USA: „Lost“-Produzent J.J. Abrams arbeitet jetzt für Warner Media

27.09.2019 •

Die Anzeichen mehren sich, dass die Gewichte auf dem US-amerikanischen Medienmarkt neu verteilt werden. Die Großfusionen der jüngsten Zeit und Neugründungen auf dem Streaming-Sektor führen zu immer mehr Umwälzungen in den verschiedenen Bereichen. Viele Jahre bestehende Loyalitäten werden in Frage gestellt oder aufgegeben. Filmstudios wie Paramount Pictures und Kabelnetworks wie HBO müssen sich nach anderen kreativen Leuten umsehen, weil neu entstehende Konkurrenten mit besseren Konditionen und größeren Zukunftsaussichten Personal weglocken.

Der Fall von „Lost“-Produzent J.J. Abrams ist ein signifikantes Beispiel für die Umverteilungen, die in Produktionsstätten Hollywoods und darüber hinaus vor sich gehen. Der 53-jährige Jeffrey Jacob Abrams gilt als einer der erfolgreichsten und umworbensten Film- und Fernsehproduzenten in den USA. Von ihm stammen Kinofilme wie „Armageddon“, „Star Trek“ und „Star Wars: Das Erwachen der Macht“. Noch bekannter wurde er beim Publikum durch seine Fernsehserien „Lost“, „Alias“ und „Felicity“. 1998 hatte Abrams die Firma Bad Robot Productions gegründet, deren Chief Executive Officer (CEO) er bis heute ist. Im Jahr 2006 band Abrams sich und seine Firma vertraglich an Paramount Pictures. Als der Vertrag Ende 2018 auslief, interessierten sich in der Folge Universal, Disney und Netflix für eine ständige Zusammenarbeit mit dem Produzenten.

„Exquisites Filmemachen“

Dass sich Abrams jetzt dafür entschieden hat, einen zunächst auf fünf Jahre befristeten Exklusivvertrag mit Warner Media einzugehen, wäre ohne die jüngsten Veränderungen auf dem US-Medienmarkt und die voraussehbare Umverteilung der Kräfteverhältnisse wahrscheinlich nicht denkbar gewesen. Leichtfertig hätte Abrams seine Zusammenarbeit mit Paramount nicht aufgegeben, nicht zuletzt auch wegen seiner persönlichen Beziehungen zu den Managern. Doch in Zukunft werden sich die einstigen Kumpane als Konkurrenten gegenüberstehen: Paramount ist Teil des Viacom-Konzerns, während Warner Media zum Telekommunikationsriesen AT&T gehört.

Angesichts des Vertragsabschlusses mit Abrams und Bad Robot Productions zeigte sich Warner-Media-Chef John Stankey enthusiastisch. Dadurch würden nun „außergewöhnliche Perspektiven, exquisites Filmemachen und exemplarische Branchenführerschaft“ in das Unternehmen Warner Media eingebracht, so Stankey am 12. September in einer Pressemitteilung. Unter dem Dach von Warner Media sind das Filmstudio Warner Bros., der Sender HBO und die Turner-Programme TNT und TBS zusammengefasst. Diese Medienunternehmen übernahm AT&T 2018, nachdem die Fusion von AT&T mit Time Warner genehmigt worden war (vgl. MK-Meldung). Für den AT&T-Konzern ist der Vertrag mit J.J. Abrams nun ein entscheidender Schritt nach vorne, um das neue Streaming-Angebot HBO Max auf dem mit Disney Plus und Apple TV Plus zukünftig heißumkämpften Markt des Videostreamings zu etablieren.

27.09.2019 – Ev/MK