USA: Die Nachrichtensender kämpfen um Zuschauer

09.11.2017 •

09.11.2017 • Auf kaum einem anderen Gebiet des US-Fernsehens herrscht derzeit so viel Bewegung wie auf dem Nachrichtensektor. Die Kabelnetworks drängen sich immer mehr in den Vordergrund. Zwischen CNN, MSNBC und Fox News ist während der Phase des US-Präsidentschaftswahlkampfs des vergangenen Jahres ein verstärkter Wettbewerb entstanden, der sich durch das fortdauernde Chaos im Weißen Haus auch nach Donald Trumps Wahl zum Präsidenten fortgesetzt hat. Die abendlichen Nachrichtenmagazine von MSNBC, unter ihnen vor allem die „Rachel Maddow Show“, haben die Sendungen von Fox News überrundet und stehen in der Gesamtsumme seither auf Platz 2 hinter den Angeboten von CNN.

„Meet the Press“ (NBC), das dienstälteste Sendeformat im US-Fernsehen, hat bei den Broadcast-Networks wieder die Spitze erklommen. Und zwischen den traditionellen Nachrichtensendungen der Broadcast-Networks ist der Konkurrenzkampf heftiger denn je. Was natürlich nicht zuletzt auch mit den zahlreichen digitalen Angeboten und den sich verändernden Präferenzen des Publikums zu tun hat.

Alles das hält die Chefs der Nachrichtenabteilungen nicht davon ab, ihr eigenes Lob zu singen und Umorientierungen des Publikums schönzureden. Dabei haben die frühmorgendlichen und abendlichen Nachrichtensendungen der Broadcast-Networks ABC, CBS und NBC während der TV-Saison 2016/17 fast alle an Zuschauern verloren. Auch dass die Zahlen in der wichtigen Altersgruppe der 25- bis 54-Jährigen noch deutlicher gefallen sind, nämlich – je nach Sendung – um sechs bis zwölf Prozent, versuchen die Nachrichtenchefs hinter den wenigen positiven Entwicklungen, die sie finden können, zu verbergen.

Niveauverlust bei den Broadcast‑Networks

James Goldston, der Präsident von ABC News, betrachtet es zum Beispiel als großen Erfolg, dass das abends zur besten Sendezeit ausgestrahlte Format „ABC World News Tonight“ immer noch genauso viele Zuschauer hat wie vor zehn Jahren. Dabei verschweigt er, dass die Sendung inzwischen vornehmlich von alten Menschen eingeschaltet wird und in der demografischen Gruppe der 25- bis 54-Jährigen konstant rückläufig ist. Daran hat auch der smarte junge Anchorman David Muir, der seit drei Jahren alleiniger Moderator von „ABC World News Tonight“ ist, nichts ändern können.

Die Gewinner auf dem Nachrichtensektor des US-amerikanischen Fernsehens sind eindeutig die Kabelsender, deren Quoten während der letzten TV-Saison allesamt gestiegen sind, in der traditionellen Nachrichtenstunde zwischen 18.00 und 19.00 Uhr zum Beispiel um 16 Prozent. Niemand will bestreiten, dass die alteingesessenen Nachrichtensendungen der Broadcast-Networks „nach wie vor ein relevanter Teil“ der Kommunikation sind, wie NBC-News-Präsident Noah Oppenheim es jüngst ausdrückte. Aber die Moderatorinnen und Moderatoren im Kabelfernsehen finden inzwischen mehr Gehör, je nach politischer Einstellung der Zuschauer ziemlich gleichmäßig über alle Sender verteilt.

Die Kommunikation, von der Oppenheimer spricht, bezieht sich – mit Ausnahme von Sendungen wie „Meet the Press“ (NBC) und „Face the Nation“ (CBS) – hauptsächlich auf die Kabel-TV-Angebote. Das liegt nicht nur an der Qualität der Moderatoren, sondern auch am redaktionellen Konzept der Sendungen des Broadcast-Fernsehens, die in den vergangenen Jahren unübersehbar an Niveau und Wagemut verloren haben. Dabei müssten die großen Networks mehr denn je mit couragiertem Journalismus um ihre Zuschauer kämpfen.

09.11.2017 – Ev/MK

Print-Ausgabe 20-21/2019

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