USA: Internet-Fernsehen drängt weiter nach vorn

Die Abnabelung des Publikums von den herkömmlichen Kabel- und Satellitenanbietern, in den USA unter dem Begriff „Cord Cutting“ bekannt, wird von der amerikanischen Fernsehindustrie längst nicht mehr als Möglichkeit, sondern als Faktum angesehen. Jeder Monat treibt die Abkehr der Zuschauer von den traditionellen und kostspieligen Paketverträgen weiter voran, denn es sind Verträge, die bedeuten, dass die Zuschauer Hunderte von Sendern beziehen müssen, darunter viele, die sie eigentlich gar nicht benötigen. Und jeden Monat vergrößert sich durch die Alternative des Videostreamings, also des Internet-Fernsehens, die Palette an maßgeschneiderten, weniger teuren Angeboten.

Vertraute Firmennamen wie Netflix, Apple und Amazon spielen immer deutlicher in dem Roulette um die Gunst des Fernsehpublikums eine Rolle. Netflix konnte sein Streaming-Angebot im letzten Quartal des jüngst vergangenen Jahres durch eine aggressive Expansion in europäische und lateinamerikanische Länder weiter ausdehnen und seine Abonnentenzahl auf weltweit 93,8 Mio Kunden erhöhen, davon allein 49,4 Mio in den USA. Intern hat das Unternehmen schon vor Jahresfrist die Losung ausgegeben, dass Wachstum wichtiger sei als Profit. Im Einklang damit steht auch, dass Netflix in diesem Jahr 6 Mrd Dollar in Eigenproduktionen investieren will. 2016 sind es 5 Mrd gewesen.

Medienunternehmen Apple

Apple und Amazon folgen dem Vorreiter im Videostreaming vorerst mit einigem Abstand. Aber Amazon Video expandierte bis Dezember 2016 in rund 200 weitere Staaten, während Apple auf dem Sektor des Streamings von Film- und Fernsehproduktionen noch in den Anfängen steckt. Für das Unternehmen Apple ist das Videostreaming ein neues Geschäft, das nicht zuletzt durch die rückläufigen Absatzzahlen seiner iPhones und iPads sowie den harten Wettbewerb von Apple Music mit dem Konkurrenten Spotify motiviert wird. Die Absicht von Apple, stärker in das Videostreaming einzusteigen, wird inzwischen auch längst nicht mehr hinter vorgehaltener Hand geäußert.

Während Apple Music schon in der Vergangenheit vereinzelt TV-Formate wie „Carpool Karaoke“ und andere auf Musik orientierte Sendungen gekauft hat, will man zukünftig auch musikunabhängige Produktionen erwerben oder selbst produzieren. Sogar die Eigenproduktion von Spielfilmen wird zufolge nicht länger ausgeschlossen. Der Eintritt von Apple in den Markt der Film- und Fernsehproduktion, so hieß es unlängst in der Wirtschaftszeitung „The Wall Street Journal“, könne einen transformativen Augenblick für Hollywood darstellen und den Beginn einer Strategie von Apple, selbst mehr wie ein Medienunternehmen auszusehen als wie der Distributor von anderer Leute Medien. 

02.02.2017 – Ev/MK

Print-Ausgabe 19/2017

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