beförderung beendet. Doch das allein wird nicht genug sein.

„Unser Ziel ist es, die Publikumszahlen durch die inhaltliche Qualität unseres Programms zu erhöhen“, sagte Zirinsky unlängst in einem Interview: „Wir wollen den Konkurrenzgeist, der ja schon da ist, wirklich neu anfachen. Doch das braucht Zeit.“ Allzu viel Zeit hat Susan Zirinsky jedoch nicht, will sie sich nicht durch die auch im Nachrichtensektor immer aktiver werdende Streaming-Konkurrenz überholen lassen.

06.02.2019 – Ev/MK

Print-Ausgabe 20-21/2019

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