Übertragungen von der Fußball‑Bundesliga: Eurosport gibt TV‑Rechte an DAZN ab

16.08.2019 •

Der Streaming-Anbieter DAZN überträgt mit dem Start der neuen Saison 2019/20 der ersten Fußball-Bundesliga am 16. August (Freitag) erstmals Begegnungen von der höchsten deutschen Profi-Liga: So wird die Auftaktpartie Bayern München gegen Hertha BSC Berlin live bei DAZN gezeigt. Dieses Spiel wird außerdem im Free-TV-Bereich vom ZDF übertragen. Beim Bezahlangebot DAZN sind in den Spielzeiten 2019/20 und 2020/21 jeweils die 30 Erstliga-Begegnungen am Freitagabend und die jeweils fünf Partien zu sehen, die am Sonntagmittag und Montagabend stattfinden.

Diese Übertragungsrechte hat DAZN vom Spartensender Eurosport über eine Sublizenzierungsvereinbarung erhalten. Das teilten beide Unternehmen am 18. Juli mit, ohne Angaben zu den finanziellen Konditionen des Deals zu machen, der noch eine weitere Kooperation beinhaltet. Die Sublizenzierungsvereinbarung für die Bundesliga-Rechte gilt nicht nur für Deutschland, sondern auch für Österreich, so dass DAZN auch seinen dortigen Abonnenten die Bundesliga-Begegnungen live zeigen kann.

Ein zweites Mal verzockt

Im Jahr 2016 hatte das Unternehmen Eurosport, das zum US-Medienkonzern Discovery gehört, von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) für die vier Spielzeiten von 2017/18 bis 2020/21 den Zuschlag für die Übertragungen dieser 40 Bundesliga-Spiele erhalten (vgl. MK-Meldung). Zusätzlich bekam Eurosport pro Saison noch die Übertragungen von den vier Relegationsspielen zur ersten und zweiten Liga sowie die Rechte am deutschen Supercup zugesprochen. Aufgrund der Sublizenzierungsvereinbarung sind auch diese Begegnungen in den Spielzeiten 2019/20 und 2020/21 nun bei DAZN zu sehen. Am 3. August übertrug der Streaming-Anbieter, parallel zum ZDF, die Supercup-Partie zwischen Borussia Dortmund und Bayern München (2:0).

Auch in den kommenden beiden Bundesliga-Spielzeiten und damit bis zum Ende der aktuellen Rechteperiode wird der Großteil der Erstliga-Spiele weiterhin vom Pay-TV-Veranstalter Sky live übertragen. Der Sender zeigt pro Saison insgesamt 266 Begegnungen (von der zweiten Fußball-Bundesliga überträgt Sky alle 306 Partien einer Spielzeit exklusiv). Die DFL strebt an, im Frühjahr bzw. Frühsommer 2020 die Bundesliga-Übertragungsrechte für die neue Periode ab der Saison 2021/22 zu vergeben. An der Ausschreibung wird sich DAZN sicherlich beteiligen, nachdem das Streaming-Unternehmen seinen Abonnenten jetzt schon Bundesliga-Live-Übertragungen anbieten kann. Bisher (seit der Saison 2016/17) konnte DAZN, auf Basis eines Highlight-Rechtepakets fürs Internet, nur Zusammenfassungen der Bundesliga-Spiele zeigen.

Dass Eurosport nun nach bereits zwei Jahren die Bundesliga-Rechte an DAZN sublizenziert, zeigt ganz deutlich das Scheitern der eigenen Strategie, mit diesen Rechten wirtschaftlich reüssieren zu können. Als „Meilenstein“ hatte Eurosport 2016 den Rechtekauf gefeiert, „um die Transformation von Eurosport in Deutschland weiter voranzutreiben“. Doch offensichtlich ließen sich über das kostenpflichtige On-Demand-Angebot Eurosport-Player und das Pay-TV-Programm Eurosport 2 HD Xtra, über die die Bundesliga-Spiele zu sehen waren, die Rechtekosten nicht refinanzieren. Presseberichten zufolge soll Eurosport 2016 von der DFL die TV-Rechte für einen Betrag von rund 70 Mio bis 75 Mio Euro pro Saison erhalten haben (vgl. MK-Meldung).

DAZN erhöht Abopreis deutlich

Bereits beim im Jahr 2015 erfolgten Einkauf der Olympia-Rechte für den Zeitraum 2018 bis 2024 hatte sich der Discovery-Konzern, was den deutschen Markt anbelangte, verzockt: Der Verkauf von Olympia-Übertragungsrechten an ARD und ZDF gelang Discovery erst im zweiten Anlauf und auch nur mit deutlichen finanziellen Abstrichen. Ungeachtet der Sublizenzierung von Olympia-Rechten an die öffentlich-rechtlichen Sender kann auch Eurosport weiterhin von den Olympischen Spielen live berichten (vgl. diesen MK-Artikel, diese MK-Meldung und diese MK-Meldung).

Die zwischen Eurosport und DAZN geschlossene Vereinbarung sieht zusätzlich vor, dass über den Streaming-Anbieter hierzulande seit Anfang August auch die beiden Programme Eurosport 1 und Eurosport 2 zu empfangen sind. Das bedeutet, dass DAZN-Abonnenten künftig weitere Sportereignisse live sehen können, darunter Grand-Slam-Turniere im Tennis, bestimmte Rennen im Radsport und Motorsport (etwa Tour de France und die „24 Stunden von Le Mans“) sowie die Olympischen Spiele. Die beiden Eurosport-Programme sind, wie es die Vereinbarung vorsieht, auch für DAZN-Kunden in Österreich, Italien und Spanien verfügbar.

Außer der Neuerung, dass ab der neuen Saison 2019/20 40 Bundesliga-Begegnungen bei DAZN zu sehen sind, können weiterhin auch Amazon-Prime-Kunden die Spielübertragungen verfolgen, und zwar über die Plattform „Prime Video Channels“. Dort bleibt das Programm Eurosport 2 HD Xtra mit den dann von DAZN verantworteten Bundesliga-Übertragungen verfügbar. Amazon-Kunden des „Prime“-Service, der pro Jahr 69 Euro kostet, können gegen eine zusätzliche Abo-Gebühr von monatlich 5,99 Euro Eurosport 2 HD Xtra empfangen. Auch via Satellit wird Eurosport 2 HD Xtra mit der Fußball-Bundesliga weiterhin über die kostenpflichtige TV-Plattform HD plus, ein Tochterunternehmen des europäischen Satellitenbetreibers Astra, zu sehen sein.

Direkte Folge des gesamten Deals zwischen Eurosport und DAZN ist nun, dass der Streaming-Anbieter seinen monatlichen Abo-Preis deutlich erhöht hat. Seit dem 1. August kostet das DAZN-Abonnement bei monatlich möglicher Kündigung nicht mehr 9,99 Euro, sondern 11,99 Euro – ein Anstieg von 20 Prozent. Neu eingeführt wurde Anfang August ein Jahresabonnement zum Preis von 119,99 Euro. Dabei beträgt dann der Monatspreis im Durchschnitt weiterhin 10 Euro. DAZN überträgt im Fußball beispielsweise bis zum Ende der Spielzeit 2020/21 auch ausgewählte Begegnungen der Champions League und alle Partien der Europa League. Zu sehen gibt es außerdem Spiele der Fußball-Ligen in Italien, Spanien und Frankreich, des weiteren Begegnungen der amerikanischen Football-Liga NFL und der Basketball-Liga NBA. Überdies hat DAZN Übertragungen von Sportarten wie Boxen, Rugby und Tennis im Angebot.

Wirtschaftszahlen wie auch die Zahl seiner Abonnenten gibt DAZN nicht bekannt. Hinter DAZN steht die in London ansässige Perform Group, die ihr Streaming-Angebot in Deutschland im August 2016 gestartet hatte (vgl. MK-Meldung). Mehrheitseigner von Perform ist die Investmentgesellschaft Access Industries des russischstämmigen US-Milliardärs Leonard („Len“) Blavatnik. (Vgl. zum Thema auch diesem MK-Artikel.)

16.08.2019 – vn/MK