RTL Television hat 2016 Rekordgewinn erzielt

08.09.2017 •

08.09.2017 • Die RTL Television GmbH hat im Jahr 2016 einen Rekordgewinn erzielt. Der Überschuss belief sich auf 619 Mio Euro. Das geht aus dem Jahresabschluss 2016 hervor, den das Unternehmen am 18. August im Bundesanzeiger veröffentlichte. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Gewinn um 35 Mio Euro an (plus 6 Prozent). 2015 belief sich der Gewinn auf 584 Mio Euro. Der 2016 erzielte Umsatz der RTL Television GmbH betrug 1,708 Mrd Euro – ein Zuwachs von 25 Mio Euro gegenüber dem Vorjahr.

Die RTL Television GmbH gehört vollständig der Mediengruppe RTL Deutschland GmbH (Köln). Dieses Unternehmen ist – über vier dazwischengeschaltete Firmen – Teil der internationalen RTL Group. Das in Luxemburg ansässige Unternehmen wiederum ist zu 75,1 Prozent im Besitz des Bertelsmann-Konzerns (Gütersloh). Die nun veröffentlichten Wirtschaftszahlen der RTL Television GmbH beinhalten die Ergebnisse von drei Free-TV-Sendern (RTL, RTL Nitro, RTL plus) und von vier Pay-TV-Programmen (RTL Crime, RTL Living, RTL Passion, Geo Television).

1,4 Mrd Euro Umsatz aus TV-Werbung

Nicht enthalten in den vorliegenden Wirtschaftszahlen der RTL Television GmbH sind die Ergebnisse der Fernsehprogramme Vox und n-tv. Beide Sender werden über jeweils eigene Firmen betrieben. Dabei handelt es sich zwar um Tochterfirmen von RTL Television, doch deren Wirtschaftszahlen werden separat ausgewiesen. Gleiches gilt für die Geschäftsaktivitäten von RTL Interactive, ebenfalls eine Tochterfirma der RTL Television GmbH. RTL Interactive betreibt unter anderem die Video-on-Demand-Portale der deutschen RTL-Gruppe unter der Dachmarke TV Now. Nicht berücksichtigt im Jahresabschluss der RTL Television GmbH sind ferner die Ergebnisse der Fernsehprogramme RTL 2, Super RTL und Toggo plus. An diesen Sendern ist nicht die RTL Television GmbH beteiligt; über andere Tochtergesellschaften hält letztlich die internationale RTL Group die jeweilige Beteiligung an diesen Sendern (je 50 Prozent an Super RTL und Toggo plus, 35,9 Prozent an RTL 2).

Die RTL Group weist in ihren jährlichen Geschäftsberichten nicht aus, wie hoch in einem Jahr der Reingewinn der Geschäftsaktivitäten in Deutschland insgesamt war. Genannt werden neben dem Umsatz nur Zahlen zum Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, also zum operativen Ergebnis. Für das Jahr 2016 wies die RTL Group für ihre Geschäfte in Deutschland einen Gewinn von 705 Mio Euro im operativen Geschäft aus. Den Umsatz der Mediengruppe RTL Deutschland für 2016 bezifferte die RTL Group auf 2,214 Mrd Euro (vgl. MK 6/17).

Vor diesem Hintergrund gibt der Jahresabschluss der RTL Television GmbH Aufschluss darüber, wie profitabel dieses Unternehmen ist. Deren im Bundesanzeiger veröffentlichte Zahlen lassen sich aber aus zwei Gründen nicht direkt mit denen der RTL Group vergleichen. Zum einen werden in den Wirtschaftszahlen der RTL Group alle Geschäftsaktivitäten in Deutschland erfasst; dies ist bei der RTL Television GmbH, wie dargestellt, nicht der Fall. Zum anderen basiert der Jahresabschluss von RTL Television auf den Bilanzierungsvorschriften des deutschen Handelsgesetzbuchs (HGB). Die internationale RTL Group veröffentlicht ihre Wirtschaftszahlen demgegenüber nach dem IFRS-Verfahren (= International Financial Reporting Standards).

Im vergangenen Jahr erzielte die RTL Television GmbH aus dem Verkauf von TV-Werbezeiten für die zu ihr gehörenden Sender einen Umsatz von insgesamt 1,4 Mrd Euro (Anteil von 82 Prozent am Gesamtumsatz, der 1,7 Mrd Euro betrug). Hinzu kamen aus dem Verkauf von Senderechten Erlöse in Höhe von 160 Mio Euro und sonstige Umsatzerlöse in Höhe von weiteren 146 Mio Euro. Unter der Position „sonstige Umsatzerlöse“ werden beispielsweise Einnahmen aus der Untervermietung von Satellitentransponderkapazitäten und aus Telefonmehrwertdiensten (etwa Anrufe zu Abstimmungen bei Castingshows) verbucht.

Probleme bei Pro Sieben Sat 1

Im Jahresabschluss 2016 der RTL Television GmbH sind keine Wirtschaftszahlen enthalten, die sich ausschließlich auf das RTL-Hauptprogramm beziehen. Erwähnt werden aber die Abschlussergebnisse von Vox und n-tv, da diese Sender von Tochterfirmen von RTL Television betrieben werden. Mit einem Gewinn von 257 Mio Euro erzielte Vox ein neues Rekordergebnis (22 Mio Euro bzw. 9 Prozent mehr als im Vorjahr). Der Nachrichten- und Dokumentationskanal n-tv erwirtschaftete 2016 einen Überschuss von 3,4 Mio Euro – ebenfalls ein neuer Höchstwert; er lag um 1,9 Mio Euro über dem Gewinn des Vorjahres (plus 127 Prozent).

Als der Jahresabschluss 2016 der RTL Television GmbH Ende März 2017 vorlag (veröffentlicht wurde er dann erst Mitte August), hatte das Unternehmen für das Gesamtjahr 2017 „Umsatzerlöse und ein Ergebnis auf Vorjahresniveau“ prognostiziert. Diese Prognose scheint sich nun zu bestätigen. Im ersten Halbjahr 2017 liefen die RTL-Geschäfte in Deutschland auf Vorjahresniveau. Das geht jedenfalls aus der Halbjahresbilanz der internationalen RTL Group hervor, die am 30. August veröffentlicht wurde.

Für die ersten sechs Monate wies die RTL Group nach dem IRFS-Verfahren für die Geschäfte in Deutschland einen Umsatz von 1,075 Mrd Euro aus (plus 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum). Der operative Gewinn belief sich demnach auf 365 Mio Euro (plus 0,8 Prozent). Insgesamt erzielte die RTL Group im ersten Halbjahr 2017 einen Umsatz von knapp 3 Mrd Euro und einen operativen Gewinn von 626 Mio Euro. Während im Vergleich zum ersten Halbjahr 2016 der Umsatz um 3,5 Prozent zulegte, sank der operative Gewinn jedoch um 7,8 Prozent.

Die RTL Group erwartet für 2017 insgesamt ein Umsatzwachstum zwischen 2,5 und 5 Prozent, vor allem getrieben durch die Aktivitäten im Digitalbereich und der deutschen RTL-Gruppe. Die Werbeerlöse sollen im Gesamtjahr 2017 um rund ein Prozent steigen. Die Pro-Sieben-Sat-1-Konzern, der Hauptwettbewerber der Mediengruppe RTL Deutschland, hatte am 28. August erklärt, sie erwarte im dritten Quartal sinkende Werbeumsätze bei ihren Sendern. Insgesamt rechnet Pro Sieben Sat 1 im dritten Quartal 2017 mit einem Umsatzrückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich. Der Konzern erwartet nun, „dass der deutsche TV-Werbemarkt im Jahr 2017 in etwa das Niveau des Vorjahres erreichen wird“. Zuvor hatte das Unternehmen mit einem Zuwachs von 1,5 bis 2,5 Prozent kalkuliert.

Nicht zuletzt aufgrund dieser Probleme wegen der verschlechterten Aussichten beim TV-Werbegeschäft kündigte der Pro-Sieben-Sat-1-Konzern an, seine Strukturen zu untersuchen. Geprüft werden solle etwa, ob es sinnvoll sei, die bisher getrennten Segmente für die Fernsehsender und das Online-Video-Geschäft (Maxdome, Studio 71) zusammenzulegen. Im ersten Halbjahr 2017 erwirtschaftete die Pro-Sieben-Sat-1-Gruppe, die nach dem IFRS-Verfahren bilanziert, einen Umsatz von rund 1,9 Mrd Euro (plus 11 Prozent im Vergleich zum Vorjahrszeitraum) und einen Gewinn von unter dem Strich 188 Mio Euro (minus 8,5 Prozent).

08.09.2017 – vn/MK

Print-Ausgabe 12/2019

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