Pantaflix will Streaming- und Produktionsgeschäft ausbauen

17.11.2017 •

Das auf Expansion setzende Streaming- und Filmproduktionsunternehmen Pantaflix hat sein Führungsteam erweitert. Seit dem 1. November ist Nicolas Paalzow Chief Production Officer (CPO) bei der in München ansässigen Pantaflix AG, die auch den gleichnamigen Streaming-Anbieter betreibt. Die Position des CPO wurde bei dem börsennotierten Unternehmen neu geschaffen. Als Chief Production Officer gehört der 50‑jährige Paalzow nun auch dem Vorstand der Pantaflix AG an, der noch aus dem Vorstandsvorsitzenden Dan Maag und Chief Operating Officer (COO) Stefan Langefeld besteht.

Der 42-jährige Maag ist weiterhin vor allem für die strategische Entwicklung des Unternehmens und internationale Partnerschaften zuständig. Langefeld verantwortet die operative Geschäftsentwicklung und die Video-on-Demand-Aktivitäten. Der 45‑Jährige arbeitet seit Mai bei der Pantaflix AG; zuvor war er ab 2007 für den US-Konzern Apple tätig, dort zuletzt ab 2013 als ‘iTunes Head of TV and Movies’ für Mittel- und Osteuropa. Nicolas Paalzow – der früher unter anderem Geschäftsführer der Fernsehsender Sat 1 und Pro Sieben sowie Chef der Produktionsfirmen Janus TV und MME Entertainment war – soll sich nun zusammen mit Dan Maag um den Ausbau des Produktionsgeschäfts von Pantaflix kümmern.

Schweighöfer, Winterscheidt

Paalzow hat seine neue Position bei der Pantaflix AG zusätzlich zu seiner Funktion als Geschäftsführer von Creative Cosmos 15 übernommen. Dieses Unternehmen, das 2015 gegründet wurde (weshalb die Zahl 15 im Firmennamen enthalten ist), produziert unter anderem Werbeinhalte für Firmenkunden, darunter im Jahr 2016 die vierteilige und über soziale Online-Netzwerke verbreitete Spot-Serie „Der Spediteur“, in der Joachim Winterscheidt als Protagonist für den Volkswagen-Konzern auftrat. Winterscheidt, der bei Pro Sieben zusammen mit Klaas Heufer-Umlauf mehrere Shows moderiert, gehört wie unter anderem auch Nicolas Paalzow und das Unternehmen Pantaflix AG zu den Gesellschaftern von Creative Cosmos 15.

Die Ursprünge der Pantaflix AG gehen auf das Jahr 2009 zurück, als der Schauspieler Matthias Schweighöfer zusammen mit dem Filmproduzenten Dan Maag und dem Investor Marco Beckmann die Firma Pantaleon Entertainment gründete, um Kinofilme herzustellen. Ein Jahr später wurde das Produktionsgeschäft in die 100-prozentige Tochterfirma Pantaleon Films verlagert. Pantaleon Entertainment diente in der Folge als Dachgesellschaft und wurde 2014 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Im März 2015 erfolgte dann der Gang an die Frankfurter Wertpapierbörse.

Pantaleon Films hat seit 2011 mehrere Filme mit Matthias Schweighöfer in der Hauptrolle produziert, unter anderem „What a Man“ (2011), „Vaterfreuden“ (2014) und „Der geilste Tag“ (2016). Für Amazon Prime Video stellte die Firma außerdem die Thriller-Serie „You Are Wanted“ her, in der Schweighöfer ebenfalls die Hauptrolle spielt und bei der er auch Regie führte. Die erste Staffel der Serie stellte Amazon ab Mitte März 2017 zum Abruf bereit (vgl. Kritik in MK 7/17). Die Dreharbeiten für die zweite Staffel von „You Are Wanted“, die Amazon bei Pantaleon Films bestellt hat, begannen am 22. September dieses Jahres.

Weltweites Angebot geplant

Parallel zum Ausbau des Produktionsgeschäfts haben sich die Gründer von Pantaleon Entertainment entschieden, in das Video-on-Demand-Geschäft einzusteigen. So ging im Juli 2016 der Streaming-Anbieter Pantaflix in Deutschland an den Start, der von der Pantaflix Technologies GmbH betrieben wird, einer Tochterfirma der heutigen Pantaflix AG. Bis August 2017 firmierte die Pantaflix AG noch unter dem Namen Pantaleon Entertainment AG. Mit der Umbenennung soll die Fokussierung auf das Video-on-Demand-Geschäft deutlich werden. Aktuell gehören rund 60 Prozent der Pantaflix-Aktien der Black Mars Capital GmbH, an der zu je einem Drittel Matthias Schweighöfer, Dan Maag und Marco Beckmann beteiligt sind. Zirka 40 Prozent der Pantaflix-Aktien sind im Streubesitz; nicht näher bekannte institutionelle Investoren aus Deutschland und dem übrigen Europa haben sich zuletzt bei Pantaflix mit kleineren Aktienpaketen eingekauft.

Das Geschäftsmodell des Streaming-Anbieters Pantaflix, dessen Angebot seit Ende 2016 in ganz Europa und in den USA verfügbar ist, unterscheidet sich von dem Modell, wie es von Konkurrenten wie Amazon Prime Video, Netflix oder Maxdome bekannt ist. Auf der Video-on-Demand-Plattform von Pantaflix sind nur solche Filme verfügbar, die dort von Produzenten als Rechteinhabern auch zum Streaming eingestellt werden. Die Produzenten bestimmen zudem, in welchen Ländern ihre jeweiligen Filme abgerufen werden können. Außerdem sind es die Produzenten, die den jeweiligen Preis festlegen, zu dem ihre Filme angesehen werden können. Die bei Pantaflix angebotenen Filme kosten für Kunden, die den Streaming-Anbieter von Deutschland aus nutzen, grundsätzlich zwischen 99 Cent und 4,99 Euro. Es gibt also kein Abo-Modell, wie es bei Netflix & Co. üblich ist.

Entscheidet sich ein Nutzer bei Pantaflix für einen Film, dann erwirbt er das Recht, ihn innerhalb von 30 Tagen anzusehen. Sobald innerhalb dieses Zeitraums damit begonnen wurde, den Film zu streamen, endet die Nutzungszeit dafür nach zwei Tagen (48 Stunden). Von den Nettoeinnahmen, die Pantaflix aus dem Streaming für jeden einzelnen Film erhält (also abzüglich der Mehrwertsteuer von 19 Prozent), behält das Unternehmen 25 Prozent. Die übrigen 75 Prozent der Nettoerlöse fließen direkt an den jeweiligen Produzenten. Bis Jahresende sollen bei Pantaflix insgesamt 40.000 Filme verfügbar sein. Künftig will Pantaflix auch Serien zum Abruf anbieten. Schon bald will der Streaming-Anbieter, so hat er es sich zum Ziel gesetzt, „für Endkunden in der ganzen Welt zur Verfügung stehen“.

Konkrete Nutzungszahlen seines Streaming-Angebots nennt Pantaflix bisher nicht. Ende September verwies die Pantaflix AG im Rahmen der Veröffentlichung ihres Berichts über den Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr 2017 lediglich auf eine „hohe Nachfrage“ nach Filmen über die Video-on-Demand-Plattform. Die Einnahmen der Pantaflix AG für ihre gesamten Geschäftsaktivitäten betrugen im ersten Halbjahr 13,3 Mio Euro und haben sich damit versiebenfacht im Vergleich zu den Einnahmen im ersten Halbjahr 2016 (1,8 Mio Euro). Unter dem Strich machte die Pantaflix AG in den ersten sechs Monaten dieses Jahres aber einen Verlust von 1,7 Mio Euro (1. Halbjahr 2016: minus 2,5 Mio Euro).

17.11.2017 – vn/MK