USA: CNN profitiert von Wahlkampfdebatten für Präsidentschafskandidatur

12.05.2016 •

Mehr als in früheren Wahljahren zeigten sich die Bürgerinnen und Bürger der Vereinigten Staaten diesmal an den öffentlichen Debatten der Kandidaten für das Präsidentenamt interessiert. Agenda und Persönlichkeit der Bewerber um das höchste Amt im Staat standen deutlicher im Vordergrund des Interesses als in irgendeinem Jahr, seit Fernsehdebatten in den USA zur Regel wurden. Und das war im Jahr 1960 das TV-Duell zwischen Richard Nixon (Republikanische Partei) und John F. Kennedy (Demokratische Partei). Am meisten trug dieses Mal die unkonventionelle und provozierende Haltung des republikanischen Anwärters Donald Trump dazu bei, dass die Fernsehzuschauer bis zum heutigen Tag an den Fernsehdebatten, aber auch ganz generell an politischen Sendungen interessiert geblieben sind (vgl. hierzu MK 2/16 und 4/16).

Gleich zu Beginn des Wahlkampfs im August 2015 schossen die Quoten der auf Politik fixierten Nachrichtensender kometenhaft nach oben. Die von Fox News live übertragene erste Debatte der republikanischen Kandidaten versammelte 24 Mio Zuschauer vor den Bildschirmen. Das zum Time-Warner-Konzern gehörende News-Network CNN sah seine Chance gekommen, dem Marktführer auf diesem Sektor ein Bein zu stellen und übertrug in der Folgezeit nicht weniger als neun Debatten, alle zur Hauptsendezeit. Die Rechnung ging auf. Noch bei der letzten der neun gesendeten Debatten schalteten bei CNN 11,8 Mio Zuschauer ein. Acht Wochen lang war zuvor entweder CNN oder Fox News in der Primetime das meistgesehene Kabelnetwork der USA – trotz heftiger Konkurrenz durch populäre Serien auf anderen Kanälen.

Werbepreise schießen in die Höhe

Bei CNN stieg die Zahl der Zuschauer in der wichtigsten Altersgruppe der 25- bis 54-Jährigen seit Beginn des Jahres 2016 auf 435.000 pro Abend, mehr als doppelt so viele wie zuvor. Damit kam das Network dem langjährigen Spitzenreiter unter den Nachrichtensendern, Rupert Murdochs Fox News Channel, der 450.000 Zuschauer pro Abend erreichte, erstaunlich nahe. Man sieht, was Politik alles bewirken kann, solange die Weichen für eine die Gemüter des Volkes bewegende Diskussion gestellt sind.

CNN-Präsident Jeff Zucker nutzte natürlich sogleich die Gunst der Stunde und ließ die Preise für Werbeschaltungen während der politischen Debatten in die Höhe schießen. Schon im September 2015 verlangte CNN für einen 30-Sekunden-Spot bis zu 200.000 Dollar, rund 40-mal so viel wie normalerweise in der Hauptabendzeit. Die vielen Debatten der Anwärter für die Präsidentschaftskandidatur und gleich noch ein Dutzend sogenannter Town Hall Meetings der Kandidaten, womit CNN das Interesse des Publikums über etliche Monate wachhielt, sorgten dafür, dass auch diese Rechnung aufging. Man nahm für Produkte und Ereignisse werbende Spots wahr, die sonst bei CNN nie zu sehen waren. Sogar die Hollywood-Studios warben jetzt zwischen Politiksendungen für ihre neuesten Filme. Kann die momentane Hochblüte der Nachrichtensender in den USA auf Dauer anhalten? Wohl kaum. Auch an den großspurigen Donald Trump werden sich die Amerikaner gewöhnen. Vor allem, wenn es ihm tatsächlich gelingen sollte, das Weiße Haus zu erobern.

Wer auf den acht Jahre amtierenden Präsidenten Barack Obama nachfolgt, entscheidet sich bei der Wahl am 8. November 2016. Nach den langen Vorwahlkämpfen sieht es inzwischen deutlich danach aus, dass sich die Amerikaner an diesem Tag höchstwahrscheinlich zwischen dem Republikaner Trump und der Demokratin Hillary Clinton werden entscheiden müssen, wobei die endgültige Nominierung der beiden Kandidaten durch die Parteien noch aussteht.

12.05.2016 – Ev/MK

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