Kartellamt prüft Kooperation von Sky und DAZN bei der Fußball-Champions-League

17.11.2018 • Das Bundeskartellamt untersucht, ob die Kooperation zwischen dem Pay-TV-Sender Sky Deutschland und dem Streaming-Anbieter DAZN bei den Live-Übertragungen der Champions-League-Spiele in Deutschland kartellrechtskonform ist. Dazu sei ein entsprechendes Verwaltungsverfahren eingeleitet worden, teilte die in Bonn ansässige Wettbewerbsbehörde am 16. Oktober mit. Vom europäischen Fußballverband UEFA hatte Sky Deutschland im Sommer 2017 den Zuschlag für die Live-Übertragung aller Champions-League-Begegnungen der Spielzeiten 2018/19 bis einschließlich 2020/21 erhalten, und zwar für die Verbreitungswege Satellit, Kabel, IPTV und Web/Mobile.

Anschließend einigte sich Sky Deutschland mit dem von der Perform Group betriebenen Streaming-Anbieter DAZN über eine Sublizenzierung, die im Juni 2017 bekanntgegeben wurde. Beide Unternehmen teilten dabei die Rechte nach einem komplizierten Modus untereinander auf. Seit der Saison 2018/19, deren Gruppenphase im September dieses Jahres begann, sind Live-Übertragungen von Begegnungen der Champions League nur noch gegen Entgelt zu sehen, entweder bei Sky oder bei DAZN.

Wettbewerbseinschränkungen?

Im Free-TV gibt es seit September 2018 keine Champions-League-Partie mehr zu sehen. In den vergangenen sechs Spielzeiten (2012/13 bis 2017/18) hatte in Deutschland noch das ZDF Free-TV-Rechte an dem Wettbewerb. Pro Spieltag wurde von dem öffentlich-rechtlichen Sender eine Partie live gezeigt. Im Sommer 2017 ging das ZDF dann bei der Vergabe der Rechte für die neue Periode ab der Saison 2018/19 leer aus. Das Finale einer Champions-League-Saison muss allerdings im frei empfangbaren Fernsehen übertragen werden, wenn im Endspiel eine deutsche Mannschaft steht. Das schreibt der Rundfunkstaatsvertrag vor (Paragraph 4 Abs. 1 und 2).

Kartellamtspräsident Andreas Mundt erklärte, man untersuche, wann und in welcher Form die Kooperation von Sky Deutschland und DAZN beschlossen worden sei und „ob die Zusammenarbeit den Wettbewerb im Interesse der Verbraucher gefördert oder beschränkt hat“. Auf die Frage, warum das Kartellamt erst 16 Monate nach dem Abschluss der Vereinbarung zwischen Sky und DAZN eine Untersuchung einleite, erklärte die Behörde gegenüber der MK, es hätten sich „zwischenzeitlich gewisse Anhaltspunkte ergeben, die uns dazu bewogen haben, die Kooperation zu prüfen“. Genauere Angaben hierzu wollte das Kartellamt nicht machen. Es könnte nun sein, dass das Kartellamt in den vergangenen Wochen von Dritten Hinweise dazu erhalten hat, dass sich Sky und DAZN möglicherweise bereits vor der Rechteausschreibung auf eine Bietergemeinschaft verständigt haben, was wettbewerbswidrig wäre.

Nach Auffassung des Kartellamts ist hierzulande Sky „der führende Anbieter von Pay-TV“. Daher unterliege das Unternehmen „unter Umständen besonderen kartellrechtlichen Beschränkungen bei der Kooperation mit Wettbewerbern“. Die Vereinbarung zwischen Sky Deutschland und DAZN/Perform könne, so die Wettbewerbshüter, „zu einer weiteren Absicherung der Marktposition von Sky beitragen“.

Es ließe sich jedoch hinterfragen, ob Sky in Deutschland weiterhin der führende Pay-TV-Anbieter ist – schließlich gibt es hier inzwischen mit Netflix, Amazon Prime und eben DAZN potente Wettbewerber aus dem Streaming-Bereich. Bislang definiert das Kartellamt Bezahlfernsehen als „einen Markt für lineares, nach einem festen Programmschema ausgestrahltes Pay-TV“. Videoabrufplattformen rechnet das Kartellamt bisher wegen deren On-Demand-Funktionalität einem anderen Markt zu. Ob die bisherige Marktabgrenzung zwischen Pay-TV und Video-on-Demand sinnvoll sei, werde anlassbezogen geprüft und, falls notwendig, an aktuelle Entwicklungen angepasst, erklärte das Kartellamt gegenüber der MK.

Befragung der Marktteilnehmer

Die Wettbewerbsbehörde verweist in ihrer Pressemitteilung, in der sie die Prüfung der Kooperation von Sky Deutschland und DAZN ankündigte, ferner darauf, dass in der Champions League bestimmte Spiele auch deutscher Vereine jetzt nur noch über den Streaming-Anbieter DAZN zu sehen seien und dass es im frei empfangbaren Fernsehen keine Spielübertragungen mehr gebe. Auch insofern komme „eine durch die Kooperation bezweckte oder bewirkte Wettbewerbsbeschränkung in Betracht“, so das Kartellamt.

Unklar ist allerdings, warum die Wettbewerbsbehörde auf die nun nicht mehr existierende Free-TV-Übertragung von Champions-League-Spielen verweist, wenn doch pro Saison von den 306 Partien der ersten Fußball-Bundesliga nur drei Begegnungen im Free-TV live zu sehen sind, von den 306 Spielen der zweiten Bundesliga sogar keines. Auf Nachfrage erklärte das Kartellamt hierzu gegenüber der MK: „Die zitierte Passage in der Pressemitteilung beschreibt erst einmal deskriptiv die derzeitige Situation bezüglich der Champions-League-Ausstrahlung, so wie sie sich nach der Rechtevergabe an Sky und der teilweisen Weiterverteilung an DAZN heute ergibt. Es bleibt noch abzuwarten, inwieweit dies bei unserer Prüfung berücksichtigt werden muss. Dies wird sich im Laufe des Verfahrens zeigen.“

Das Prüfverfahren des Kartellamts zur Kooperation von Sky Deutschland und DAZN bei den Champions-League-Rechten wird mindestens mehrere Monate dauern. In einem ersten Schritt werden die beiden Unternehmen sowie weitere Marktteilnehmer unter anderem mit Blick auf den genauen Verlauf der Ausschreibung der Champions-League-Übertragungsrechte befragt. Dazu werden vom Kartellamt entsprechende Fragebögen an die Beteiligten versandt.

17.11.2018 – vn/MK

Print-Ausgabe 24/2018

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