USA: Donald Trumps Zorn verhilft CNN zum Erfolg

„Vor drei Jahren hat man allgemein angenommen, dass die Nachrichtensendungen im Kabelfernsehen auf ihren letzten Sohlen gingen“, sagte CNN-Präsident Jeff Zucker Mitte Februar vor Journalisten. „Nachrufe auf die Kabelnachrichten waren keine Seltenheit“, so Zucker weiter: „Jetzt gibt es nichts Relevanteres in der ganzen Fernsehlandschaft als diese News-Networks.“ Und das nicht trotz Donald Trump, sondern wegen Donald Trump.

Der neue US-Präsident versäumt in keiner Ansprache oder Pressekonferenz, seinem Zorn über die Kabelnachrichtensender CNN, Fox News und MSNBC Luft zu machen. Er nennt sie inzwischen nicht einmal mehr beim Namen, sondern redet, wenn er sie meint, nur noch von „Fake News“ – und jeder weiß, wer damit gemeint ist. Schon während der sogenannten Primaries, den Debatten der Präsidentschaftskandidaten, hatte Trumps Hass auf die Nachrichten gerade der Kabelsender begonnen. Er hatte sich ungerecht behandelt gefühlt, weil clevere Moderatoren ihn aufs Glatteis zu führen versuchten und seine ausweichenden Antworten oft zum Anlass nahmen, unbarmherzig nachzuhaken. Seit Trump nun im Weißen Haus ist, benutzt er jede Gelegenheit, die ihm das Präsidentenamt bietet, um generell einen Berufsstand verächtlich zu machen und zu behindern, dessen Mitglieder nur unverdrossen ihre verfassungsmäßig gesicherte Arbeit machen.

Einen bisherigen Höhepunkt erreichte diese Haltung am 24. Februar, als Reporter unter anderem der „New York Times“, der „Los Angeles Times“ und des Kabelnetworks CNN von einem Journalistentreffen mit Trumps Pressesprecher Sean Spicer ausgeschlossen wurden und nur eine handverlesene Gruppe von Reportern, darunter ein großer Teil von regierungsfreundlichen Medien, teilnehmen durfte. Journalisten der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) und der Tageszeitung „Washington Post“, die von Spicer eingeladen worden waren, blieben dem Pressetermin aus Protest fern.

Deutlicher Anstieg der Zuschauerzahl

Der Nachrichtensender CNN bekommt in jüngster Zeit stets den Löwenanteil von Trumps Beschimpfungen ab, obwohl CNN genau betrachtet das unparteiischste der drei großen News-Networks im amerikanischen Kabelfernsehen ist. Fox News steht Trumps Republikanern näher und MSNBC den Demokraten, während sich die Moderatoren und Reporter von CNN meist um einen sachlichen Mittelweg bemühen. Doch Donald Trump und seine ersten Aktivitäten als Präsident passen in keines der gewohnten Schemata. Deshalb bietet er immer wieder Angriffsflächen und selbst erzeugte Gelegenheiten, die Widerspruch und Kritik herausfordern, aus welcher politischen Warte man sie auch betrachtet.

Die jetzt bekannt gewordenen Sehgewohnheiten und Reaktionen des amerikanischen Fernsehpublikums können Trump und seiner Mannschaft nicht gefallen. Bei den Budgetkalkulationen für das Jahr 2017 hatte CNN noch einen Rückgang seiner Einschaltquoten um 25 Prozent prognostiziert. Doch nach den ersten sieben Wochen des neuen Jahres zeigt sich nun, dass die Zuschauerzahl des Networks insgesamt um 36 Prozent angestiegen ist. In der von der Werbewirtschaft bevorzugten Altersgruppe der 25- bis 54-Jährigen belief sich der Zuwachs sogar auf 51 Prozent. CNN-Chef Jeff Zucker stellte jetzt für das laufende Jahr einen Profit von 1,1 Mrd Dollar in Aussicht. Eine ähnliche Tendenz ist auch bei den Konkurrenzsendern Fox News und MSNBC zu beobachten.

Die „Los Angeles Times“ bestätigte diese unvorhergesehene Entwicklung kürzlich mit dem Hinweis auf eine interne CNN-Studie, in der festgestellt werde, dass Trumps zahllose Angriffe auf das Network das Sehverhalten der CNN-Zuschauerschaft nicht negativ beeinflusst hätten. Angesichts der jetzt bekannt gewordenen Einschaltquoten liegt sogar nahe, dass genau das Gegenteil der Fall ist: Je unverhohlener sich Donald Trump gegen den Sender auf den Kriegspfad begibt, desto öfter schalten amerikanische Fernsehzuschauer die Nachrichtenformate und politischen Magazine von CNN ein.

13.03.2017 – Ev/MK

Print-Ausgabe 6/2017

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