RTL-Drittsendezeiten: DCTP weiter mit „Spiegel TV“ dabei

08.12.2017 • Im Programm des privaten Fernsehsenders RTL soll auch künftig das Magazin „Spiegel TV“ ausgestrahlt werden. Vorgesehen ist aber, dass die Sendung, die bei RTL über eine Drittanbieter-Lizenz von Alexander Kluges Produktionsfirma DCTP zu sehen ist, ab Juli 2018 einen neuen Sendeplatz erhält. Noch bis zum Ablauf der aktuellen RTL-Drittanbieter-Lizenzperiode Ende Juni 2018 wird „Spiegel TV“ sonntags von 22.15 bis 23.00 Uhr gesendet. Ab Juli 2018 soll das Magazin dann auf den für die DCTP im RTL-Programm vorgesehenen Drittsendeplatz am späten Montagabend verlegt werden. „Spiegel TV“ würde dann in der Zeit von 23.25 bis 0.00 Uhr ausgestrahlt werden. Die Sendelänge des Magazins würde sich somit auch um zehn Minuten verkürzen.

Dass die DCTP für das Magazin „Spiegel TV“ ab Juli 2018 den Sendeplatz am späten Montagabend im RTL-Programm erhalten soll, dafür hat bei der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) der Programmausschuss der NLM-Versammlung votiert. Der Ausschuss plädierte dafür, an die DCTP die zweite von insgesamt vier sogenannten Sendezeitschienen für unabhängige Drittanbieter im RTL-Programm zu vergeben. Das teilte die in Hannover ansässige NLM am 16. November mit. Die Behörde ist die lizenzgebende Medienanstalt von RTL und damit auch für die Vergabe der Drittanbieter-Zulassungen im Programm des Privatsenders zuständig. Insgesamt 42 Produktionsfirmen haben sich bis zum 1. September bei der NLM um die neu zu vergebenden RTL-Drittsendezeiten beworben. Die Medienanstalt hatte vier Sendezeitschienen ausgeschrieben.

Sagamedia, Solis TV und Arriba Media

Die NLM gab am 16. November außerdem bekannt, welche Produktionsfirmen für die drei weiteren Sendezeitschienen im RTL-Programm künftig als Drittanbieter ausgewählt werden sollen. Die erste Sendezeitschiene (samstags, 19.10 bis 20.15 Uhr) soll ab Juli 2018 das in Köln ansässige Produktionsunternehmen Sagamedia erhalten. Um diesen neu geschaffenen Sendeplatz für Drittanbieter im RTL-Programm hatten sich auch große Firmen wie die ITV Studios Germany und Günther Jauchs Unternehmen I&U beworben, die nun aber nicht zum Zuge kommen werden. Sagamedia, 2005 von Iris Bettray und Jutta Prinzler gegründet, produziert vor allem Doku-Formate und Reportagen für private und öffentlich-rechtliche Fernsehanbieter, darunter auch Sender der RTL-Gruppe und der Westdeutsche Rundfunk (WDR). Für den deutsch-französischen Kulturkanal Arte produzierte Sagamedia zuletzt mehrere längere Dokumentationen.

Die Programmplätze für die dritte und vierte Sendezeitschiene der RTL-Drittanbieter ab Juli 2018 liegen in der Nacht von Montag auf Dienstag. Die dritte Sendezeitschiene umfasst die Zeit von 0.30 und 1.15 Uhr (45 Minuten) und soll an das in Berlin angesiedelte Unternehmen Solis TV gehen. Die vierte Schiene im zeitlichen Umfang von 30 Minuten beginnt direkt im Anschluss um 1.15 Uhr (bis 1.45 Uhr). Auf diesem Termin soll künftig die Firma Arriba Media, die ebenfalls ihren Sitz in Berlin hat, ihre Produktionen ausstrahlen können.

Die NLM-Programmausschussvorsitzende Ortrud Wendt verwies laut der Mitteilung der Medienanstalt darauf, die jetzt in Aussicht genommene Auswahlempfehlung sei „ein fairer Kompromiss zwischen den legitimen Interessen des Hauptprogrammveranstalters und der gesetzlichen Aufgabe der NLM, einen zusätzlichen Vielfaltsbeitrag durchzusetzen. Mit gleich drei neuen Lizenznehmern möchten wir“, so Wendt, „ein klares Zeichen für Erneuerung bei den Fensterprogrammen setzen.“ Von den vier vorgesehenen künftigen RTL-Drittanbietern DCTP, Sagamedia, Solis TV und Arriba Media verfügt nur die DCTP bereits über eine Drittanbieter-Lizenz. Das Unternehmen ist seit 1998, als die Drittsendezeiten bei RTL (und auch beim Konkurrenten Sat 1) eingerichtet wurden, stets als RTL-Drittanbieter lizenziert worden.

Nicht mehr zum Zuge kommen bei RTL soll ab Juli 2018 die in Hannover ansässige Firma AZ Media. Das Unternehmen, das zum Madsack-Konzern („Hannoversche Allgemeine Zeitung“) gehört, wurde ebenfalls seit 1998 kontinuierlich als RTL-Drittanbieter zugelassen. In der laufenden Lizenzperiode (2013 bis 2018) kooperiert AZ Media TV bei der Herstellung der Drittanbietersendungen allerdings bereits mit sieben weiteren Firmen, so dass der eigene Produktionsanteil schon unterhalb von 20 Prozent liegen soll.

Vielfalt, wenn kaum jemand zuschaut

Bis das Vergabeverfahren von der NLM vollständig abgeschlossen werden kann, wird es noch mehrere Monate dauern. Voraussichtlich im Frühjahr 2018 sollen die Zulassungen für fünf Jahre erteilt werden. Es ist vorgesehen, dass dann der entsprechende Beschluss von der NLM-Versammlung gefasst wird. Dem Gremium gehören 38 Mitglieder aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen an.

In das mehrstufige Vergabeverfahren muss noch zweimal die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) eingeschaltet werden. In einem ersten Schritt wird sich die KEK, die aus sechs Sachverständigen und aus Direktoren von sechs Landesmedienanstalten besteht (zu denen auch der NLM-Direktor zählt), demnächst mit der vorgesehenen Auswahlentscheidung der NLM befassen. Später muss die KEK auch noch die Finanzierungsvereinbarungen prüfen, die RTL mit den vier ausgewählten Drittanbietern jeweils abschließen muss. Dem Rundfunkstaatsvertrag zufolge hat der Hauptprogrammveranstalter – in diesem Fall RTL – für „eine ausreichende Finanzierung“ der Drittanbieter zu sorgen.

Die KEK wird bei ihren Prüfungen möglicherweise auch ihre grundsätzliche Kritik bekräftigen, dass ein Teil der künftigen Drittsendungen bei RTL erst im Nachtprogramm zu sehen sein wird. Mit Blick auf diese nachts ausgestrahlten Sendungen ließe sich die Frage stellen, welchen Vielfaltsbeitrag derartige Formate noch leisten können, wenn sie zu einer Zeit zu sehen sind, während der der weit überwiegende Teil der Bevölkerung nicht mehr das Fernsehen einschaltet, sondern schläft.

08.12.2017 – Volker Nünning/MK

Print-Ausgabe 12/2018

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