RTL Group steigert 2017 Umsatz auf Rekordbetrag

26.03.2018 • Die internationale RTL Group hat im Geschäftsjahr 2017 ihren Umsatz erneut steigern können. Wie der börsennotierte Medienkonzern am 7. März mitteilte, sei im Jahr 2017 „trotz herausfordernder TV-Werbemärkte in Europa“ der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 2,2 Prozent auf den Rekordbetrag von 6,273 Mrd Euro angewachsen. Auch der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) habe sich erhöht, und zwar gegenüber 2016 um 3,8 Prozent auf nun 1,464 Mrd Euro. Der den Aktionären der RTL Group zurechenbare Nettogewinn belief sich den Angaben zufolge auf 739 Mio Euro, was einem Plus von 2,6 Prozent entspricht. Die Schulden der Unternehmensgruppe beliefen sich zum Jahresende 2017 auf netto 545 Mio Euro (Ende 2016: 576 Mio). Mehrheitsaktionär der in Luxemburg ansässigen RTL Group ist mit 75,1 Prozent der Bertelsmann-Konzern aus Gütersloh.

Das Board of Directors der RTL Group, einer Art Verwaltungsrat, hat vorgeschlagen, an die Aktionäre für das Jahr 2017 zusätzlich eine Schlussdividende von 3,00 Euro pro Anteilschein auszuschütten. Diesem Votum muss die Hauptversammlung des Medienkonzerns, die am 18. April stattfinden wird, noch zustimmen, was aber nur Formsache sein wird. Im September vorigen Jahres hatten die Aktionäre der RTL Group für 2017 bereits eine Zwischendividende in Höhe von 1,00 Euro pro Aktie erhalten. Die Gesamtdividende für 2017 beträgt somit je Aktie 4,00 Euro. Das bedeutet, dass Bertelsmann von der RTL Group für das Geschäftsjahr 2017 insgesamt eine Dividende von rund 465 Mio Euro erhalten wird. Bertelsmann besitzt 116 Mio der 154 Mio RTL-Group-Aktien.

„Äußerst profitables Kerngeschäft“

Die RTL Group, die an der Frankfurter Börse im MDAX-Segment für mittelgroße Firmen gelistet ist, betreibt in mehreren europäischen Ländern insgesamt 56 Fernseh- und 31 Radiosender; hinzu kommen zahlreiche Online-Plattformen. Außerdem ist die RTL Group über das in London ansässige Unternehmen Fremantle Media im Fernsehproduktionsgeschäft aktiv. Alleiniger Chief Executive Officer (CEO) der RTL Group ist seit Anfang 2018 der 47-jährige Bert Habets. Im April vorigen Jahres war der Niederländer – damals neben dem Belgier Guillaume de Posch – zum weiteren Vorstandsvorsitzender des Konzerns geworden. Habets war dabei Anke Schäferkordt nachgefolgt, die hier die Leitung abgab, um sich auf ihre Position als Chefin der deutschen RTL-Gruppe und ihren Posten im Bertelsmann-Vorstand zu konzentrieren. Zum Jahresende 2017 schied dann Guillaume de Posch bei der RTL Group aus, so dass infolgedessen Habets seit Januar 2018 alleiniger Konzernchef ist.

Anlässlich der Vorstellung der Bilanzzahlen für 2017 verwies Habets darauf, dass bei der RTL Group das „Sendergeschäft ein äußerst profitables Kerngeschäft“ sei. Das Wachstum des Konzerns stamme „größtenteils aus non-linearen Angeboten oder Streaming-Diensten“, erklärte Habets. Laut Unternehmensdarstellung ist das Wachstum vor allem zurückzuführen auf gestiegene Umsätze von zwei Tochtergesellschaften: der Mediengruppe RTL Deutschland und der französischen Groupe M6. Das schnell wachsende Digitalgeschäft habe ebenfalls zum Wachstum beigetragen, das man habe erzielen können, obwohl alle europäischen Fernsehwerbemärkte, in denen die RTL Group aktiv sei, im Vergleich zum Vorjahr rückläufig gewesen seien oder stagnierten.

Der Anstieg des operativen Gewinns (Ebitda) resultiert der RTL Group zufolge „hauptsächlich aus signifikant höheren Ergebnisbeiträgen der Mediengruppe RTL Deutschland und von Fremantle Media sowie aus einem positiven Einmaleffekt in Höhe von 94 Millionen Euro durch den Verkauf der Immobilien der RTL Group in der Rue Bayard in Paris“. Vom Gesamtumsatz der RTL Group im Jahr 2017 entfielen 47,5 Prozent auf die Fernsehwerbeeinnahmen (2,98 Mrd Euro), 20,1 Prozent auf das TV-Produktionsgeschäft (1,26 Mrd Euro) und 13,0 Prozent auf das Digitalgeschäft (815 Mio Euro). Weitere 5,0 Prozent des Umsatzes stammten aus Plattformerlösen (314 Mio Euro) und 4,0 Prozent aus Radiowerbeerlösen (251 Mio Euro). Die verbliebenden 10,4 Prozent sind laut RTL Group sonstige Umsätze gewesen (652 Mio Euro).

Digitalaktivitäten als Wachstumstreiber

Die Mediengruppe RTL Deutschland erzielte den Angaben zufolge im sechsten Jahr in Folge Rekordergebnisse: Der Umsatz wuchs 2017 auf 2,319 Mrd Euro (plus 4,7 Prozent im Vergleich zu 2016), was einem Anteil von 37 Prozent am Gesamtumsatz der RTL Group entsprach. Der operative Gewinn (Ebitda) der deutschen RTL-Gruppe stieg um 3,5 Prozent auf 743 Mio Euro. Rund 51 Prozent des operativen Gewinns der internationalen RTL Group stammten somit im vorigen Jahr aus deren Deutschlandgeschäft. Der Nettogewinn der deutschen RTL-Gruppe wurde nicht bekannt gegeben.

RTL-Group-Chef Habets kündigte einen Ausbau des Digitalgeschäfts an, um dort vorhandenes „erhebliches Wachstumspotenzial“ zu erschließen: „Deshalb werden wir die Investitionen in unsere On-Demand-Dienste dort erhöhen, wo wir bereits starke Senderfamilien haben.“ Entsprechende Plattformen würden in den kommenden Monaten zunächst zum Beispiel in Ungarn und Kroatien gestartet. Im Jahr 2018 soll der Umsatz der RTL Group um einen Betrag zwischen 2,5 und 5 Prozent wachsen. Trotz dieser positiven Prognose sieht der Konzern in bestimmten Bereichen wegen der angespannten Lage des Werbemarkts Handlungsbedarf. So sollen bei der Tochtergesellschaft RTL Belgium knapp 90 Stellen gestrichen werden. 2017 gingen die Einnahmen von RTL Belgium um 5,4 Prozent zurück, der operative Gewinn brach um 56 Prozent ein.

Mit Blick auf Geschäftsmodelle in der digitalen Welt („Big Data“) will die RTL Group laut Habets darüber hinaus mehr Geld in die Werbetechnologie investieren. Ausgebaut werden sollen ferner die eigenen Multiplattform-Netzwerke, darunter Divimove (Sitz: Berlin), Broadband TV (Vancouver) und Style Haul (Los Angeles). Diese Netzwerke helfen in verschiedenen Ländern YouTubern bei der Vermarktung und Finanzierung ihrer Kanäle und unterstützen sie bei der Produktion von Inhalten. Seit Januar 2018 gehört mit United Screens auch das führende Multiplattform-Netzwerk in den skandinavischen Ländern zur RTL Group. Im TV-Produktionsgeschäft will Fremantle Media, zu der hierzulande die Ufa-Gruppe gehört, weiter auf die Herstellung von „erstklassigen Drama-Serien“ setzen, nicht zuletzt um auch Streaming-Plattformen als Kunden weiter zu gewinnen. So produziert etwa Ufa Fiction mit „Deutschland 86“ die Fortsetzung der RTL-Serie „Deutschland 83“ (vgl. MK-Kritik) für Amazon Prime Video.

26.03.2018 – vn/MK

Print-Ausgabe 16/2018

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