Frauke Gerlach leitet ab Mai 2014 das Grimme‑Institut in Marl

17.01.2014 •

17.01.2014 • Frauke Gerlach ist zur neuen Direktorin des Grimme-Instituts berufen worden. Die Gesellschafter des in Marl ansässigen Instituts verständigten sich am 10. Januar 2014 einstimmig auf Gerlach als neue Direktorin. Das teilte der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung, Karl Heinz Eisfeld, nach der Sitzung des Gremiums mit. Gerlach übernimmt die Direktorenposition am 1. Mai und folgt damit auf Uwe Kammann, der seit Mai 2005 das Grimme-Institut leitet. Er wird Ende April im Alter von 65 Jahren in den Ruhestand treten, knapp drei Wochen nach der 50. Verleihung des Grimme-Preises, die für den 4. April 2014 angesetzt ist.

Frauke Gerlach leitet bisher den Grimme-Aufsichtsrat und wechselt somit demnächst in das operative Geschäft des Instituts, das künftig nach dem Willen der NRW-Regierungskoalition aus SPD und Grünen auch verstärkt Forschung betreiben und dabei insbesondere untersuchen soll, welche Folgen die Digitalisierung für die Gesellschaft hat. Frauke Gerlach, mit der erstmals eine Frau an der Spitze des Grimme-Instituts stehen wird, ist derzeit Justiziarin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag in Düsseldorf; die 49-Jährige gehört keiner Partei an. Außerdem ist sie Vorsitzende der Medienkommission der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM).

Vom Grimme-Aufsichtsrat ins operative Geschäft

Mit Gerlach wird nun auch erstmals eine Person das Grimme-Institut leiten, die nicht wie ihre Vorgänger aus dem das Fernsehen beobachtenden Journalismus kommt, sondern aus dem politischen Bereich. Das Land Nordrhein-Westfalen ist mittlerweile der Hauptfinanzier des Grimme-Instituts, das mit dem gleichnamigen Preis die wichtigste deutsche Fernsehauszeichnung vergibt.

Weil Gerlach die LfM-Medienkommission leitet, nahm der Chef der nordrhein-westfälischen Medienanstalt, Jürgen Brautmeier, in der Grimme-Gesellschafterversammlung nicht an der Abstimmung zu der Direktorenwahl teil. Die LfM ist mit 10 Prozent am Grimme-Institut beteiligt. Frauke Gerlach konnte sich bei der Wahl in der Gesellschafterversammlung gegen den zweiten verbliebenen Kandidaten für das Grimme-Direktorenamt, Stephan Weichert, durchsetzen. Der 40-jährige Weichert ist seit 2008 Professor für Journalistik an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation in Hamburg.

Die Grimme-Direktorenposition war im September vorigen Jahres von den Gesellschaftern des Instituts öffentlich ausgeschrieben worden. Mit 40 Prozent plus einer Stimme ist der Deutsche Volkshochschul-Verband (DVV) der größte Anteilseigner. Der DVV stellt mit Karl Heinz Eisfeld auch den Vorsitzenden der Gesellschafterversammlung. Die weiteren sechs Gesellschafter, die jeweils 10 Prozent halten, sind neben der LfM noch das Land Nordrhein-Westfalen, die Film- und Medienstiftung NRW, der Westdeutsche Rundfunk (WDR), das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) und die Stadt Marl.

Drei Kandidaten und ein DVV‑Vorschlag

Auf die Ausschreibung für den Grimme-Direktorenposten waren insgesamt 17 Bewerbungen eingegangen. Eine von der Gesellschafterversammlung eingesetzte Findungskommission wählte anschließend von den Bewerbern drei Personen als Kandidaten aus. Zusätzlich schlug der DVV selbst Frauke Gerlach als weitere Kandidatin für die Leitungsposition vor. Sie hatte sich auf die Ausschreibung von sich aus nicht beworben. Nachdem dann bekannt wurde, dass der Volkshochschulverband sich aktiv für Gerlach einsetzt, sagten zwei der insgesamt vier von der Findungskommission zur Vorstellung eingeladenen Kandidaten ab (darunter FK-Chefredakteur Dieter Anschlag).

Dass der DVV Frauke Gerlach vorschlug, war auch im Sinne der rot-grünen Landesregierung, zumal Gerlach als Grimme-Aufsichtsratsvorsitzende schon seit über einem Jahr die von der rot-grünen NRW-Medienpolitik angestoßene Neuausrichtung des Instituts in Richtung mehr Forschung mitsteuerte (vgl. FK-Hefte Nr. 42/12 und 43/12). Insofern war der Wahlausgang letztlich von vornherein klar.

Frauke Gerlach, geb. am 16. März 1964, schloss ein Studium der Rechtswissenschaften in ihrer Geburtsstadt Kiel sowie in Göttingen mit dem zweiten Staatsexamen ab. Die Volljuristin wurde 1998 Justiziarin der grünen Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen. Seit Dezember 2005 ist sie auch Vorsitzende der LfM-Medienkommission. Dem Gremium gehörte sie bereits ab 2001 als Mitglied an. Im Frühjahr 2010 war Frauke Gerlach bei der Wahl um das LfM-Direktorenamt Jürgen Brautmeier, dem zweiten Kandidaten, unterlegen (vgl. FK-Heft Nr. 14/10). Brautmeier war damals Abteilungsleiter bei der in Düsseldorf angesiedelten Medienanstalt und Stellvertreter des damaligen LfM-Direktors Norbert Schneider.

Im Dezember 2010 übernahm Frauke Gerlach dann – zusätzlich zu ihren bisherigen Positionen – auch den Vorsitz des Aufsichtsrats der Film- und Medienstiftung NRW (Düsseldorf), in den sie im Januar 2007 als Mitglied eingezogen war. Im Mai 2011 wurde sie außerdem Vorsitzende des Grimme-Aufsichtsrats. Diese Position wie auch ihre Vorsitzämter im Aufsichtsrat der Filmstiftung und in der LfM-Medienkommission wird Gerlach spätestens mit der Übernahme des Direktorenamts bei Grimme niederlegen. Im Jahr 2010 promovierte Frauke Gerlach an der Universität Siegen. Der Titel ihrer Dissertation lautet: „Media Governance – Moderne Staatlichkeit in Zeiten des Internets. Vom Rundfunkstaatsvertrag zum medienpolitischen Verhandlungssystem“.

 Text aus Heft Nr. 3/2014 der Funkkorrespondenz (heute: Medienkorrespondenz)

17.01.2014 – vn/MK